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Päpstliche Insignien mit Hut, Krummstab und andere Dinge

Es folgen Veröffentlichungen von päpstlichen Enzykliken, die für das Thema Weltgeschehen von besonderer Bedeutung sind.

Das Weltgeschehen aus katholischer Sicht

Papst Leo XIII.

Das Reich Gottes und das Reich Satans auf Erden

Nachdem die Menschheit durch den Neid des Teufels von Gott, dem Schöpfer und gültigen Spender der himmlischen Güter, elendiglich zum Abfall gebracht worden ist, hat sie sich seitdem in zwei verschiedene und einander feindliche Heerlager gespalten; während das eine von ihnen einen beständigen Kampf zu führen hat für Wahrheit und Tugend, streitet das andere für das Gegenteil. (Leo XIII. „Humanum Genus“ 1884)

Papst Leo XIII. mit dem katholischen Segensgruß
Religion

Bekehrung der Juden im 20. Jahrhundert

Bekehrung der Juden im 20. Jahrhundert: Edith Stein, Eugenio Zolli, Lisamaria

Bekehrung der Juden zur römisch-katholischen Kirche

Die Bekehrung der Juden im 20. Jahrhundert – Besondere Beispiele der Bekehrung zur katholischen Kirche

Nach dem Bericht über die Bekehrung der Juden im 19. Jahrhundert folgt nun der Beitrag über die Bekehrung der Juden im 20. Jahrhundert. Zwei besondere Beispiele der Konversion zur katholischen Kirche sollen hier etwas ausführlicher dokumentiert werden: Die Konversion des römischen Rabbi Israel Zolli und die Bekehrung des jüdischen Schauspielers Ernst Ginsberg. Doch nicht unerwähnt bleiben soll die Konversion zweier jüdischer Frauen, die Eugenio Zolli in seiner Autobiographie erwähnt, die ihr Leben für Christus geopfert haben.

Die Konversion von Edith Stein und Dr. Lisamaria Meirowsky zum katholischen Glauben

Edith Stein – Teresa Benedicta a Cruce

Porträt der Konvertitin Edit Stein, Karmelitin

Edith Stein wurde am 12. Oktober 1891 in Breslau als jüngstes von elf Kindern in eine jüdisch-orthodoxe Familie hineingeboren. Der entscheidende Wendepunkt in ihrem Leben geschah, als sie die Autobiographie der hl. Teresa von Ávila las. Durch die Lektüre entstand ihr Entschluss, katholisch zu werden.

Sie wurde am 1. Januar 1922 getauft und damit in die heilige römisch-katholische Kirche aufgenommen. Zwischen 1927 und 1933 hatte sie intensiven Kontakt zur Erzabtei Beuron; fünfzehn Aufenthalte sind nachgewiesen. 1933 trat sie in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ein. Sie erhielt den Namen Teresa Benedicta a Cruce. Mit ihr wurden 244 zum Katholizismus konvertierte Juden, darunter auch ihre Schwester Rosa Stein, am 2. August 1942 von der Gestapo verhaftet und in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort wurde sie wohl am 9. August 1942 in einer Gaskammer ermordet.

Nachdem sie durch die SS deportiert worden war, fand man in ihrer Zelle ein Bildchen, auf dessen Rückseite sie geschrieben hatte,sie biete ihr eigenes Leben für die Bekehrung der Juden an. (Quelle: Sr. Teresa Renata de Spiritu Sancto, Nürnberg 1948, Edith Stein, S. 144, bei Zolli, a.a.O. S. 159)

Im Konzentrationslager ging Schwester Teresa inmitten der Verzweiflungsschreie „unter den Frauen umher, tröstend, helfend, beruhigend wie ein Engel. Viele Mütter, fast dem Wahnsinn nahe, hatten sich schon tagelang nicht um ihre Kinder gekümmert und brüteten in dumpfer Verzweiflung vor sich hin. Schwester Teresa Benedicta nahm sich sofort der armen Kleinen an, wusch und kämmte sie, sorgte für Nahrung und Pflege. Solange sie im Lager weilte, entwickelte sie mit Waschen und putzen eine rege Liebestätigkeit, so dass alle darüber staunten.“ (Sr. Teresa Renata de Spiritu Sancto, a.a.O., S. 150, zitiert bei Zolli, ebd.)

Auf einem Kärtchen, das Sr. Teresa Benedicta ihrer Oberin schickte, hatte sie geschrieben: „Eine Scientia Crucis (Wissenschaft des Kreuzes) kann man nur gewinnen, wenn man das Kreuz gründlich zu spüren bekommt. Davon war ich vom ersten Augenblick an überzeugt und habe von Herzen gesagt: >Ave Crux, spes unica!<“

Als Belohnung für ihre Liebestätigkeit erhielt sie von den teuflischen Nazis nichts als Schläge und schließlich den Tod.

Wie recht hat Eugenio Zolli, ein konvertierter Jude, wenn er schreibt: „So lebte und schrieb, agierte, liebte und starb Edith Stein, eine konvertierte Jüdin.“ (S. 159)

Dr. Lisamaria Meirowsky – Maria Magdalena Dominica

Porträt der Konvertitin Lisamaria MeirowskyEine zweite Konvertitin, die Eugenio Zolli in seiner Autobiographie erwähnt, ist Dr. Lisamaria Meirowsky, die zum katholischen Glauben konvertiert 1938 in den Dritten Orden vom heiligen Dominikus eintrat und als Tertiarierin den Namen Maria Magdalena Dominica erhielt. Lisamaria Meirowsky (1904 – 1942) war eine deutsch-jüdische Kinderärztin. Sie empfing die Taufe am 15. Oktober 1934, an Maria Himmelfahrt. Am 2. August 1942 wurde sie von den Nazi-Schergen gefangen genommen und am 9. August 1942 ebenfalls in Auschwitz ermordet. Sie war eine Leidensgenossin von Schwester Teresa während der Naziverfolgung.

Wir geben hier wieder, was sie ihrem ehemaligen Beichtvater, Pater Frehe, schrieb:

„Ich weiß, guter Vater, dass Sie in allem mit uns allen mitfühlst. (…) Genau deshalb möchte ich Ihnen einen letzten Gruß senden und Ihnen sagen, dass ich voll Vertrauen und ganz ergeben in Gottes heiligen Willen Gottes bin. Mehr noch, ich betrachte es als eine Gnade und Auserwählung, unter diesen Umständen gehen zu müssen und so einzustehen für das Wort unserer Väter und Hirten in Christus.“

„Ist unser Leiden ein wenig größer geworden, dann ist auch die Gnade doppelt groß, und eine herrliche Krone ist uns bereitet im Himmel. Freuen Sie sich mit mir. Ich gehe mit Mut und Vertrauen und Freude. Ebenso die Ordensschwestern, die mit mir sind, wir dürfen Zeugnis ablegen für Jesus und mit unseren Bischöfen zeugen für die Wahrheit. Wir gehen als Kinder unserer Mutter, der heiligen Kirche. Unser Leiden wollen wir vereinigen mit dem Leiden unseres Königs, Erlösers und Bräutigams, es aufopfern für die Bekehrung vieler, für die Juden, für die, die uns verfolgen, um so unseren Beitrag zu leisten für den Frieden und das Reich Christi. …“

„Nun haben wir nicht einmal die heilige Messe und Kommunion, das ist das Schlimmste. Aber wenn Jesus es nicht will, will ich es auch nicht. Er wohnt in meinem Herzen und geht mit uns und gibt mir Kraft. Er ist meine Kraft und mein Friede.“ (Zolli, S. 160/161)

Bekehrung des römischen Rabbis Israel Zolli

Bekehrung der Juden: Eugenio (Israel) Zolli, 1938Geboren als Israel Zoller in Brody, Galizien am 17. September 1881, nahm er bei seiner Konversion den Namen Eugenio Pio Zolli an. Er war zunächst im Jahr 1911 Vizerabbiner von Triest, dann ab 1920 Oberrabbiner. 1940 wurde er als Großrabbiner nach Rom berufen, jedoch im September 1944 trat er von seinem Amt zurück als Großrabbiner zurück, bevor er dann 1945 zur katholischen Kirche konvertierte. Am 2. März 1956 verstarb er im Alter von 74 Jahren in Rom.

Wikipedia berichtet kurz:

„Am 25. Juli 1944 hatte Zolli eine Audienz bei Pius XII., um diesem für die Hilfe zahlreicher Katholiken während der deutschen Besetzung Roms zu danken. Zu diesem Zeitpunkt fühlte er sich bereits zum Christentum berufen. Im September 1944 trat er von seinem Posten als Großrabbiner zurück. Am 13. Februar 1945 empfingen er und seine Frau Emma schließlich durch den späteren Kardinal Luigi Traglia die Taufe. Zolli nahm die Namen Eugenio Pio an, aus Dankbarkeit für Pius XII., dessen bürgerlicher Name Eugenio Pacelli lautete.“ (Quelle: Wikipedia) Er trat auch als Verfechter des päpstlichen Primats in protestantischen Kreisen auf.

Doch in seiner Autobiographie beschreibt Eugenio Zolli seinen besonderen Weg zum katholischen Glauben. Folgen wir ihm auf seinem Weg zur Konversion.

Noch stellte sich nicht die Frage der Konversion

Bereits Ende des Jahres 1917, also im Alter von 36 Jahren, so berichtet Zolli, da er mit persönlichen Schicksalsschlägen kämpfte, saß er an einem Nachmittag allein am Schreibtisch: „Plötzlich hatte ich das Gefühl, völlig abwesend zu sein. Ich legte meinen Füllfederhalter auf den Tisch, ohne dass mir klar war, wodurch meine Arbeit unterbrochen worden war. Wie rasend begann ich den Namen Jesu anzurufen und fand keine Ruhe, bis mir sein Bild, groß und ohne jede Umrahmung, im Dunkel der Zimmerecke erschien. Ich betrachtete ihn lange, ohne davor zurückzuschrecken, ganz im Gegenteil, mein Inneres war von vollkommener Ruhe und Heiterkeit erfüllt.“ (S. 116/117)

Noch stellte sich für ihn nicht die Frage der Konversion. Denn etwas weiter bekennt er:

„Die intensive Liebe zu Jesus, die ich in mir fühlte, hatte ebenso wenig wie das, was ich erlebt hatte, mit anderen zu tun. Und es musste auch nicht zu einem Konfessionswechsel führen. Kaum vernehmlich, wie ein sanfter Gast war Jesus in mein innerstes Leben eingetreten, auch wenn ich ihn angerufen und freundlich willkommen geheißen hatte. Doch bedeutete meine Liebe zu Jesus nicht, dass ich das Judentum verleugnen und mich zum Christentum bekennen musste. … Und wenn ich mich als Jude fühlte, weil ich von Natur aus Jude war, liebte ich doch ebenso ganz von Natur aus Jesus Christus.“ (S. 117)

Es war, wie Eugenio Zolli selber schreibt, „eine tiefe, spontane Liebe zu Jesus“. Bezugnehmend auf das Hohelied Salomons (2, 16) „Ich für meinen Freund, und mein Freund für mich“ erklärt er mit bewundernswerter Innigkeit, dass es für ihn „nur den Liebenden, die Liebe und den Geliebten“ gab. „Alles vollzog sich im milden, sanften Licht der lebendigen und erlebten Liebe und einer Vertrautheit, wie sie nur diese Liebe schenken kann.“ (S. 119)

Doch die Liebe zu Jesus drängt ihn

Wie Eugenio Zolli in seiner Autobiographie weiter schreibt, entwickelte sein inneres Leben in den Jahren zwischen 1930 und 1938 eine solche Intensität, dass er mehr und mehr zu dem Entschluss kommen musste, ganz Christus anzugehören und zur katholischen Kirche zu kommen. „Gott ruft den Menschen, der ihn seit langem sucht; er ruft ihn und der Mensch antwortet »Hier bin ich!«“ bekennt der Rabbi Zolli und verweist auf den jüdischen Konvertiten Saulus, der zu Paulus wurde:

„Aus der Tiefe der Seele erhebt sich ein Schrei hinauf zum Himmel, ein Schrei und eine Stimme die sichtbar ist. So fand sich Paulus, verwundet und blutend in seiner Seele, zu Füßen des Kreuzes. Als Saulus war er von Christus weit entfernt und verfolgte die ersten Christen mit seinem Hass. Doch dann wurde er von der Liebe Christi getroffen, er starb, um sogleich wieder neu aufzuerstehen, Saulus starb und Paulus erhob sich – flammend vor Liebe, überall von Überzeugung und Aktivität, brennend und stark, leuchtend in seinem Martyrium und im Lichte Christi, dem Licht, das niemals stirbt.“ (Siehe Apostelgeschichte 9, 3-6) (S. 122/123)

Der Rabbi Zolli fragte sich: „Paulus konvertierte. Verließ er dafür vielleicht den Gott Israels? Hörte er auf, Israel zu lieben? Es wäre absurd, das auch nur u denken. Also, warum sollte es bei mir anders sein?“ (S. 123)

Und weiter den Weg konsequent gehend und alle Anfeindungen auf sich nehmend denkt er an die Worte der hl. Paulus, die im Römerbrief niedergeschrieben sind:

„Wahrheit sage ich in Christus, ich lüge nicht, Zeuge mit mir ist mein Gewissen im Heiligen Geist, dass ich eine große Traurigkeit und einen ständigen Schmerz in meinem Herzen trage. Ja, ich würde die Gelübde ablegen, mich selbst würde ich von Christus mit Bannfluch belegen lassen für meine Brüder, dem Fleische nach meine Blutsverwandten, weil sie Israeliten sind.“ (Röm. 9, 1-5) (S. 149)

Ist Konversion Untreue?

Diese Frage stellt sich Zolli; denn die Entscheidung rückt immer näher. Wie Zolli bekennt, verschlimmerten sich die religiösen Konflikte in seinem Inneren immer mehr, seit er von einer Studienreise in den Orient zurückgekehrt war. Diese hielten an, auch als er zum Oberrabbiner und Leiter der Rabbinerlehrschule in Rom Ende 1938 ernannt wurde.

Zolli ist realistisch genug zu wissen, dass Juden, die in unserer heutigen Zeit konvertieren, „was das irdische Leben betrifft, genau wie zu Zeiten des heiligen Paulus in vielerlei Hinsicht eine Menge oder gar alles zu verlieren und wenig oder gar nichts zu gewinnen“ haben. „Die Zeiten, da ein Bischof, ein Patrizier oder ein Fürst einen frisch Konvertierten unter seine schützenden Fittiche nahm, sind lange vorbei.“ (S. 153)

Was sind nun die Pflichten eines Christen? fragt Zolli dann. Keine Kleinigkeiten, ist seine Antwort. Und wieder zitiert er Paulus:

„Segnet die, die euch verfolgen; segnet und flucht nicht. (…) Trachtet nicht nach dem Hohen, sondern lasst euch zum Niedrigen herab. Glaubt nicht, dass ihr das Heil durch euch selbst erreicht. Vergeltet niemand Böses mit Bösem“ (Röm. 12, 14-17)

Eugenio Zollis Kommentar zu dieser Stelle: „So sprach, so lebte und so starb im Namen dessen er sprach und lebte, eingetaucht in sein tiefrotes Blut, Paulus, der konvertierte Jude.“ (S. 155)

Der entscheidende Schritt zur Konversion – die Erscheinung Jesu

Eugenio Zolli beschreibt dann das Wunder, das Jesus Christus ihm bereitet hat, um seinen endgültigen Schritt zur Kirche Christi, der römisch-katholischen Kirche, zu ermöglichen bzw. zu erleichtern. Hier die entscheidenden Stellen:

„Es war der Versöhnungstag im Herbst 1944 und ich hielt gerade den Gottesdienst in der Synagoge. Der Tag neigte sich seinem Ende zu und ich fühlte mich inmitten der Vielzahl von Menschen sehr allein. Ich spürte, wie eine Art Nebel sich plötzlich in meine Seele schlich. Er wurde immer dichter, so dass ich jeglichen Kontakt zu Menschen und Dingen um mich herum verlor.“

Zwar musste er am Abend den letzten jüdischen Gottesdienst der Liturgie abhalten, aber er hatte das Gefühl, „von diesem Ritual so weit entfernt zu sein“, dass er die Gebete nicht vortragen und die Lieder nicht singen konnte, sondern dies den zwei Synagogenvorsteher, die mit ihm dienten, überließ.

„Ich spürte weder Freude noch Schmerz in mir, ich war wie ausgeleert, ohne Gedanken und Gefühle. Mein Herz lag wie tot in meiner Brust. Und unmittelbar darauf erstreckte sich vor meinem geistigen Auge in der Höhe eine Wiese mit leuchtendem Gras, aber ohne Blumen. Und auf dieser Wiese erblickte ich Jesus Christus, in einen weißen Mantel gekleidet, über Seinem Haupt der blaue Himmel. In mir empfand ich tiefsten Frieden. … Und dann hörte ich in meinem Herzen die folgenden Worte: »Du bist heute zum letzten Mal hier.« Mit der größten seelischen Gelassenheit und ohne eine besondere Gemütsregung nahm ich die Worte zur Kenntnis.

Und aus meinem Herzen kam die Antwort: »So sei es, so wird es sein, so muss es sein.«

Doch das eigentliche Wunder erfuhr er erst, als er wieder zu Hause war. Nach dem Abendessen sagte seine Frau plötzlich zu ihm:

»Heute, während du vor dem Thoraschrein standest, hatte ich den Eindruck, die weiße Gestalt Jesu Christi zu sehen, der dir Seine Hände auf den Kopf legte, so, als segnete er dich.« Zwar war Zolli über die Worte seiner Frau überrascht, aber blieb noch ganz ruhig. Er ließ sich Wort für Wort ihre Sätze wiederholen. Genau in diesem Moment kam ihre jüngste Tochter aus ihrem Zimmer und auf die Frage »Was ist los?« rief sie: »Ihr redet über Jesus Christus«, antwortete sie und fuhr fort: »Weißt du, Papa, heute Nacht habe ich von einem großen weißen Jesus geträumt, aber was dann passiert ist, weiß ich nicht mehr.«

Einige Tage später, im September 1944, trat er von seinem Posten in der jüdischen Gemeinde zurück. Er ging zu einem römisch-katholischen Priester und bat um Unterweisung im katholischen Glauben. Dann, nach ein paar Wochen, empfing er das Sakrament der Taufe und wurde, wie er selber schreibt, „in die katholische Kirche, den mystischen Körper Jesu Christi, aufgenommen.“ (S: 288/289)

In dem Nachwort, geschrieben von seinem Enkel Enrico de Bernart, zitiert er den Kommentar seiner Mutter, Myriam Zolli, aus ihrem unveröffentlichten Manuskript zur Konversion ihres Vaters, als da lautet, dass „das Glaubensbekenntnis Zollis (…) sich als dreifache Vision offenbart, da jedes seiner Familienmitglieder die gleiche Erscheinung hatte.“ (S. 292)

Quelle: Der Rabbi von Rom (Das unerhörte Leben des Rabbi Zolli), Autobiografie, München 2005

Bekehrung des jüdischen Schauspielers Ernst Ginsberg

Der jüdische Schauspieler und Konvertit Ernst GinsbergErnst Ginsberg, geboren am 7. Februar 1904 in Berlin, verstorben am 3. Dezember 1964 in Zollikon, Schweiz, war ein deutscher Schauspieler jüdischer Abstammung. Ostermontag 1935 trat er – als Jude – mit seiner Frau Ruth Charlotte Greiner – als Protestantin – mit ihrer Taufe in die römisch-katholische Kirche ein. Max Frisch erwähnt ihn in einem Essay von 1966 als praktizierenden Katholiken. [Forderungen des Tages – Porträts, Skizzen, Reden; Essay: Erinnerungen an Brecht.]

Entscheidend an seiner Bekehrung zum katholischen Glauben war Dela Horwitz, die Frau von Ginsbergs engstem Freund, wie Elisabeth Brock-Sulzer, Herausgeberin der Erinnerungen Ginsbergs in ihrem Geleitwort schreibt.

Ernst Ginsberg litt an einer unheilbaren Krankheit, genannt amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Es handelt sich dabei um eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, die für die Muskelbewegungen verantwortlich sind. Dies führt allmählich zur vollkommenen Bewegungsunfähigkeit. Als er sich schon nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen konnte, lernte er, mit Hilfe der Augenlidern zu kommunizieren. So diktierte er seiner Pflegerin noch, mit Hilfe des Morsealphabets, mit den Augenlidern Gedichte. (Quelle: Wikipedia Stichwort Ernst Ginsberg)

Das jüdische Leben der Familie Ginsberg

Ernst Ginsberg beschreibt seine Jugendzeit als „weltenferne, scheinbar unschuldige, kindlich optimistische Zeit, die, berauscht von Technik und Fortschritt, nur noch das Paradies auf Erden erwartete, eine Zeit, in der die dunklen Prophetien eines Jakob Burckhard und die Ahnungen der zeitgenössischen Kunst ganz unglaubhaft schienen …“ (S. 27)

Weiter schreibt er in seinen Erinnerungen:

„Meine Eltern waren beide in Berlin aufgewachsen. Die Familie meines Vaters war vor zwei Generationen aus Polen nach Deutschland gekommen. In Lodz besaßen sie eine große Spinnereifabrik. Wie es bei vielen jüdischen Familien in Deutschland Gewohnheit war, blickte man auf die sogenannten »polnischen Juden«. Die Galizier, mit Verachtung herab, obwohl man, tiefer besehen, nicht den geringsten Anlass dazu hatte, denn das ernsthaft Jüdische war bei diesen armen polnischen Juden lebendiger als bei denen, die sich in Deutschland möglichst rasch zu assimilieren suchten.

Man gehörte zur sogenannten jüdischen Reformgemeinde und ging ganz selten in die Synagoge, in der eine Art von verwaschenem Liberalismus herrschte, der es ermöglichte, dass ich einmal eine verherrlichende Predigt über Nietzsches Zarathustra zu hören bekam.“ (S. 30)

„Das Seltsame war, dass dieser jüdische Menschenschlag, der ohne tiefere religiöse Bindung an das Judentum und auch dem rassisch nationalen Zusammengehörigkeitsgefühl des Zionismus feindlich war, dennoch aus einem schwer erklärbaren Gewohnheitstrieb jeden, der sich vom Judentum entfernte oder gar lossagte, empört verachtete.“ (S. 31)

Sein Vater brachte den Kindern bei, sich anständiger zu benehmen als die anderen Kinder. „Von euch schließt man auf alle“ Juden. Für die verachteten Christenkinder hatten die Juden ein eigenes Wort: „Gojm Naches“. Hatte Ernst Ginsberg bis zum Ende des Krieges noch keine Erfahrungen gemacht mit antisemitischen Äußerungen, so kam nach der Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg die öffentliche Meinung auf, dass die Juden für die Niederlage verantwortlich seien. Damit machte sich in Deutschland ein folgenschwerer Antisemitismus breit.

„In jener Zeit, die für uns Bürgerkinder eigentlich nur lustig war, bis es nach der Wendung des Kriegsglücks mit dem Essen magerer und magerer wurde, erlebte ich zum ersten Mal – eigentlich ohne es recht zu begreifen – Antisemitismus.“ (S. 55) 1921 wurde ich ein Ausgestoßener, schreibt Ginsberg in seinen Erinnerungen. „Auf dem Schulhof lief ich wie ein angeschossenes Tier allein im Viereck herum. Die Gruppe meiner bisherigen Freunde grüßte mich mit betont höflicher Herzlichkeit, um zu beweisen, dass ihnen – wie es damals auch tatsächlich der Fall war – jede Bosheit fern läge. Es war der Ausbruch einer eisig-tödlichen Ideologie unter durchaus idealistischen jungen Menschen, ohne die die spätere Machtergreifung der Bestialität niemals möglich gewesen wäre.“ (S. 69/70)

Die Konversion zur katholischen Kirche

Ostermontag 1935 war der Übertritt in die katholische Kirche in der Kapelle des katholischen Akademikerhauses zu Zürich bei Professor Richard Gutzwiller SJ.

Elisabeth Brock-Sulzer lässt in ihrem Geleitwort Ernst Ginsberg seinen Übertritt zur katholischen Kirche berichten:

„Etwa seit 1930 stand es für meine Frau und mich fest, dass wir zum katholischen Glauben übertreten wollten, ich vom Judentum her, sie vom Protestantismus. Was uns vorläufig von dem entscheidenden Schritt noch zurückhielt, war die Tatsache, dass wir den Juden gegenüber, die zweifellos einer schweren Prüfungszeit entgegengingen, keinesfalls als Deserteure vor dem jüdischen Schicksal erscheinen wollten. Als es sich dann aber als immer klarer erwies, dass die Verfolgungen keineswegs der Religion galten, sondern ausschließlich der Abstammung, wichen diese Hemmungen von uns, zumal es obendrein auch immer ersichtlicher wurde, dass auch die Kirche und die gläubigen Christen, soweit sie mit ihrem Glauben ernst machten, vom Nationalsozialismus als auszurottende Feinde betrachtet wurden.“ (S. 14)

„Freilich, das Wesentliche scheint sich mir Worten zu entziehen, denn die Geschichte jeder wie immer gearteten Konversion ist ja im Innersten eine Liebesgeschichte zwischen Gott und dem Menschen.“ (S. 15)

Ernst Ginsberg betrachtete, wie auch die Gebrüder Lémann, das Christentum als die volle Erfüllung des Judentums:

„Für mich persönlich … ist die Lehre Christi die volle Erfüllung des Judentums“ (S. 17)

Mit Dankbarkeit bekennt er, „dass der Glaube die Freude, das Glück, der Trost und der Segen meines Lebens und des Lebens der Meinigen gewesen ist und dass ich in den Tagen, in denen ich dieses schreibe, die letzte Bestätigung und Stichhaltigkeit dieses Glaubens erfahren durfte: Angesichts des Todes, dem mich eine schwere Lähmungskrankheit (Lateralsklerose) entgegenführt, die für einen Ungläubigen nur mit der Tat wie der Hemingways zu beenden wäre, die der Glauben aber im Blick auf das Kreuz zu ertragen vermag.“ (S. 20)

Diese Dankbarkeit drückt er in einem Gedicht (S. 255/256) aus:

Choral

Nun wird es Zeit zu danken
Eh Herz und Auge bricht
Für alle Gottesgaben
Für Leben, Luft und Licht –

Zu danken für die Eltern
Die mir in dieser Welt
Die blinden Kinderfüße
Auf graden Weg gestellt –

Zu danken für die Freundschaft
Die mir zur Seite ging
Und oft mit starken Armen
Den Taumelnden umfing –

Zu danken für die Liebe,
die ich so oft verriet
sie aber sang, die treue
das ew’ge Liebeslied –

Zu danken für den Sohn, den
die Liebe uns gebar:
Er machte meinem Leben
kein einz’ges graues Haar

Zu danken für die Enkel:

Wie blüht das Leben fort
Wie mir sei Gott euch gnädig
An jedem Lebensort –

Zu danken für die Freuden
Wie war die Welt so schön
Um staunend voll Entzücken
Von Glück zu Glück zu gehen –

Zu danken für die Leiden:
Sie sühnten dunkle Schuld
Und prüften Herz und Nieren
Im Abgrund der Geduld –

Zu danken für die Tränen
Des Lachens wie der Not:
Die Not, die bittere Speise
Das Lachen gut wie Brot –

Zu danken für die Gaben
Der Kunst, der ich gehört
Die mich seit Knabenjahren
Besessen und betört –

Zu danken für die Vielen
Die meinen Sinn erfüllt
Und meine Sprache liebten;
Für sie hab ich gespielt –

Dank für die Welt von Träumen
Dank für die Wirklichkeit
Dank, dass ich nie dem Nichts erlag
In dieser schweren Zeit –

Nun wird es Zeit zu danken …
Das Wort vermag es nicht!
Doch du nimm den Verstummten
Herr, wortlos heim ins Licht.

Im Angesicht seiner Krankheit schreibt Ernst Ginsberg auch dieses Gebet (S. 244):

Tägliches Gebet in langer Krankheit

Ich bitte Dich, Herr, um die große Kraft
diesen kleinen Tag zu bestehen
um auf dem großen Weg zu Dir
einen kleinen Schritt weiterzugehen.

Im Frühling 1964 war seine Krankheit so weit fortgeschritten, dass er die Krücken mit dem Rollstuhl vertauschen musste.

Klösterliches Leben im eigenen Körper

Nach dem Tode seiner Frau im Jahr 1960 wollte Ernst Ginsberg ins Kloster gehen. Vier Monate bemühte er sich um Aufnahme in verschiedenen Benediktiner-Klöstern. Doch, wie er schreibt, hat die Weisheit der Oberen ihn daran gehindert, seinen Entschluss umzusetzen. „Aber die Weisheit der über mein Gesuch entscheidenden Oberen wies mich auf die freundlichste Weise ab. Ich gehörte in meinen Beruf, erklärten sie, und mich triebe nicht die Freude, sondern die Trauer ins Kloster. Es sei ein Fluchtversuch, zu dem sie nicht ihre Hand bieten dürften. Wie recht sie hatten!“

„Heute habe ich eine unerwartete Form fast klösterlichen Lebens gefunden, die mir offenbar bestimmt war. Sie ist von strengerer Observanz, als ich es mir je hätte träumen lassen.“ (S. 169)

Quelle: Ernst Ginsberg »Abschied« Erinnerungen, Theateraufsätze, Gedichte, Zürich 1965

Das Grab des deutschen Schauspielers Ernst Ginsberg, seiner Frau Ruth Charlotte und ihrer Kinder auf dem Friedhof Fluntern in Zürich.

Das Grab des deutschen Schauspielers Ernst Ginsberg (1904–1964), seiner ersten Frau Ruth Charlotte, geb. Greiner (1906-1960), und ihrer Kinder Johannes (1933–2022) und Esther Ginsberg-Wurmser (1937–2023) auf dem Friedhof Fluntern in Zürich.

Bildquellen

  • Edith_Stein_(ca._1938-1939): wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • lisamaria-meirowsky: islandlife-inamonastery
  • Izrael_Zolli: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • ernst-ginsberg: © https://weltgeschehen.info
  • GinsbergFamilyGrave-FlunternCemeteryZurich_RomanDeckert17122023: wikimedia | CC BY-SA 4.0 International
  • juedische-konvertiten-20-jahrhundert: © https://weltgeschehen.info

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