Ist die griechische Orthodoxie eine Alternative, um der vatikanischen Sekte zu entfliehen?
In dem Beitrag auf dieser Website mit dem Titel „Zwei Wege, der vatikanischen Sekte zu entfliehen“ wird der Weg eines Seminaristen beschrieben, der der Sekte entflieht, dabei aber den katholischen Glauben verliert. Der zweite Weg zeigt einen Priester der Sekte, der der Sekte entflieht, indem er sich für den Sedisvakantismus entscheidet und deshalb den katholischen Glauben bewahrt. Nun hat ein ehemaliger Katholik noch einen dritten Weg für sich entdeckt, der vatikanischen Sekte zu entfliehen. Er behauptet, dass seit 1054, als der endgültige Bruch der griechisch-schismatischen Kirche mit der katholischen Kirche eintrat, diese schismatische Kirche, auch als griechisch-orthodoxe Kirche bekannt, die wahre katholische Kirche sei. Deshalb müssen wir ernsthaft fragen: Ist die griechische Orthodoxie eine Alternative zur Konzilskirche?
Ist die griechisch-schismatische Kirche tatsächlich als eine realistische Lösung anzustreben?
Für uns ist die Behauptung, dass seit 1054 die griechisch-schismatische Kirche die wahre Kirche Christi sei, erschreckend und schockierend. Allein kirchenhistorisch betrachtet, ist diese Behauptung absurd. Zu diesem Unfug kommen noch die dogmatischen Fehlurteile, die den Weg zur schismatischen Orthodoxie kennzeichnen. Besonders ist zu beachten, dass mit der Wahl zur griechisch-orthodoxen Kirche nicht nur der katholische Glaubensschatz verloren geht, sondern auch die damit verbundenen Hilfen, das ewige Ziel zu erreichen. Welche Konsequenz das für das eigene Seelenheil hat, kann sich jeder Katholik selber ausrechnen, wenn er die Kirche Christi verlässt.
Um dies zu beweisen und unsere Leser vor diesem fatalen Irrtum, diesen falschen Weg zu gehen, zu bewahren, soll eine kurze historische und dogmatische Übersicht über die schismatisch-griechische Kirche gegeben werden.
Der Bruch der griechisch-schismatischen Kirche mit der katholischen Kirche
Bartholomäus I, seit November 1992 Erzbischof von Konstantinopel, Neu-Rom und Ökumenischer Patriarch
Eine historische Übersicht über das griechische Schisma
Die Apostel und deren Schüler beschäftigten sich nicht mit dem unterschiedlichen Gesellschaftsgepräge der Griechen und Römer, mit der Frage über Sprache und Nationalität. Sie verkündeten, wie der hl. Paulus es im Römerbrief (1,14) schreibt, als „Schuldner den Griechen und Nichtgriechen“, gemäß dem Auftrag des Herrn, denselben Glauben unter Griechen wie unter den Lateinern und vereinten beide in die eine von Petrus gegründete Kirche. Natürlich bildete sich die Kirche naturgemäß zum einen unter dem Einfluss der griechischen Zivilisation und Sprache, andererseits konstituierte sie sich im Abendland unter dem vorwiegenden Einfluss der Römer und ihrer Sprache.
So trat von Anfang an eine an sich ganz indifferente Spaltung zwischen Orient und Okzident ein, indem sich die Liturgie nicht überall derselben Sprache bediente. Bei der Feier der heiligen Geheimnisse, in der Form des Gebetes und bei einigen Punkten der Disziplin, bildeten sich Verschiedenheiten aus. Doch diese Verschiedenheiten brachten weder der Einheit des Glaubens noch der Einheit der Kirche Schaden.
Doch durch die Verschiedenheiten, die durch den griechischen Nationalstolz noch verschärft wurden, war der Keim der Trennung und Spaltung bereits nach dem Tode Konstantin d. Gr. gelegt. Es bedurfte nur noch eines kleinen Anstoßes, um die Entfremdung und Feindseligkeit zwischen Griechen und Lateinern zu einer bleibenden zu machen und ein Schisma heraufzubeschwören, dass nicht mehr leicht zu beseitigen ist.
Wie P. Deharbe in seiner Religionsgeschichte schreibt, kam zu all diesem „noch das dünkelhafte Streben der Patriarchen von Konstantinopel nach völliger Unabhängigkeit vom Abendland. Verführerisch war für dieselben der Glanz der Kaiserstadt Byzanz und das Bewusstsein, in ihrem Streben von den meisten Kaisern unterstützt zu werden. Schon zur Zeit des Papstes Gregor des Großen (590 – 604) maßte der Patriarch Johannes der Faster sich den stolzen Titel ‚ökumenischer‘, d. h. allgemeiner Bischof an, während Gregor in apostolischer Demut für sich den Titel ‚Knecht der Knechte Gottes‘ wählte.“ (Joseph Deharbe SJ, Religionsgeschichte oder Beweis für die Göttlichkeit der christlichen Religion, 1907, S. 233)
Wegen der so oft gepflegten Häresien war der Heilige Stuhl nicht ohne Grund misstrauisch gegen die Griechen. Die Trullanische Synode (691) verschärfte den Gegensatz zwischen der lateinischen und griechischen Kirche durch den ungerechtfertigten Tadel der abendländischen Gebräuche, wie das Priesterzölibat, Fasten am Sonnabend, u.a.
Das Zerwürfnis durch die vom Patriarchen Photius behauptete Ketzerei über den Heiligen Geist
Es gab verschiedene Gründe für die Entfremdung zwischen Konstantinopel und Rom, z. B. dass der griechische Hof in der Politik sich in alles Kirchliche einmischte, die Patriarchen des Hofes zu seinen Werkzeugen erniedrigte und die freimütige Sprache des Stuhles Petri nicht mehr ertrug. Doch bis zur Zeit des Patriarchen Photius hatten die Unterschiede das Gebiet des Glaubens noch nicht berührt. Bis dahin bestand auf dem Gebiet des Glaubens eine Einheit zwischen Orient und Okzident. Der erste wirkliche Bruch begann, als der nichtsnutzige Photius dem Zerwürfnis eine dogmatische Grundlage gab und die Lehre der Lateiner, der Heilige Geist gehe nicht bloß vom Vater, sondern auch vom Sohne aus, für eine abscheuliche Ketzerei erklärte.
Auf der achten allgemeinen Kirchenversammlung zu Konstantinopel (869) unter dem Pontifikat von Papst Nikolaus I. wurde über Photius mit seinen Anhängern das Anathema ausgesprochen und alle gefälschten, mit Lügen und Schmähungen angefüllten Schriften gegen Rom öffentlich in der Kirche verbrannt. Aber die griechisch-schismatische Kirche erkennt dieses Konzil nicht an, stattdessen das von Photius einberufene Konzil (879 bis 880). Photius starb um das Jahr 891.
Zur apostolischen Vollmacht des Papstes siehe die Reihe über die Konzilien von vom Apostelkonzil in Jerusalem bis zum allgemeinen Konzil von Konstantinopel (869 bis 870) bei Pater F. X. Weninger SJ auf katholischglauben.online:
Doch die Partei von Photius lebte weiter. „Denn Photius hatte auf die meisten griechischen Bischofssitze Männer seines Gelichters erhoben und eine unglaubliche Anzahl von Geistlichen widerrechtlich mit Pfründen bedacht. Diese nährten stets einen tiefen Groll gegen Rom und warteten nur auf eine günstige Gelegenheit, um die Spaltung zu erneuern. Wie ein unter der Asche fort glimmender Funke erhielt sich so der durch Photius angeregte Sektengeist und griff sogar immer weiter um sich, sowohl unter der meist anrüchigen Geistlichkeit als unter der leichtsinnigen, unzufriedenen Volksmasse.“ (Schisma der griechischen Kirche 1054)
Ausführliche Informationen finden sich auf katholischglaube.info:
Mit dem Patriarchen Cärulius in das endgültige griechische Schisma
Mit dem ebenfalls nichtsnutzigen Cärularius kam um die Mitte des 11. Jahrhundert der endgültige Bruch mit Rom. Michael Cälarius, gegen das ausdrückliche Verbot des achten allgemeinen Konzils als Laie zum Patriarchen von Konstantinopel geweiht, strebte nach der Oberhoheit über die Patriarchen des Orients und zeigte sich von Anfang an als heftiger Feind der Lateiner.
Wie Photius war sein Stolz und sein Ehrgeiz unersättlich, dem verhassten Primat des Papstes zu entkommen und den überall anerkannten Vorrang des Stuhles Petri abzuwerfen. Dafür setzte er ein Schreiben in Umlauf, worin er ähnlich wie Photius die abendländische Kirche mit Schmähungen und Anlagen überhäufte. So erwähnte er als Stein des Anstoßes die Ehelosigkeit der Weltpriester, den Gebrauch des ungesäuerten Brotes beim heiligen Abendmahl, das Fasten am Samstag, das Bartscheren, das Weglassen des Alleluja in der Fastenzeit.
„Während Papst Leo IX. in Benevent sich aufhielt, kamen vom Orient zwei Briefe nach Italien: der eine, voll Ehrfurcht gegen den heiligen Stuhl, von dem neu erwählten Patriarchen Petrus von Antiochien, war an den Papst direkt gerichtet; der andere, voll der frivolsten Beschuldigungen gegen die römische Kirche, auf Anstiften des Cärularius von dem Metropoliten Leo von Achrida geschrieben, ward dem Bischof von Trani zugesandt, damit er ihn weiter dem Papst und anderen Bischöfen mitteile (1053).
Da Leo IX. auch Nachricht von den Attentaten des Patriarchen gegen die lateinischen Klöster in Konstantinopel erhalten hatte, bewog ihn dieser offenbare Friedensbruch wie das frivole Schreiben, eine ausführliche Entgegnung an Cärularius und an den Kaiser Konstantin Monomachus zu richten. Beide Schreiben machen dem gelehrten, friedliebenden und doch Notwendigen festhaltenden Verfasser alle Ehre.“ (Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon, Bd. 5, 1888, Sp. 1238/1239)
Doch fruchtlos verhallte das Schreiben und die Mahnungen der päpstlichen nach Konstantinopel gesandten Legaten. Im Gegenteil, den Gründen der Legaten vermochte Cärularius nur Gewalt, Schmähungen und dreiste Lügen entgegenzusetzen. Bei seiner Auflehnung gegen den Heiligen Stuhl konnte er auch auf die Zustimmung vieler Griechen rechnen, wenn ihm nicht auch schon die sklavische Abhängigkeit der Bischöfe gesichert gewesen wäre. Den Legaten blieb daher nichts anders übrig, als die Exkommunikationsbulle gegen Cärularius auf den Hauptaltar der Sophienkirche niederzulegen (16. Juli 1954). In tiefem Schmerz ausrufend: „Gott sieht es, er wird richten“ verlassen sie die Kirche und Konstantinopel.
Nach dem Tode von Cärularius verschärften sich die Feindseligkeiten weiter
Obwohl nur Cärularius und seine Anhänger exkommuniziert worden waren, sah die griechische Kirche darin, wie auch einst bei Photius in der über ihn ergangenen Bann, eine Exkommunikation der gesamten „rechtgläubigen“ Kirche. Der griechische Klerus, der die „barbarischen“ Abendländer samt dem Papst als von der Lehre Christi abgefallen betrachtete, während sie allein im byzantinischen Reich die Lehre in ihrer Reinheit bewahrt habe und damit dort als vorhanden ansah, warf auf einer eilig versammelten Synode den Bann auf Rom zurück und richtete neue Anklagen gegen die Lateiner, welche nichts als Anmaßung, Unwissenheit, Verwechslung des Äußerlichen mit dem Wesentlichen zeigten.
Die Zahl der Anklagen war inzwischen auf 22 gestiegen; zu Anfang des 12. Jahrhundert waren es wohl 32, und im 14. Jahrhundert sprach man gar von „unzähligen“ Ketzereien der Lateiner. (siehe Kirchenlexikon., a.a.O. Sp. 1239)
Damit hatte Cärularius sein Ziel erreicht: Der unheilvolle Riss zwischen Morgenland und Abendland war geschehen. Zwar gab es noch gemäßigtere Stimmen, die aber bei Cärularius nichts ausrichten konnten. Derselbe starb 1059; leider starb mit ihm nicht auch der schismatische Geist der Griechen.
Auf der Synode, die Papst Urban II. im Jahr 1098 nach Bari einberufen hatte und auf der auch Vertreter der Griechen anwesend waren, verteidigte der berühmte Anselm von Canterbury die Lehre vom Ausgang des heiligen Geistes vom Vater und vom Sohn siegreich. Doch die Synode blieb ohne Erfolg, was die Aufhebung der Trennung der beiden Kirchen betraf.
Im 13. Jahrhundert steigerte sich bei den Griechen immer mehr der Hass gegen die Lateiner, die man nun nunmehr als Unterjocher und Ketzer gleichmäßig verabscheute; man wusch die Altäre ab, auf denen lateinische Priester zelebriert hatten, und taufte die lateinisch Getauften nochmals.
Unter Papst Gregor IX. wurde über das Filioque und das Ungesäuerte verhandelt. Die Gesandten des Papstes widerlegten die Beschwerden der Griechen, welche für die Ungültigkeit der Konsekration mit ungesäuertem Brot sich erklärten, erzielten jedoch keinerlei befriedigendes Ergebnis. Auch weitere Bemühungen von Seiten Roms waren erfolglos, die Union zwischen der lateinischen und griechischen Kirche wieder herzustellen.
In frevelhaftem Übermut wiesen die griechischen Bischöfe die Hand der Versöhnung zurück. „Nun sollten sie den Kelch des Leidens und der Schmach bis zur Neige leeren“, wie P. Deharbe es in seiner Religionsgeschichte schreibt.
Die Übernahme des byzantinischen Reiches durch die Mohammedaner
Innenansicht der Hagia Sophia aus dem Jahr 1852
Innenraum mit den Namensschildern Mohammed, Allah und Abū Bakr
Nicht nur die Feindseligkeit der griechisch-schismatischen Kirche gegen die katholische Kirche beschwor das Unheil herauf. Auch die Grausamkeiten gegenüber den anderen orientalischen Kirchen trug sicher zu dem Unheil bei. So schreibt Bat Ye’Or, die wir bereits aus dem Beitrag „Der Weg zum islamischen Eurabia“ kennen, in ihrem Buch „Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam“:
„Entschlossen, die orientalischen Kirchen seiner Botmäßigkeit unterzuordnen, hatte der griechisch-orthodoxe Episkopat deren Riten verboten, Kirchen und Klöster konfisziert und Diözesen eingezogen. Die Wirren nahmen zu, als Kaiser Heraclius (610-41) auf Anstiften des Patriarchen von Jerusalem im Jahr 628 die zwangsweise Bekehrung der Juden anordnete. Diese Maßnahme löste in seinem ganzen Reich eine Welle von Folter und Mord aus und steigerte so die Feindseligkeit gegenüber den byzantinischen Machthabern.“ (S. 33)
Und an anderer Stelle:
„Die monophysitischen Christen, die von den Griechisch-Orthodoxen verfolgt worden waren, begrüßten das Verschwinden ihrer Unterdrücker. Ihr Klerus deutete die Niederlage und Demütigung der Byzantiner als eine Strafe Gottes:
Der Gott der Rache […] führte, als er die Bosheit der Römer [Byzantiner] sah, die überall, wo sie herrschten, unsere Kirchen und Klöster auf grausame Weise plünderten und uns mitleidlos verurteilten, aus dem südlichen Land die Söhne Ismaels heran, um uns durch sie aus den Händen der Byzantiner zu befreien. (Quelle: Michael der Syrer II 442) (S. 58)
Zwar übernahmen erst 1453 die Osmanen das byzantinische Reich, doch durch die Eroberungen der Mohammedaner schrumpfte Byzanz bis 1400 bereits auf ein klägliches Gebiet, einem Stadtstaat zusammen.
Gebietsveränderungen des Byzantinischen Reiches
Im Jahr 1453 schließlich eroberten die Osmanen unter Sultan Mehmed II. die byzantinische Hauptstadt und beendeten damit das über 1000 Jahre alte Byzantinische Reich. Die Eroberung markierte gleichzeitig den endgültigen Aufstieg des mohammedanischen Osmanischen Reiches zur Großmacht. Die Griechen mussten durch ihren Stolz und Hass gegen Rom die Knechtung durch die Osmanen annehmen, als sich dem sanften Joch des Papstes der römisch-katholischen Kirche zu unterwerfen.
Siehe auch den Beitrag:
Die Feindseligkeiten der Griechen gegenüber den Kreuzfahrern
Die griechischen Kaiser arbeiteten mit den Türken zusammen, um die Kreuzfahrer daran zu hindern, nach Jerusalem zu gelangen. So lesen wir bei Holzwarth in seiner Weltgeschichte, dass die Griechen geheime Unterhandlungen mit den Türken führten:
„Das stark befestigte Nicäa gehörte dem Sultan von Ikonium, Kilidsch Arslan, der seit dem Tod Malek Schahs, des größten unter den seldschukischen Herrschern, unter welchem Jerusalem erobert worden war und die seldschukische Macht ihren Höhepunkt erreicht hatte, in den inneren Ländern Kleinasiens eine vollständig unabhängige Herrschaft behauptete. … Obgleich die Stadt mit einer starken Besatzung und ausreichenden Lebensmitteln versehen war, hätte dieselbe den vereinigten Anstrengungen der Kreuzfahrer, die den zu ihrer Bekämpfung herbeigeeilten Kilidsch Arslan siegreich zurückgeschlagen hatten, erliegen müssen, wäre es nicht den Griechen gelungen, insgeheim mit den Bewohnern von Nicäa Unterhandlungen anzuknüpfen, infolge deren die Truppen des griechischen Kaisers am 20. Juni in die Stadt aufgenommen wurden.
Mit Staunen sahen die Kreuzfahrer die Fahnen der Griechen von den Mauern herab wehen; aber so groß auch ihr Unwille über die Schlauheit der Griechen war, sie konnten an dem Geschehenen nichts ändern. (Quelle: Der erste Kreuzzug 1095 bis 1100)
Beim dritten Kreuzzug war es nicht anders. Wir lesen in der Weltgeschichte von Holzwarth:
„Kaiser Isaak Angelus, ein ebenso grausamer als charakterloser Fürst, der im Jahr 1185 durch eine blutige Palastrevolution, die der Herrschaft der Komnenen ein Ende machte, auf den Thron gelangt war, lebte in dem Wahn, Friedrich gehe auf die Eroberung des griechischen Reiches aus, und hatte sich daher, ungeachtet des mit dem Kaiser geschlossenen Vertrages, insgeheim mit Saladin verbündet. Seine Macht überschätzend und von schrankenlosem Dünkel aufgebläht, wagte er es, dem Kaiser zu trotzen, indem er dessen Gesandte in der Kerker werfen ließ. …
Als Friedrich hierauf mit seinem unaufhaltsam vorwärts rückenden Heer Philippopolis besetzte und das Land als ein feindliches behandelte, wurden seine Gesandten freigegeben, doch beharrten die Griechen in ihren feindseligen Gesinnungen gegen die Kreuzfahrer. Der Patriarch von Konstantinopel predigte sogar in der Sophienkirche vor dem kaiserlichen Hof und im Beisein vieler Abendländer, dass ein Grieche, der hundert Kreuzfahrer töte, dadurch Nachlass für zehn andere Mordtaten verdiene.“ (Quelle: Der dritte Kreuzzug 1189 bis 1192)
Bei dem vierten Kreuzzug (1202 bis 120), der ursprünglich die Eroberung Ägyptens vorsah, hatte Papst Innozenz III. Die Kreuzfahrer ausdrücklich in einem Brief den Krieg gegen Christen, also auch gegen die schismatischen Griechen untersagt. Der Brief wurde aber von den Anführern des Kreuzzuges abgefangen. Die Venezianer, die Ideengeber des Krieges gegen Christen waren, wurden vom Papst mit der Exkommunikation bestraft. Als Vorwand, Konstantinopel zu erobern und zu plündern, nahmen sie die Wortbrüchigkeit der Griechen, die Stadt durch eine lateinische Herrschaft zu ersetzen.
Der Papst schrieb wieder einen Brief, in dem er ausdrücklich die Eroberung und die damit verbundene Plünderung von Konstantinopel verbot. Wieder wurde der Brief abgefangen. (Quelle: Wikipedia Stichwort Vierter Kreuzzug)
Kann die griechisch-schismatische Kirche wirklich die wahre katholische Kirche sein?
P. Deharbe schreibt in seiner Religionsgeschichte über die byzantinische Kirche Folgendes:
„Von jener glühenden Begeisterung zur Verbreitung des Reiches Gottes, von jenem frischen, glaubensfreudigen und opferwilligen Leben, welches in der römischen Kirche das Walten des Heiligen Geistes so herrlich kundgibt, sehen wir bei ihr nicht die Spur. Oder wo sind in der morgenländischen Kirche die begeisterten Glaubensboten, die Männer mächtig in Wort und Tat, wie wir sie später im Abendland werden auftreten sehen, wie z. B. ein heiliger Bernhard, Dominikus, Franz von Assisi, Ignatius von Loyola, Franz Xaver? Wo die Scharen heiliger Blutzeugen? Wo Männer wie Thomas von Aquin, Karl Borromäus, Vinzenz von Paul?
Solch weltberühmte Gottesgelehrte, solch heilige Bischöfe und Helden der Nächstenliebe sind in der schismatischen Kirche nicht zu finden. Überall war ein dumpfes Hinbrüten, eine kalte, eisige Erstarrung. Mit erdrückender Wucht lähmte nach ihrer Lostrennung von Rom die despotische Willkür der byzantinischen Kaiser jede Lebensäußerung; aus der freien Braut Jesu Christi wurde sie die Magd, die ohnmächtige Sklavin des Staates.
Noch schmachvoller ist ihre Knechtung unter den türkischen Herrschern geworden. Mit Recht wird der Zustand des Patriarchats von Konstantinopel der schmachvollste und verdorbenste genannt, zu dem eine altehrwürdige Kirche hinabgedrückt werden konnte. Und weit entfernt, dass sie in ihrem eigenen Schoß die Kraft besäße, sich aus ihrem Staub zu erheben und zu erneuern, ist vielmehr die ganze Hierarchie von Fäulnis durchdrungen.
In schauerlichem Grad herrscht Simonie, Käuflichkeit und Bestechlichkeit des hohen und niederen Klerus, Anwendung aller erdenklichen Mittel, um Gaben und Steuern zu erpressen. Der Sultan wählt denjenigen zum Patriarchen, welcher ihm die meisten Goldstücke bietet, und setzt den Gewählten nach Willkür wieder ab, wenn ein anderer eine größere Summe bringt. Die Fälle, in denen ein Patriarch im Besitz seiner Würde stirbt, sind daher selten. Hat er sich dieselbe mit schwerem Geld erkauft, so bringt er diese Summe zunächst durch den Verkauf der Erzbistümer und Bistümer herein, die Käufer aber machen sich wieder durch Erpressungen von dem niederen Klerus und dem Volk bezahlt.
Zu alledem herrscht beim Klerus eine solche Unwissenheit, dass er zum großen Teil nicht schreiben, selbst nicht lesen kann.
Als Höhepunkt der Schmach kann aber bezeichnet werden, dass in kirchlichen Fragen die oberste Entscheidung nicht selten von der türkischen Regierung ausgeht, wie es der Patriarch Anthimos Pius IX. gegenüber ausdrücklich eingestanden hat. So geschah es, dass ein Streit über den Gebrauch, Wasser dem Abendmahlswein beizumischen, vor den türkischen Reis-Effendi gebracht wurde. Derselbe fällte das Urteil: „Der Wein ist ein unreines, vom Koran verdammtes Getränk, sie sollen also bloßes Wasser nehmen.“ (Quelle: Schisma der griechischen Kirche 1054, Link siehe oben)
Die dogmatischen Abweichungen in der griechisch-schismatischen Kirche
Die dogmatische Lehre über die Hauchung des Heiligen Geistes
Die Frage des Filioque
Unser Freund, der den Weg des Heiles verlassen hat, behauptet u.a., dass die katholische Kirche im Jahr 1014 das Nicäische Glaubensbekenntnis geändert habe, indem sie eine neue Version, nämlich das Filioque in das Glaubensbekenntnis eingefügt habe. Nun, es wäre doch recht einfach nachzuschauen, was das Konzil von Nicäa mit dem Glaubensbekenntnis, dass der Heilige Geist vom Vater ausgeht, sagen wollte.
Der historische Hintergrund für diese Version lässt sich bereits bei Wikipedia nachlesen:
„Das Konzil von Nicäa (325) sollte die durch den Häretiker Arius und seinen Anhängern verbreitete Irrlehre und ausgelösten Streit über die Trinitätslehre klären und beilegen. Es legte fest, dass Gott der Vater und Gott der Sohn wesensgleich sind, und belegte anderslautende Aussagen, wie dies der Arianismus tat, mit dem Anathema.“
„Mit dem Bekenntnis zur Wesenseinheit Christi und des Vaters bezog das Konzil Stellung gegen den Arianismus. In der Folgezeit kam es aber zum Streit um die richtige Auslegung der Begriffe, bei dem besonders der Kirchenvater Athanasius der Große in seinem um 350 verfassten Brief ‚De decretis Nicaenae synodi‘ („Über die Beschlüsse des Synode von Nizäa“) das Bekenntnis im Sinne einer scharf anti-arianischen Position interpretierte. Der Streit konnte erst auf dem folgenden Konzil von Konstantinopel 381 beigelegt werden.“
Auf dem Konzil von Konstantinopel ging es um die Anerkennung der Gottheit des Heiligen Geistes, die von den häretischen Makedonianern geleugnet wurde. Während das Nicäische Glaubensbekenntnis schlicht bekennt: „Wir glauben an den Heiligen Geist“, finden sich im Symbolum von Konstantinopel Erweiterungen, welche die Gottheit des Heiligen Geistes klar zum Ausdruck bringen.
Dr. Johannes Dörmann schreibt in seinem Buch „Johannes Paul II. Sein theologischer Weg“:
„Der Glaubensartikel lautet wörtlich in lateinischer Sprache: »Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem, ex Patre procedentem, cum patre et Filio adorandum et conglorificandum, qui locutus est per Prophetas«. Alle Erweiterungen sind ein Bekenntnis zur Gottgleichheit des Heiligen Geistes. Das »ex Patre procedentem« stellt die Gottgleichheit des Heiligen Geistes mit dem Vater klar. Damit sollte aber keineswegs gesagt werden, dass der Heilige Geist aus dem Vater allein hervorgehe.“
„Auch das Filioque ist eine solche interpretierende Erweiterung zum »ex Patre procedentem«, die jedoch im Symbolum des Konzils von Konstantinopel nicht vorkommt, sondern durch die lateinische Kirche später eingefügt wurde, zuerst auf der 4. Synode von Braga (675), nachdem die Lehre schon durch Formulierungen verschiedener Synoden in Spanien seit Mitte des 5. Jahrhunderts (1. Synode von Toledo 445) verbreitet war. Von Spanien aus gelangte die neue Form des Symbolums in die Liturgie und nach Gallien.“ (S. 646)
Tatsächlich hat das Konzil von Ephesos das wörtliche Glaubensbekenntnis von Nicäa ausdrücklich bestätigt und erklärt, dass es nicht verändert werden dürfe.
Doch bedeutet das, dass die heilige katholische Kirche im Irrtum ist mit der angeblichen Änderung des Glaubensbekenntnisses, in dem sie das Filioque in das Credo eingefügt hat? Dass sie eine Häresie begangen hat? Die griechisch-schismatische Kirche glaubt nämlich, dass der Heilige Geist NUR vom Vater ausgeht, nicht aber vom Sohn.
Bei Wikipedia lesen wir unter dem Stichwort Filioque Folgendes:
„Das Filioque ist ein lateinischer Zusatz zur Erklärung des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel über den Hervorgang des Heiligen Geistes, der in der ursprünglichen Fassung von 381 nicht enthalten ist. In der westlichen Kirche wird er jedoch seit dem 5. Jahrhundert in trinitätstheologischen Formulierungen verwendet, genießt seit dem 13. Jahrhundert sogar dogmatischen Rang“.
„Bereits bei dem Kirchenschriftsteller Tertullian (Adv. Prax. 4), den Kirchenvätern Athanasius (Ep. ad Serap. 3,1), Basilius (De Spiritu Sancto 18,47), Ambrosius (De Spiritu Sancto I 120), Augustinus (In Ioan. tr. 99,6; De Trin. XV 27, 48) und weiteren Kirchenvätern gibt es Formulierungen, auf die sich die spätere Trinitätstheologie und die Verwendung von Filioque-Formeln stützen konnte. Dabei bevorzugen die westlichen Väter eine koordinierende Formel (der Heilige Geist gehe aus dem Vater und dem Sohn hervor), während die östlichen Väter eine subordinierende Formel bevorzugen (vom Vater durch den Sohn).“
Wie Johannes Dörmann schreibt, wurde die inhaltliche Übereinstimmung des Filioque im Dogma der lateinischen Kirche mit dem Symbolum des 1. Ökumenischen Konzils von Konstantinopel während der folgenden Jahrhunderte hinreichend erklärt und begründet. Nochmals: Das Konzil hat zwar nur bekannt, dass der Heilige Geist »vom Vater ausgeht«, aber damit nicht sagen wollen, der Vater sei der »einzige Ursprung sowohl des Sohnes als auch des Heiligen Geistes«
Der Traditionsbeweis für das Dogma Filioque
Die Lehre der katholischen Kirche lautet, weil Dogma:
Der Hl. Geist geht aus dem Vater und dem Sohn als einem einzigen Prinzip durch eine einzige Hauchung hervor. De fide.
Dr. Ludwig Ott, dessen Buch „Grundriss der katholischen Dogmatik“ als Lehrbuch für die Seminaristen vor dem Montinischen Konzil galt, erklärt:
Die lateinischen Väter bevorzugen die koordinierende Formel: ex Patre et Filio (Filioque), die griechischen die subordinierende Formel: ex Patre per Filium. Tertullian verwendet beide. Adv. Prax. 4: „Den Geist leite ich nicht anderswoher ab als aus dem Vater durch den Sohn“ (A Patre per Filium). Ebd. 8: „Der dritte ist der Geist von Gott (dem Vater) und dem Sohne her (a Deo et Filio), wie das dritte von der Wurzel her die aus dem Schößling hervorgehende Frucht.“ Augustinus begründet den Hervorgang des Hl. Geistes aus dem Sohn in einem ausführlichen Schriftbeweis (In Ion. tr. 99, 6; De Trin. XV 27, 48).
Der hl. Athanasius erklärt: „Dasselbe eigentümliche Verhältnis, in dem wir den Sohn zum Vater wissen, obwaltet, wie wir finden werden, auch zwischen dem Geist und dem Sohn. Und wie der Sohn spricht: Alles, was der Vater hat, ist mein (Joh. 16, 15), so werden wir finden, dass dies alles durch den Sohn auch im Geiste ist“ (Ep. ad Serap. 3, 1). Der heilige Basilius lehrt, dass „die naturhafte Güte und die naturhafte Heiligkeit und die königliche Würde vom Vater durch den Eingeborenen auf den Geist übergeht“ (De Spiritu Sancto 18, 47).
Didymus von Alexandrien, Epiphanius von Salamis und Cyrill von Alexandrien gebrauchen, wenn auch nicht ausschließlich, die koordinierende Formel. Vgl. Epiphanius, Ancoratus 7: „Aus derselben Wesenheit des Vaters und des Sohnes ist der Hl. Geist.“
Johannes von Damaskus bestreitet zwar, dass der Hl. Geist aus dem Sohn ist, lehrt aber, dass er der Geist des Sohnes ist und dass er durch den Sohn vom Vater ausgeht (De fide orth. I 8. 12). Er leugnet damit nicht das Prinzipsein des Sohnes überhaupt, sondern nur, dass er Urprinzip ist wie der Vater.
Die koordinierende und subordinierende Formel stimmen im Wesentlichen überein
Die koordinierende und subordinierende Formel stimmen im Wesentlichen überein, insofern sie beide das Prinzipsein sowohl des Vaters als auch des Sohnes bezeugen, ergänzen sich jedoch. Während in der ersteren vor allem die Einzigkeit und das Ungeteiltsein des Prinzips zum Ausdruck kommt, hebt letztere wirksam hervor, dass der Vater das Urprinzip ist (vgl. Augustinus, De Trin. XV 17, 29), der Sohn aber als „Gott von Gott“ abgeleitetes Prinzip, insofern er mit seinem Wesen auch die Spirationskraft vom Vater empfängt.
Begründung aus der Hl. Schrift
Ludwig Ott gibt auch eine Begründung aus der Hl. Schrift:
a) Der Hl. Geist ist nach der Lehre der Hl. Schrift nicht bloß der Geist des Vaters (Mt. 10, 20: „Der Geist eures Vaters ist es, der in euch redet“; vgl. Joh. 15, 26; 1. Kor. 2, 11f.), sondern auch der Geist des Sohnes (Gal. 4, 6: „Gott sandte den Geist seines Sohnes in eure Herzen“), der Geist Jesu (Apg. 16, 7: „Der Geist Jesu gestattete es ihnen nicht“), der Geist Christi (Röm. 8, 9: „Wenn aber jemand den Geist Christi nicht hat, so gehört er ihm nicht an“), der Geist Jesu Christi (Phil. 1, 19: „durch die Hilfeleistung des Geistes Jesu Christi“).
Wenn die Bezeichnung „Geist des Vaters“ eine Ursprungsbeziehung zum Vater ausdrückt (= spiramen Patris oder spiratus a Patre), wie auch die Griechen zugeben, dann muss in analoger Weise auch die Bezeichnung „Geist des Sohnes“ eine Ursprungsbeziehung zum Sohn ausdrücken (= spiramen Filii oder spiratus a Filio).
b) Der Hl. Geist wird nicht bloß vom Vater (Joh. 14, 16. 26), sondern auch vom Sohn gesandt. Joh. 15, 26: „der Beisteher, den ich euch vom Vater senden werde“; vgl. Joh. 16, 7; Lk. 24, 49; Joh. 20, 22. Die Sendung nach außen ist gewissermaßen die Fortsetzung des ewigen Hervorgangs in der Zeit. Aus der Sendung kann man darum auf den ewigen Hervorgang schließen. Dem Senden entspricht das ewige Hervorbringen, dem Gesandtwerden das ewige Hervorgebrachtwerden. Da nach dem Zeugnis der Hl. Schrift der Hl. Geist vom Vater und vom Sohn gesandt wird, so ist daraus zu folgern, dass er vom Vater und vom Sohn hervorgebracht wird.
c) Der Hl. Geist empfängt sein Wissen vom Sohn. Joh. 16, 13f: „Alles, was er hört, wird er reden … Jener wird mich verherrlichen; denn er wird aus dem Meinigen nehmen und es euch verkünden.“ Das Hören und Empfangen des Wissens kann bei einer göttlichen Person nur so verstanden werden, dass sie das göttliche Wissen und die damit identische göttliche Wesenheit von Ewigkeit her von einer anderen göttlichen Person durch Wesensmitteilung empfängt. Da der Hl. Geist sein Wissen vom Sohn empfängt, muss er vom Sohn ausgehen, wie der Sohn, der sein Wissen vom Vater empfängt (Joh. 8, 26ff), vom Vater ausgeht.
Der hl. Augustinus bemerkt zu der Stelle: „Von jenem wird er es hören, von dem er ausgeht. Hören ist für ihn Wissen, Wissen aber Sein.“ (In Ioan. tr. 99, 4)
Dass der Hl. Geist vom Vater und vom Sohn wie von einem einzigen Prinzip und durch eine einzige Hauchung ausgeht, ergibt sich aus Joh. 16, 15: „Alles, was der Vater hat, ist mein.“ Wenn der Sohn auf Grund seiner ewigen Zeugung vom Vater alles besitzt, was der Vater besitzt, ausgenommen die Vaterschaft und die Ursprungslosigkeit, welche nicht mitteilbar sind, dann muss er auch die Hauchungskraft (vis spirativa) und damit das Prinzipsein in Bezug auf den Hl. Geist besitzen. (S. 75 – S. 77)
Es wäre wirklich fatal, die häretische Lehre von Photius, dass der Vater der einzige Ursprung des Sohnes und des Heiligen Geistes sei, als rechtgläubig anzusehen, wie dies übrigens auch Karol Wojtyla der Ökumene wegen getan hat. (Siehe Dörmann, a.a.O., S. 628 – S. 690)
Siehe dazu auch den Beitrag:
– Die Trinitarische Häresie bei Karol Wojtyla
Die Frage der Unbefleckten Empfängnis der Gottesgebärerin Maria
Unser Freund stellt auch die Frage, ob die Kirchenväter an die Unbefleckte Empfängnis Mariens geglaubt haben, womit er bereits einen weiteren Schritt in den Abfall vom katholischen Glauben tat.
So behauptet er, dass die Lehre der Unbefleckten Empfängnis keine Lehre der frühen Kirche und der Kirchenväter war. Sie sei eine Folge der Sonderlehre (!) des hl. Augustinus über die Erbsünde. Auch in der abendländischen Kirche sei der Glaube (unser abgefallener Freund nennt es Konzept) an die Unbefleckte Empfängnis fremd gewesen. Weil es einen Widerspruch gab zwischen der Lehre vom Sündenfall, wonach ja auch Maria als Tochter Evas eigentlich der Erbsünde unterliegen müsste, und ihrer Sündenlosigkeit, musste dieser Widerspruch „eliminiert“ werden. So entwickelte man „quasi die Idee“ der Unbefleckten Empfängnis.
Der Höhepunkt seiner Ausführung gipfelt in seiner Frage, „warum Gott nicht alle Menschen von der Erbschuld befreit hat, wenn es ihm doch bei Maria möglich war“.
Hat unser Freund jemals den christlichen, weil katholischen Glauben über die Erlösung durch unseren Herrn Jesus Christus jemals verstanden und geglaubt?
Wir können hier nicht alle Details darlegen, die notwendig sind, um ihn zu widerlegen. Wir wissen aber, dass er selber katholische Bücher über den katholischen Glauben hat, wo er die Wahrheit finden kann.
Die Lehre der Kirche über die Unbefleckte Empfängnis lautet, weil Dogma:
Maria wurde ohne Makel der Erbsünde empfangen. De fide.
Auch hier finden wir bei Ludwig Ott in seinem dogmatischen Lehrbuch Informationen über die Ansicht der griechischen und lateinischen Väter über die Unbefleckte Empfängnis. Wir zitieren:
„Weder die griechischen noch die lateinischen Väter lehren die Unbefleckte Empfängnis Mariens ausdrücklich (explicite). Doch lehren sie dieselbe einschlussweise (implicite), indem sie zwei Grundgedanken vertreten, die in konsequenter Weiterentwicklung zum Dogma führen:
a) die Idee vollkommenster Reinheit und Heiligkeit Mariens. Der hl. Ephräm sagt: „Du und deine Mutter, ihr seid die einzigen, die in jeder Hinsicht ganz schön sind; denn an Dir, o Herr, ist kein Flecken und keine Makel an deiner Mutter“ (Carm. Nisib. 27) – Das Wort des hl. Augustin, dass sich alle Menschen als Sünder bekennen müssen, „ausgenommen die heilige Jungfrau Maria, die ich um der Ehre des Herrn willen ganz aus dem Spiel lassen möchte, wenn von Sünde die Rede ist“ (…), ist nach dem Zusammenhang auf die Freiheit von persönlichen Sünden zu beziehen.
b) die Idee sowohl der Ähnlichkeit als des Gegensatzes zwischen Maria und Eva. Maria ist einerseits ein Abbild Evas in ihrer Reinheit und Unversehrtheit vor dem Sündenfall, anderseits ein Gegenbild Evas, insofern Eva Ursache des Verderbens, Maria Ursache des Heiles ist. Der hl. Ephräm lehrt: Zwei Unschuldige, zwei Einfache, Maria und Eva, waren sich ganz gleich. Später jedoch wurde die eine Ursache unseres Todes, die andere Ursache unseres Lebens“ (Op. Syr. II 327) (S. 233)
Der Beweis aus der Hl. Schrift
a) Die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens ist nicht explicite in der Hl. Schrift ausgesprochen. Nach der Auslegung zahlreicher Theologen ist sie einschlussweise (implicite) in diesen Schriftworten enthalten: Gen. 3, 15 – „Feindschaft will ich setzen zwischen dir dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er (der Same des Weibes) wir dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen.“
Indem man den Weibessamen individuell fasste und auf den Erlöser bezog, kam man dazu, in dem Weibe Maria, die Mutter des Erlösers zu sehen. Diese direkt messianisch-marianische Auslegung wird seit dem 2. Jahrhundert von einzelnen Vätern vertreten, z. B. von Irenäus, Epiphanius, Isidor von Pelusium, Cyprian, dem Verfasser der Epistola ad amicum aegrotum, Leo dem Großen. Die Mehrzahl der Väter, unter ihnen die großen Kirchenlehrer des Morgenlandes und des Abendlandes, hat sie jedoch nicht.
Nach ihr steht Maria zusammen mit Christus in einer vollendeten und siegreichen Feindschaft mit dem Satan und seinem Anhang. Daraus hat man in der Theologie der Spätscholastik und der Neuzeit geschlossen: Der Sieg Mariens über den Satan wäre kein vollständiger gewesen, wenn sie jemals unter seiner Herrschaft gestanden wäre. Folglich musste sie ohne Erbsünde in die Welt eintreten.
Die Bulle „Ineffabilis“ erwähnt zustimmend die messianisch-marianische Auslegung „der Väter und kirchlichen Schriftsteller“, gibt aber keine authentische Erklärung der Stelle.
b) Lk. 1, 28: „Gegrüßt seist du, Begnadete!“ Der Ausdruck „Begnadete“ vertritt in der Anrede des Angels den Eigennamen und muss deswegen eine charakteristische Eigenschaft Mariens zum Ausdruck bringen. Der tiefste Grund, warum auf ihr in besonderer Weise das Wohlgefallen Gottes ruht, ist ihre Auserwählung zur Würde der Gottesmutter. Dementsprechend muss auch die aus dem Wohlgefallen Gottes hervorgehende Gnaden Ausstattung Mariens von einzigartiger Vollendung sein. Vollendet ist sie aber nur dann, wenn sie nicht bloß intensiv, sondern auch extensiv vollendet war, d. h. wenn sie sich über das ganze Leben erstreckte, angefangen vom Eintritt in die Welt.
c) Lk. 1, 41f. Elisabeth spricht, vom Hl. Geist erfüllt, zu Maria: ‚Du bist gesegnet unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.‘ Der Segen Gottes, der auf Maria ruht, ist in Parallele gesetzt zum Segen Gottes, der auf Christus seiner Menschheit nach ruht. Dieser Parallelismus legt nahe, dass Maria ebenso wie Christus vom Anfang ihrer Existenz an frei von aller Sünde war. (S. 232-233)
Ist das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis der Gottesgebärerin Maria deshalb falsch, weil die Kirchenväter die Lehre nicht explicite gelehrt haben? Wohl kaum.
Welcher Katholik käme auf die Idee, dass die griechisch-schismatische Kirche die wahre Kirche Christi sei?
Natürlich kann man darüber spekulieren, welche Gründe dazu führen, dass ein Katholik eine solch abstruse Vorstellung hat, dass die griechisch-schismatische Kirche seit 1054 auf einmal die katholische Kirche sei. Ein wesentlicher und nicht abzuweisender Grund ist der Stolz und ein verletztes Ego, der dem im Glauben labilen Katholiken diese absurde Idee einflößt.
Der Jesuit F. X. Weninger hat in einer seiner kurz gefassten Marianischen Festreden über den hl. Franziskus Regis Folgendes geschrieben:
„Er predigte mit einer wunderbaren Salbung, allein gewöhnlich in ungemein einfacher Weise, damit das ungebildete Landvolk ihn um so leichter verstehen mochte. Da traf es sich, dass eine vornehme Dame, eine Gräfin ihn hörte, und mit ihm zu reden wünschte. Sie tat es in der Absicht, den Heiligen, den sie für einen Einfaltspinsel hielt, weil er in so einfacher Sprache predigte, durch ihre vermeintliche Bildung und Wissenschaft in Verlegenheit zu bringen.
Allein Franziskus, der ihren Plan durchschaute, anstatt sich in langes Disputieren einzulassen, gab ihr als erfahrener Seelenarzt die für sie heilsame und heilende Medizin. Er verdemütigte sie über die Maßen. Er sagte ihr kurzweg: Er staune, wie eine so halbgebildete und in Philosophie und Gottesgelehrtheit unwissende Person, aufgebläht durch die Lesung von Romanen und Spottschriften gegen die hl. Religion, sich unterfangen könne, sich mit ihm, einem Priester und Theologen, in eine Kontroverse einlassen zu wollen. Dafür sei sie viel zu dumm, und er habe keine Lust mit solch unnützem Geschwätz die kostbare Zeit zu verlieren. Er wolle lieber für sie beten, damit sie sich bekehre und vorerst beichte.
Diese Verdemütigung überraschte die hoffärtige Gräfin und durchdrang ihr Innerstes. Sie entschloss sich wirklich und legte bei ihm reumütig eine Beichte über ihr ganzes eitles Weltleben ab und fing ein heiliges Leben an. Sie zog dem heiligen auf seinen Missionen nach, um ihn wieder und wieder zu hören, und nach seinem Tod erbaute sie in der Nähe seines Grabes ein kleines Häuschen, um da in den Übungen des Gebets und der Buße ihr Leben heilig zu beschließen. (aus: Weninger SJ, Marianische Festreden zur Feier des Maimonats, 1882, S. 91-92)
Nehmen wir die Gräfin als Vorbild, um unser verletztes Ego und unseren verletzten Stolz, der durch Demütigungen, insbesondere durch Priester – wie in diesem Bericht – geschehen, nicht dazu zu benutzen, die katholische Kirche zu verlassen und in der griechisch-schismatischen Kirche sein Heil zu suchen, sondern demütig die Demütigung anzunehmen.
Was hat es mit dem Feuerwunder in der Grabeskirche auf sich?
Die griechisch-schismatische Kirche behauptet, dass das Feuerwunder (sie nennt das Feuer ‚Heiliges Feuer‘) in der Grabeskirche, das alljährlich nach dem julianischen Kalender am orthodoxen Karsamstag wiederkehrt, der Beweis dafür ist, dass sie die wahre katholische Kirche sei. Zwar hat die griechisch-orthodoxe Kirche keine Kreuzzüge geführt, aber, wie oben beschrieben, während ihrer byzantinischen Herrschaft solche Grausamkeiten gegenüber den Nachbarvölkern verübt, dass Gott mittels der Mohammedaner das Strafgericht über Byzanz verhängte.
Im Jahr 2012 veröffentlichte ‚The Tablet – The international Catholic News weekly‘ den Bericht der Journalistin Victoria Clarks, die berichtete, dass zum griechisch-schismatischen Osterfest alle Zugänge zur Grabeskirche durch Absperrungen versperrt wurden; der Besuch war aus Sicherheitsgründen stark eingeschränkt. Der Grund dafür war nicht die Intifada oder ähnliche Gefahren, die diese verschärften Sicherheitsvorkehrungen verlangten. Nein. Es war „ein ungelöster Streit zwischen den griechisch- und armenisch-orthodoxen Geistlichen, die die Zeremonie leiten, und die Herstellung einer Flamme, von der die meisten gläubigen Orthodoxen inbrünstig glauben, sie sei durch ein Wunder entzündet worden“.
Die Autorin schreibt weiter:
„Der Streit besteht schon seit einem Jahr. Die Zeremonie des Heiligen Feuers im letzten Jahr wurde durch eine skandalöse Rauferei im Schrein überschattet, in dem die Überreste von Christi Grab aufbewahrt werden. Der griechische Patriarch Irineos, der das Ritual zum ersten Mal durchführte, und ein armenischer Archimandrit mit dreijähriger Praxis stritten heftig über die korrekte Vorgehensweise. Alte Privilegien und Präzedenzfälle standen auf dem Spiel.“
„Unbemerkt von den erwartungsvollen Gläubigen, hinter den geschlossenen Türen der Ädikula, blies der wütende Patriarch die mit heiligem Feuer entzündete Kerze des Armeniers aus und zwang den Armenier, zu einem Feuerzeug zu greifen, um seinen Standpunkt durchzusetzen. Der Grieche verlor bei der Rauferei einen Schuh und sein Rivale erlitt leichte Verletzungen, als zwei weitere griechische Geistliche und israelische Polizisten in den Schrein stürmten, um sich in die Auseinandersetzung einzumischen.“
In Clermont inspirierte Papst Urban II. im Jahr 1095 – einer Version seiner Rede zufolge – die angehenden Ersten Kreuzfahrer mit der Vision von Jerusalem als einem Ort, an dem in der Osternacht auf „göttlichen Befehl“ die Lichter im Grab Christi entzündet wurden. Er fragte: „Wessen Herz ist so steinern, Brüder, dass es von einem so großen Wunder nicht berührt wird?“
„Skepsis gegenüber dem Heiligen Feuer scheint sich breitgemacht zu haben, als die Kreuzfahrerkleriker, die nach 1099 die Orthodoxen in der Kirche verdrängt hatten, feststellten, dass das Wunder bei ihnen nicht funktionierte. Angesichts leerer Kassen, die nur durch Pilgereinnahmen gefüllt werden konnten, setzte König Balduin I. die orthodoxe Geistlichkeit wieder ein – zumindest für das Heilige Feuer. Daniel, ein russischer Pilgerbischof, beschrieb den Monarchen bei der Zeremonie des Heiligen Feuers im Jahr 1102 mit Tränen, die ihm ‚auf wunderbare Weise aus den Augen strömten‘.“
Im Jahr 1238 verurteilte Papst Gregor IX. das Heilige Feuer als Betrug
Im Jahr 1238 verurteilte Papst Gregor IX. das Heilige Feuer als Betrug und verbot den Franziskanern die Teilnahme an der Zeremonie.
„Nachdem Papst Gregor IX. das Heilige Feuer als Schwindel angeprangert und den Franziskanern jeglichen Kontakt damit verboten hatte, wimmelte es in den Chroniken des Heiligen Landes von vernichtenden Berichten über die Zeremonie. Ein Franziskaner aus dem 15. Jahrhundert, Fra Francesco Suriano, beschrieb die wilde Emotionalität, die er beobachtete, und bemerkte: „Das besagte Feuer steigt jedoch nicht in Wahrheit (und nach der Meinung von uns Mönchen) herab, obwohl alle Nationen außer uns Mönchen diese Lüge als wahr darstellen.“
Ein Bericht aus dem 17. Jahrhundert enthüllt den einfachen Trick hinter dem Wunder: Ein äthiopisch-orthodoxer Priester betrat die Grabkammer Christi mit einer brennenden Laterne, die er geschickt unter seinem Gewand versteckt hatte.
(https://web.archive.org/web/20120214095212/http://www.thetablet.co.uk/article/3458)
Video: Heilige Feuer Jerusalem: Untersuchung des Osterfeuers
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=zhZbHG_APaA
Das Video ist auf Englisch, aber mit einer automatischen Übersetzung ins Deutsche sind die Ausführungen gut zu verstehen. Es gibt auch noch eine Fortsetzung mit dem Titel: Das Wunder des Heiligen Feuers in Jerusalem untersucht: Teil 2
Wie im ersten Video zu sehen ist, hat ein armenischer Priester erklärt, dass es sich nicht um ein Wunder handelt. Er begründet dies mit der richtigen Aussage: „Gott vollbringt keine Wunder, nur um den Menschen zu gefallen.“
Das Gleiche berichtet Wikipedia:
Der armenische Bischof der Grabeskirche, Samuel Agoyan, nahm gemeinsam mit dem griechischen Patriarchen dreimal an der Zeremonie des Heiligen Feuers teil. In einem Nachrichtenbeitrag des israelischen Senders 12 vom 10. März 2018 berichtete Agoyan, dass der griechische Patriarch während seiner Teilnahme das Feuer mithilfe einer Lampe entzündete. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Holy_Fire)
Und ebenfalls berichtet ‚Orthodoxia-news‘:
„Der armenische Priester Samuel Agojan hat in einem Interview mit Headshot 2 gesagt, das Osterfeuer in der Grabeskirche sei kein Wunder. Er selbst habe 3 Mal an der Osternacht teilgenommen und habe gesehen, wie die Patriarchen die Kerzen an einer Öllampe entzündeten.“ (Quelle: https://orthodoxia-news.de/2018/03/12/armenischer-priester-osterfeuer-kein-wunder/)
Das Osterfeuer im Jahr 2020 während des Covid-Lockdowns
In dem Video-Beitrag wird auch gezeigt, was man 2020 beobachten konnte, als wegen Covid kein Publikum in der Grabeskirche anwesend war.
In einem anderen Video ist die ganze Prozedur der Vorbereitung und des ‚Feuerwunders“ deutlich zu sehen:
Vor dem Versiegeln insgesamt 6 Leute in die Grabeskammer ein und aus. Keiner wird kontrolliert, alle bleiben jeweils ca 1 Minute drin.Zunächst sind es zwei Mönche (31:18), jeder von denen könnte Ladungen von Feuerzeugen drinnen deponieren. Bei Minute 39:18 (8 Minuten später) geht der einzige Zivile im schwarzen Anzug und dunkler Krawatte rein. Offensichtlich der israelische „neutrale Kontrolleur“. Auch er kommt nach einer Minute wieder raus. Sollte er in diesen 60 Sekunden tatsächlich alles gründlich nach Feuerzeugen und Streichhölzern abgesucht haben?
Dann bei 45:12 gehen drei weitere Mönche rein und kommen nach ca. 45 Sekunden wieder raus.
Die Versiegelung findet bei 52:13 statt.
Während des eigentlichen „Wunders“ sind dann insgesamt vier (!) Leute in der Grabeskammer. Zuerst bei 2:24:09 geht ein griechischer Mönch mit einem Metallgefäss (genannt „Lampe“) rein. In dieser „Lampe“ soll das Feuer erscheinen. Den Mönch und seine „Lampe“ hat niemand untersucht. Dieser Mönch befindet sich bis zum „Wunder“ 14 Minuten allein in der Grabeskammer.
Der griechische Patriarch Theosophis III, bei dem das „Wunder“ geschehen soll, kommt bei 2:38:08 vor die Kammer. Er zieht zwar sein Obergewand aus, aber niemand untersucht ihn.
Wenig später geht er, zusammen mit einem armenischer Repräsentant und einem uniformierten israelischen Sicherheitsbeamter in die Grabeskammer. Es sind jetzt also insgesamt vier Leute in dem Raum. Der Sicherheitsbeamte ist nur deswegen dabei, weil er sicherstellen soll, dass es keinen Streit zwischen den Orthodoxen gibt.
Fünf Minuten später (2:43:21) sieht man durch den Türschlitz der Fronttür, dass von drinnen ein Feuer-Licht durchscheint. Bei 2:44:03 kommt der Patriarch vor die Tür und schwenkt unter Glockengeläut brennende Kerzen. Das „Wunder“ ist geschehen!
Blaues blitzartiges Licht, das sonst auf Videos zu sehen ist und als Beweis für die „Übernatürlichkeit“ herhalten musste, ist nirgendwo zu entdecken.
Der Bericht eines katholischen Priesters über das Osterfeuer in der Grabeskirche aus dem Jahr 1855
Alban Stolz (1808 bis 1883), katholischer Priester der Diözese Freiburg, bereiste im Jahr 1855 das Heilige Land und hat in seinem Buch „Besuch bei Sem, Chan und Japhet“ auch seine Erfahrungen mit den Griechen bei ihrer Lichterfeier beschrieben:
„Der Karsamstag war nicht ein Tag der Erbauung, sondern ein Tag des Ärgernisses: die Griechen hielten ihre Lichterfeier. Wenn der Teufel in diese Menschen gefahren wäre, um den christlichen Gottesdienst mit grimmigem Hass zu verhöhnen, so bliebe ihm nicht viel hinzuzufügen übrig, was die Griechen hier wirklich treiben. Ich wurde heftig bewegt von einem Gemisch von Abscheu, Entsetzen, Zorn und Schmerz.
Um die heilige Grabkapelle liegen fortwährend Scharen halb zerlumpter Burschen und Männer unter großem Geschrei und heftigen Gebärden. Manchmal ballten sich ganz Klumpen von Menschen zusammen und zerrten aneinander herum und stürzten sich heftig auf andere vorwärts drängend. Manchmal packten sie einen Kerl und trugen ihn horizontal durch die Kirche, indem sie ihm das Gesicht verhüllten und ein heftiges Gebrüll ausstießen; ebenso wie die Erwachsenen machten es die jüngeren Buben.
Andere wurden gewaltsam ergriffen, aufrecht in die Höhe gehoben und auf die Schultern anderer gestellt und so herumgetragen, zuweilen vier auf einmal, die sich wechselseitig an den ausgestreckten Armen hielten, zuweilen stürzte auch einer freiwillig oder unfreiwillig herab – auf die Erde konnte er nicht fallen vor dem dichtesten Gedränge.
Träger und Getragene schrien und gebärdeten sich aber wie in wilder Besoffenheit oder Raserei. Dieses wüste Toben wurde nicht gemindert, als die Priesterschaft und der griechische Patriarch mit mehreren Fahnen einen Umgang hielten, sondern diese wurden selbst gedrängt und gestoßen. Manche hatten sich von oben bis zu den Hüften entblößt, andere ihren Turban herab genommen, wo dann der kahl geschorene Kopf nur einen dünnen Zopf am Scheitel zeigte, der wie ein Rattenschwanz wedelte.
Zugleich konnte man Kinder und Weiber sehen, welche in der Kirche Tabak rauchten; andere sah ich miteinander ringen, wie auf der Gasse. Zuweilen, wenn es zu arg wurde, schlug ein türkischer Offizier in höchster Gemütsruhe, ohne im Geringsten eine Miene zu verziehen, mit einer Peitsche auf einen solchen bestialischen Haufen; in ihrer wütenden Aufregung schienen es aber solche Menschen kaum zu fühlen. …
Als nun das erste Licht aus der heiligen Grabkapelle endlich vom Patriarchen herausgebracht wurde, stürzte der alte weißhaarige Priester mit zwei Fackeln heraus und lief wie aus einem brennenden Haus in die griechische Kirche hinein. Der Pöbel glaubt, das Feuer falle vom Himmel und habe wunderbare Kräfte, und alles Griechenvolk drängt darauf los, alsbald die eigenen Kerzen daran anzuzünden, und in außerordentlicher Schnelligkeit haben Tausende in der Kirche brennende Lichter in der Hand.
Weiber entblößen ihre Brust und stießen sich das brennende Licht darauf, und für das erste Licht, das an dem des Patriarchen angezündet wird, zahlt man oft Summen bis zu 100 Gulden. –
Wenn ich den Bericht meines Franziskaners vom Fremersberg mit dem vergleiche, was ich selbst gesehen habe, so scheint im Verlauf von 100 Jahren die Ungebärdigkeit der Griechen noch zugenommen zu haben. …“
Wie Alban Stolz später weiter ausführt, hat ihm des anderen Tags der katholische Bischof erzählt, ein türkischer Soldat habe ihm gegenüber treffend und sehr einfach geäußert: „Die Griechen haben keinen Gott.“
Die große Katastrophe in der Grabeskirche im Jahr 1834
Seit dem frühen 19. Jahrhundert gab es nun Anzeichen dafür, dass die aufgeklärteren orthodoxen Geistlichen Jerusalems versuchten, das Wunder als rein symbolisch darzustellen. Doch wie wir bereits wissen, stand sowohl finanziell als auch moralisch viel auf dem Spiel. Selbst die große Katastrophe des Heiligen Feuers von 1834 – bei der wohl 300 Pilger durch Massenpanik starben und erstickten – brachte keine Reformen.
Alban Stolz beschreibt dies in seinem Reisebericht:
Im Jahr 1834 waren bei der Lichterfeier über 6000 Personen in der Kirche. Die griechischen Priester waren in der heiligen Grabkapelle eingeschlossen, um dort, wie das Volk glaubt, das Feuer zu erflehen respektive das Feuer anzumachen. Solches währt manchmal eine halbe Stunde. Das Gedränge bei diesen Anlässen ist aber ganz fürchterlich; ich fühlte mich selbst ernstlich in Gefahr, erdrückt zu werden. Nun kam damals der Umstand hinzu, dass einige Personen in Ohnmacht fielen, als das Feuer erschien, wo das Gewühl ganz rasend wird, um sich zuzudrängen; man hörte Notgeschrei.
Da ergriff plötzlich ein panischer Schrecken alles Volk, als wolle die Kirche einstürzen oder sei im Brand; plötzlich rannte alles wie in Todesangst dem Portal zu. Dieses öffnete sich aber nach innen; deshalb war es wegen der nachdrückenden Menschenflut unmöglich, es zu öffnen. So wurden denn durch diese sinnlos gewordene Masse in blinder Hast innerhalb einer Viertelstunde zweihundert Personen in der Kirche zu Tod gedrückt und zu Tod getreten, und etwa einhundert so zugerichtet, dass sie noch in derselben Nacht starben. Der ungeheure Menschenklumpen wurde ein Selbstmörder und drückte sich zu Tod. – Dessen ungeachtet ließen sich die Griechen nicht bewegen, den jährlichen Skandal aufzugeben. (S. 244-245)
Handelt es sich bei dem Feuerwunder um ein himmlisches Wunder oder um Betrug?
Liest man in der Geschichte die Gründe und das Verhalten der Griechen, die den Bruch und das Schisma der griechischen Kirche hervorgebracht haben sowie das ungebührliche, ja skandalöse Verhalten der Griechen wie auch die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der griechisch-schismatischen Kirche und den einzelnen Gruppierungen in der Grabeskirche, dann kann es unmöglich sein, dass unser Herr Jesus Christus zum Dank alljährlich ein Heiliges Feuer als Bestätigung der griechisch-schismatischen Kirche herabkommen lässt.
Die Griechen behaupten, dass in der Grabeskapelle beim Wunder keine brennende Kerze, keine Öllampe, kein offenes Feuer existiert. In einer im griechischen Fernsehen 2009 übertragenen Fernsehdebatte jedoch gestand ein orthodoxer Kirchenvater, dass an dem Tag, wie auch während des ganzen Jahres, in der Grabeskrypta sehr wohl „ein Feuer brennt“ (die Ewiglichtlampe) aber – so versuchte er sich dann zu retten – „es wird nicht benutzt“.
Es muss sich also um einen ausgewachsenen Betrug handeln, der schon Jahrhunderte alt ist. Wie im obigen Video zu hören ist (ab Min. 9:00), ist das Auffälligste, dass das Feuerwunder eindeutig erst im Laufe des 9. Jahrhundert begann. Im 14. Jahrhundert gab es die erste Aufzeichnung, dass der Patriarch in das Grab ging, um das Feuer zu empfangen. Diese Änderung kam scheinbar ohne Grund auf. Oder gab es doch einen Grund? Hatten die Griechen bis dahin möglicherweise das griechische Feuer benutzt, wobei aber zu diesem Zeitpunkt die Rezeptur verloren gegangen war? Damit war eine drastische Änderung nötig. Der Patriarch musste nun in das Grab gehen, um persönlich das angebliche himmlische Feuer zu entzünden. (ab Min. 16:15)
Also:
Die erste auffällige Veränderung ist der Zeitpunkt des Auftretens des Feuers.
Al-Jahiz (869) – „… sie werden an einem Feiertag nachts ohne Feuer angezündet.“
1122 fand der Ritus am Abend von Samstag auf Sonntag statt.
Ibn al-Jawzi (1256) – „… Samstagnacht im Morgengrauen …“
Inzwischen findet das Feuerwunder mittags um 14.00 Uhr statt.
Man fragt sich unwillkürlich, warum der Zeitpunkt des Erscheinens des Feuers sich im Laufe der Jahrhunderte änderte. Und warum das Feuer nicht bei Sonnenaufgang am Ostersonntag, sondern am Mittag des orthodoxen Samstags vor Ostern nach dem julianischen Kalender erscheint.
Früher war das Feuerfest am Heiligen Grab direkt mit der Ostermatutin verbunden, aber aufgrund gewisser Störungen während dieser Feier wurde es auf Ersuchen der örtlichen Behörden auf den Vortag verlegt.
Auch hier fragt man sich: Wie kann das göttliche Wunder den Befehlen der Ungläubigen gehorchen?
Die zweite grundlegende Änderung im Ritual betraf den Ort, an dem das Feuer entzündet wurde. Anfänglich wurde das Feuer außerhalb der Ädikula erwartet, und erst im 14. Jahrhundert begannen die Priester, die Ädikula zu betreten.
Die dritte Veränderung, die in den Pilgerberichten über das Wunder des Tempelbesuchs zu finden ist, geschah nach der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es handelt sich um Erzählungen über Lichtblitze, die sie als Wunderblitze bezeichneten. Vor dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden Blitze in den Zeugnissen nicht erwähnt. Das häufigste Zeugnis, das man findet, ist ein helles Licht aus der Ädikula in dem Moment, als dort das Feuer erschien. Es ist zweifelhaft, dass die Blitze, die unsere Zeitgenossen begeistern, für die Menschen vom 9. bis zum 19. Jahrhundert alltäglich und der Erwähnung nicht würdig waren.
Zwar gab es ab dem späten 19. Jahrhundert Kameras mit Blitzlicht, aber die erste bekannte Erwähnung stammt erst aus den 1960er Jahren, als bereits Kameras mit Blitzlicht für die Allgemeinheit zu kaufen gab.
Welche Folgen die Enttarnung des Feuerwunders als Betrug für die russisch- und griechisch-schismatischen Gläubigen hat
Natürlich mussten die schismatischen Griechen diesen Betrug bis heute weiter durchführen, um ihre Gläubigen glauben zu lassen, dass das Feuerwunder der himmlische Beweis dafür ist, dass sie die wahre katholische Kirche sei.
Andererseits haben russisch- und griechisch-orthodoxe Gläubige, die den Betrug erkannt haben, ihren Glauben verloren und sind Atheisten geworden.
Natürlich mussten die schismatischen Griechen diesen Betrug bis heute weiter durchführen, um ihre Gläubigen glauben zu lassen, dass das Feuerwunder der himmlische Beweis dafür ist, dass sie die wahre katholische Kirche sei.
Andererseits haben russisch- und griechisch-orthodoxe Gläubige, die den Betrug erkannt haben, ihren Glauben verloren und sind Atheisten geworden.
Auf der russischen Website ’neholyfire.narod‘ finden wir noch folgende Informationen:
Vor nicht allzu langer Zeit erinnerten sie sich jedoch in ihren Kreisen wieder an dieses Wunder. Der Theologieprofessor Uspensky äußerte sich einst dazu. Auf einer der jährlichen Versammlungen der Theologischen Akademie hielt er vor seinen Kollegen eine Rede mit dem Titel ‚Über die Entzündung des Osterfeuers am Heiligen Grab in Jerusalem‘. Er argumentierte und bewies, dass es sich streng genommen gar nicht um ein Wunder, sondern lediglich um eine Mystifizierung oder, in Uspenskys eigenen Worten, einen ’symbolischen rituellen Akt‘ gehandelt habe.
Die Kirchenwelt reagierte umgehend empört: „Sie wussten selbst, dass es eine Fiktion, ein Mythos war, aber warum sprechen sie so offen darüber?!“ Und einer der gebildetsten Hierarchen der russisch-orthodoxen Kirche während der Sowjetzeit, Metropolit Gregor (Tschukow) von Leningrad, berief den akademischen Rat der Theologischen Akademie ein und sagte: „Ich weiß genauso gut wie Sie, dass dies nur eine fromme Legende ist. Im Grunde ist es ein Mythos. Ich weiß, dass es in der kirchlichen Praxis viele andere Mythen gibt. Aber zerstören Sie nicht Legenden und Mythen.“ Denn indem man sie zerstört, kann man den Glauben selbst in den vertrauenden Herzen einfacher Menschen zerstören. (https://neholyfire.narod.ru/book/kr4.htm)
Also: Das Feuerwunder ist ein Betrug, darf aber nicht offenbar gemacht werden, da sonst der Glaube der Menschen zerstört wird. Die betrogenen Gläubigen müssten sich auch fragen, welchen Weg des Glaubens sie dann einschlagen sollen: den Weg zum Atheismus oder den Weg zur Konzilskirche oder den Weg zur wahren katholischen Kirche. Um aber dahin zu gelangen, die römisch-katholische Kirche als wahre katholische Kirche zu erkennen, braucht es Gottes Hilfe; denn nur mit Seiner Gnade ist es möglich, die wahre Kirche zu finden.
Bildquellen
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