Religion

Wenn der Glauben in der Gesellschaft abnimmt

Wenn der Glauben abnimmt, bringt dieser Vorgang eine Abnahme der Wahrheit hervor

Donoso Cortes schrieb bereits im Jahre 1854 folgende wahren Sätze:

Abnahme des Glaubens bringt Verirrung der Intelligenz mit sich

Die Abnahme des Glaubens, welche die Abnahme der Wahrheit hervorbringt, hat nicht notwendig die Verminderung, wohl aber die Verirrung der menschlichen Intelligenz im Gefolge. Barmherzig und gerecht zugleich verweigert Gott den schuldhaften Intelligenzen die Wahrheit, aber nicht das Leben; er verdammt sie zum Irrtum, nicht zum Tod. Wir alle haben vor unsern Augen jene so ungläubigen und so hoch kultivierten Jahrhunderte vorbei ziehen sehen, welche auf den Wogen der Zeit eine weniger leuchtende als brennende Spur zurückließen, und in der Geschichte wie im Phosphorlicht glänzten.

Was von den Jahrhunderten, das kann man auch von den Menschen sagen. Indem Gott ihnen den Glauben verweigert oder bewilligt, verweigert oder nimmt er ihnen die Wahrheit; die Intelligenz gibt er ihnen nicht und verweigert sie ihnen nicht. Die Intelligenz der Ungläubigen kann sehr erhaben, und die der Gläubigen sehr beschränkt sein. Jene ist jedoch nur groß wie der Abgrund, während diese heilig ist wie ein Tabernakel; in jener wohnt der Irrtum, in dieser die Wahrheit. In dem Abgrund herrscht der Tod mit dem Schrecken, in dem Tabernakel das Leben mit der Wahrheit. Darum gibt es keine Hoffnung für jene Gesellschaften, welche den strengen Kultus der Wahrheit gegen den Götzendienst des Geistes aufgeben. Hinter den Sophismen kommen die Revolutionen und hinter den Sophisten die Henker.

Wer die politische Wahrheit besitzt

Derjenige besitzt die politische Wahrheit, welcher die Gesetze kennt, denen die Regierungen unterworfen sind; derjenige besitzt die soziale Wahrheit, der die Gesetze kennt, denen die menschlichen Gesellschaften gehorchen; jener kennt diese Gesetze, welcher Gott kennt; jener kennt Gott, der versteht, was Gott von sich selbst sagt und glaubt was er versteht. Die Wissenschaft, welche diese Affirmationen zum Objekt hat, ist die Theologie.

Die politische Wissenschaft und die soziale existieren nur als willkürliche Klassifikationen des menschlichen Verstandes. Der Mensch in seiner Schwäche unterscheidet, was in Gott auf die einfachste Weise vereinigt ist. So unterscheidet er die politischen Affirmationen von den sozialen und religiösen, während es in Gott nur eine einzige unteilbare und höchste Affirmation gibt. Wer, indem er explicite von etwas spricht, nicht weiß, daß er implicite von Gott spricht, und wer explicite von einer Wissenschaft spricht und nicht weiß, daß er implicite von der Theologie redet, der wisse, daß er von Gott nur die Intelligenz erhalten hat, die absolut notwendig ist, um ein Mensch zu sein.

Was die Theologie in ihrer allgemeinsten Bedeutung ist

Die Theologie in ihrer allgemeinsten Bedeutung betrachtet ist also das beständige Objekt aller Wissenschaften, wie Gott das beständige Objekt der menschlichen Spekulationen ist. Jedes Wort, das über die Lippen des Menschen geht, ist eine Affirmation der Gottheit, selbst jenes, welches dieselbe verflucht oder leugnet. Wer sich gegen Gott kehrt und in seiner Wut ausruft: Ich hasse dich, du existierst nicht! legt ein vollständiges theologisches System dar, so gut als wer sein zerknirschtes Herz zu Gott erhebt und spricht: Herr, schlage deinen Diener, der dich anbetet. Jener wirft ihm eine Gotteslästerung ins Gesicht, dieser legt ein Gebet zu seinen Füßen nieder, aber beide bejahen, jeder auf seine Weise, Gott, weil beide seinen unmitteilbaren Namen aussprechen.

In der Art und Weise, diesen Namen auszusprechen, liegt die Lösung der furchtbarsten Rätsel: die Berufung der Volksstämme, die providentielle Mission der Völker, die großen Wechselfälle der Geschichte, die Erhebung und der Sturz der berühmtesten Reiche, die Eroberungen und Kriege, die verschiedenen Charaktere der Völker, und selbst ihr verschiedenes Schicksal. (Donoso Cortes, Versuch über den Katholizismus, den Liberalismus und Sozialismus, Tübingen 1854, S. 2 – S. 4)

Der gesamte Beitrag ist zu lesen unter: Abnahme des Glaubens bringt Verirrung hervor

Erik v. Kuehnelt-Leddin, ein katholischer Publizist, schrieb in seinem Werk „Die falsch gestellten Weichen“ folgendes:

Statt Glauben hat die Dummheit heute in der Gesellschaft einen führenden Platz bekommen

Doch die ganz große Bedrohung kommt von der Weltgeschichte, die „politisch“ gestaltet wird. Und die Politik steht in Wechselwirkungen mit der Gesellschaft, der Religion, der Philosophie und der Wirtschaft. Auch Technik und Militärwesen stehen in diesem Koordinatengeflecht. Ideologien, größtenteils von Philosophien und auch Theologien abgeleitet, haben die Religion als politischen Faktor weitgehend, aber nicht völlig ersetzt.

Das Böse gab es zu allen Zeiten. Es wirkt immer. Wahrscheinlich ist die Zahl echter Bösewichte heute nicht viel größer als vor tausend Jahren. Sie haben aber größere Chancen, weil das Böse dank der gefallenen Natur des Menschen eine größere Faszination besitzt als das Gute. Hitler und Stalin waren populärer als Ludwig der Heilige oder Heinrich der Heilige.

Doch die Dummheit, wahrscheinlich in der Endsumme auch nicht größer als früher, hat heute einen führenden Platz bekommen. Der Kampf gegen Vernunft, Wissen, Weisheit und Erfahrung – fünf verschiedene Elemente – tobt seit 200 Jahren, und eigentümlicher Weise hat dieser Verfall bei uns mit der Anbetung der „Göttin der Vernunft“ richtig begonnen. Diese wurde tatsächlich in der Person einer Dirne sehr treffend und anschaulich in der säkularisierten Notre Dame Kathedrale während der Französischen Revolution „verehrt“. So falsch und so ungeheuerlich war dieses staatliche Ritual der ersten modernen Demokratie allerdings auch nicht, denn im Menschen ist die Vernunft nur dann achtenswert, wenn ihr Träger nicht nur klug und gebildet, sondern auch charakterfest ist… Es ist also auch schon daher kein Wunder, daß das Elend der letzten 200 Jahre nicht etwa von einem Minimum an Weisheit, sondern von einer geradezu gigantischen und zugleich aggressiven Dummheit gezeichnet wird. Die Geringschätzung der geistigen (und auch der moralischen) Tugenden hat jedoch weltanschaulich-ideologische Ursachen. (Der Rote Faden 1789 bis 1984, Böhlau Verlag 1989, S. 13)

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