Wissenschaft

Transhumanismus im Silicon Valley

Die transhumanistischen Forschungen von Google

Silicon Valley – Tummelplatz der Transhumanisten

Heute verfolgen oder unterstützen viele der größten Unternehmen im Silicon Valley Ziele des Transhumanismus:

Google z. B. investiert durch die Gründung von CALICO Labs in den Forschungsbereich ‚Heilung des Alterns‘; die Firma stellte außerdem den Singularitäts-Theoretiker Ray Kurzweil ein, um am Projekt ‚Google Brain‘, einem Projekt des Unternehmens für künstliche Intelligenz im Bereich maschinelles Lernen, zu arbeiten.

Mark Zuckerberg und Sergej Brin finanzieren neben anderen Tech-Eliten den Breakthrough Prize, der mit 3 Millionen Dollar dotiert ist, um Fortschritte bei den lebensverlängernden Technologien zu finanzieren. Peter Thiel war Mitbegründer des Seasteading Institute, „das es der nächsten Generation von Pionieren ermöglichen wird, neue Ideen für die Regierung friedlich zu testen“.

Jeff Bezos, Elon Musk und Peter Diamandis stecken Milliarden in die private Weltraumforschung, im Fall von SpaceX, mit dem Ziel, eines Tages den Mars zu bevölkern. Um die Suche von SpaceX zu unterstützen, will Larry Page sein Privatvermögen Musk hinterlassen.

Auch wenn sie sich selbst persönlich nicht als Transhumanisten bezeichnen, so teilen diese Unternehmen und ihre CEOs doch eine gemeinsame Vision mit vielen Elementen der Weltsicht des Transhumanismus. Denn für viele von ihnen ist die Neudefinition der Bedeutung von „Mensch“ keine Hybris, sondern Innovation.

Google als Promotor des Transhumanismus

Zeitleiste der Google-Aktivitäten

2011
Das X-Lab von Google beginnt mit der Arbeit an ‚Google Brain‘, einem Forschungsprojekt über künstliche Intelligenz.

2012
Google stellt Ray Kurzweil für die Arbeit über maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz ein.
Ray Kurzweil gründete bereits 2008 die Singularity University mit Mitteln von Google, Nokia, Autodesk, ePlanet Capital, der X Prize Foundation, der Kauffman Foundation und Genentech.

2013
Larry Page gründet Calico Labs zusammen mit Arthur D. Levinson, dem ehemaligen Apple-Vorsitzenden, als Teil von Google (inzwischen als Tochtergesellschaft von Alphabet Inc. umstrukturiert). Calico verfolgt ein Heilmittel gegen das Altern und damit verbundene Krankheiten.

2013
Auf dem internationalen Kongress Global Futures 2045 prognostiziert Ray Kurzweil, daß die Menschen bis 2045 durch Mind-uploading digitale Unsterblichkeit erlangen werden.

2014
Mark Zuckerberg (Gründer von Facebook), Sergej Brin und Arthur D. Levinson richten den Breakthrough Prize in Life Sciences ein, um Forschungen zum Verständnis lebender Systeme und zur Förderung der Lebensverlängerung zu finanzieren.

2014
Google erwirbt DeepMind Technologies, um es mit seinem Projekt ‚Google Brain‘ zusammen zu schließen. Denn das Ziel in seinem Bestreben ist, „Intelligenz zu lösen“.

2014
Google CEO Larry Page erklärt den TED-Konferenzteilnehmern, daß er sein Vermögen lieber Elon Musk hinterlassen würde, als es für wohltätige Zwecke zu spenden. Denn er will sicherstellen, daß die Menschen zum Mars gelangen.
(Quelle: A Timeline of Transhumanism)

Google und der Transhumanismus

Vor 2013 war das eigentliche Kerngeschäft von Google alles, was in direktem Zusammenhang mit dem Internet steht. Denn alle Aufkäufe von Google sollten scheinbar Dienste entwickeln und optimieren, die die Bereiche Bilder oder Datenverarbeitung, Webanalyse, Kartensoftware, Anzeigen, Blogging, usw. abdecken. (Quelle: The H+ shift of Google)

Ab 2013 aber scheint Google seine Einkaufspolitik jedoch vollständig geändert zu haben. Die von Google gekauften Unternehmen sind nämlich neben der Robotik seitdem auch mit verschiedenen Bereichen verbunden, die nicht direkt im Zusammenhang mit den Webdiensten stehen. Zu den neuen Bereichen gehören z. B. neuronale Netze (DNNResearch), Verständnis der natürlichen Sprache (Wavii) und erneuerbare Energien (Makani Power), Wearable Computing (WIMM Labs), Bewegungs-/ Gesichtserkennung (Flutter, Viewdle), Hausautomation (Nest Labs) usw.

Larry Page selbst, einer der Mitbegründer von Google mit Sergej Brin, erklärte auf seiner Google+ Seite:

„Sie denken also wahrscheinlich wow! Das unterscheidet sich stark von dem, was Google heute tut. Und du hast recht. Aber […] es gibt ein enormes Potenzial für Technologie im Allgemeinen, um das Leben der Menschen zu verbessern. Seien Sie also nicht überrascht, wenn wir in Projekte investieren, die im Vergleich zu unseren bestehenden Internet-Geschäften seltsam oder spekulativ erscheinen. Und bitte denken Sie daran, dass solche Neuinvestitionen im Vergleich zu unserem Kerngeschäft sehr gering sind. “

Dank riesiger Gewinne aus seinem Internet-Kerngeschäft, in dem Google ja weltweit führend ist, kann das Unternehmen seitdem viele verschiedene Aktivitäten entwickeln, die alle mit einer transhumanistischen Ideologie zusammenhängen. (Quelle: The H+ shift of Google)

Transhumanistische Visionen bereits seit den Anfängen von Google

Transhumanistische Visionen sind jedoch schon seit den Anfangstagen von Google die Hauptantriebsfeder der Kalifornier. Dies zeigen Aussagen von Larry Page und Sergej Brin, den Gründern des Suchmaschinen-Konzerns.

„Meine Theorie ist, daß Ihre Programmierung, also Ihre DNA, sich auf etwa 600 Megabyte komprimieren lässt“, so Page 2007 in einer Rede vor der einflussreichen American Association for the Advancement of Science. „Sie ist also kleiner als alle modernen Betriebssysteme, kleiner als Linux oder Windows. Das Hochfahren Ihres Gehirns ist in dieser Rechnung bereits mit eingeschlossen. Ihre Programm-Algorithmen sind also wahrscheinlich gar nicht so kompliziert; [Intelligenz] ist demnach vermutlich mehr eine Frage der Gesamtrechenkapazität.“

Für seinen Mitinhaber Brin wäre es denn auch „von großem Vorteil, wenn das Wissen der gesamten Welt direkt mit dem Gehirn verbunden wäre, oder mit einem künstlichen Gehirn, das schlauer als das menschliche Gehirn ist“. Und bereits im Jahr 2000 sagte Larry Page in einem Interview, künstliche Intelligenz sei „die ultimative Version von Google“.

Transhumanistische Visionen werden ganz konkret in ‚Google Glass‘ umgesetzt, indem mit der von Google entwickelten Augmented-Reality-Brille Mensch, Maschine und Datenbank zu einer Form des posthumanen Cyborgs verschmelzen. (Quelle: Der Google-Mensch)

Google wird Hauptarchitekt der transhumanistischen Revolution

Indem Google mit viel Geld in die transhumanistische Forschung investiert, wird das Unternehmen so zu einem der Hauptarchitekten der NBIC-Revolution. Es unterstützt damit aktiv die Transhumanismus-Revolution. Einige der bekanntesten Google-Mitglieder fördern diese Bewegung offen und aktiv, wie Vinton Cerf (‚Chief Internet Evangelist‘ bei Google) oder Raymond Kurzweil (2012 zum Director of Engineering bei Google ernannt und aktives Mitglied der Singularity University).

Google stellt seit Jahren führende Forscher im Bereich der künstlichen Intelligenz ein (Research at Google), darunter:

Ray Kurzweil: 2012 Director of Engineering bei Google (Unterstützung des Unternehmens bei der Verbesserung der Genauigkeit seiner Suchergebnisse) und Mitbegründer der Singularity University.

Geoffrey Hinton: Google Distinguished Researcher, ein Informatiker und Psychologe, der vor allem für seine Arbeit an künstlichen neuronalen Netzen bekannt ist. Hinton kam im März 2013 zu Google, als sein Unternehmen DNNresearch Inc. von Google übernommen wurde. Seitdem arbeitet er für Google (‚Google Brain‘ )

Jeffrey Adgate „Jeff“ Dean ist ein US-amerikanischer Informatiker, einer der führenden Programmierer und Software-Ingenieure von Google und leitender Programmierer für ‚Google Brain.‘

Künstliche Intelligenz ist also für Google sehr wichtig. Ein Mitglied des Google Quantum AI Lab-Teams hat einen Artikel darüber geschrieben, wie Quantum-Computer die künstliche Intelligenz fördern werden. Google hat sich vorgenommen, ein künstliches Gehirn aufzubauen, auch bekannt als „The Google Brain”. (Quelle: The H+ shift of Google)

Ewiges Leben und perfekte Gesundheit

Die Forschungen und Aktivitäten von Google bzw. Alphabet Inc. im Bereich Gesundheit finden in zwei Unternehmen statt, die beide unter dem Dach von Google entstanden.  Es sind dies CALICO und VERILY.

Larry Page gründet Calico

„Im September 2013 startete Page die unabhängige Initiative CALICO, ein F&E-Projekt im Bereich der Biotechnologie. Google gab bekannt, dass Calico Innovationen und Verbesserungen im Bereich der menschlichen Gesundheit anstrebt, und ernannte Art Levinson, Vorstandsvorsitzender von Apple und ehemaliger CEO von Genentech, zum CEO der neuen Division. Die offizielle Erklärung von Page lautete: ‚Krankheit und Alterung betreffen alle unsere Familien. Ich glaube, daß wir mit einem längerfristigen Moonshot Denken rund um das Gesundheitswesen und die Biotechnologie Millionen von Menschenleben verbessern können.’“ (Wikipedia Stichwort Larry Page)

In Googles Gründerbrief 2013 beschrieb Larry Page deshalb Calico als ein Unternehmen, das sich auf „Gesundheit, Wohlbefinden und Langlebigkeit“ konzentriert. Der Name des Unternehmens ist eine Abkürzung für „California Life Company“. (Wikipedia Stichwort Calico LLC)

Nachdem im Jahr 2015 Google in Alphabet Inc. umstrukturiert wurde, wurde Calico LLC zusammen mit Google und anderen eine Tochtergesellschaft des neuen Unternehmens.

Im selben Jahr 2015 kündigte Calico LLC eine Partnerschaft mit QB3 an, die auf der Erforschung der Biologie des Alterns und der Identifizierung potenzieller Therapeutika für altersbedingte Krankheiten basiert.

Verily (früher Google Life Sciences)

Verily „ist ein Forschungsunternehmen von Alphabet Inc., das im Bereich der Biowissenschaften tätig ist. Das Unternehmen war bis zum 10. August 2015, als Sergej Brin bekannt gab, daß das Unternehmen eine unabhängige Tochtergesellschaft von Alphabet Inc. werden würde, eine Abteilung von Google X. Dieser Restrukturierungsprozess wurde am 2. Oktober 2015 abgeschlossen. Am 7. Dezember 2015 wurde Google Life Sciences in Verily umbenannt.“ (Wikipedia Stichwort Verily)

Die Projekte, an denen Verily arbeitet, sind bei Wikipedia aufgelistet. Aus der Liste seien hier aber nur diejenigen aufgeführt, die mit unserem Thema in Zusammenhang stehen.

  • Die Baseline Study, ein Projekt zur Erfassung genetischer, molekularer und tragbarer Geräteinformationen von genügend Menschen, um ein Bild davon zu erhalten, was ein gesunder Mensch sein sollte.
  • Ein gesundheitsverfolgendes Armband.
  • Eine krankheitserkennende Nanopartikel-Plattform die mit dem Armband zusammenarbeitet. Ein Projekt mit dem Namen Tricorder.
  • Fortschritte in der Chirurgie-Robotik, in Zusammenarbeit mit Johnson & Johnson.
  • Entwicklung und Vermarktung bioelektronischer Medikamente in Zusammenarbeit mit GlaxoSmithKline
  • Entwicklung von miniaturisierten kontinuierlich messenden Glukosesensoren (CGM) in Zusammenarbeit mit Dexcom
  • Kontaktlinsen, die es Menschen mit Diabetes ermöglichen, ihren Blutzuckerspiegel kontinuierlich und ohne Beeinträchtigung zu messen.

GoogleWatchBlog hat einen Beitrag unter dem Titel „Project Baseline: Google-Schwester Verily möchte ‘Perfekte Gesundheit’ mit 300 Mio. Dollar-Studie neu definieren“ geschrieben, indem es heißt: „Daraus soll sich dann ein Bild eines perfekten gesunden Menschen ergeben bzw. auch schon erste Schlüsse ziehen lassen, wodurch diese beeinflusst wird.“

Kauf der acht größten Unternehmen im Bereich Robotik

Ende 2013 ist Google ganz groß in die Robotik eingestiegen und hat die acht größten Unternehmen im Bereich Robotik weltweit gekauft:

  • Schaft Inc. (baut humanoide Roboter),
  • Industrial Perception inc. (verwendet Computer Vision, um besser zu verstehen, was sie sehen, und um mit nicht standardmäßigen Situationen umzugehen)
  • Redwood Robototics und Meka Robotics (machen humanoide Bots und Roboterarme),
  • Holomni (stellt komplizierte Räder her),
  • Bot & Dolly und Autofuss (machen Bilder für Filme wie Gravity, Einsatz von Fließband-Robotern).
  • Boston Dynamics, bekannt für seine Roboter wie BigDog, ein Geländewagen, der läuft, läuft, klettert und schwere Lasten trägt, der 29 Meilen pro Stunde schnellste Gepard mit Beinen und ein agiler anthropomorpher Roboter namens Atlas.

(Quelle: The H+ shift of Google)

Der Ingenieur an der Spitze der neu geschaffenen Robotikabteilung von Google war M. Andy Rubin, der die Android-Software von Google entwickelt hat. Von Anfang Dezember 2013 bis Oktober 2014 war Rubin im Google-Konzern als Leiter der Roboter-Forschung beschäftigt.
Bis zum 13. März 2013 war er Entwickler des Smartphone-Betriebssystems Android, und als Vice President of Engineering bei Google für die Weiterentwicklung verantwortlich.

Auch wenn Google zwischenzeitlich wieder Boston Dynamics verkauft hat, so ist das Unternehmen doch mit Everyday Robots neu in diese Sparte eingestiegen. Damit ist offensichtlich, daß für Google enorme Synergien zwischen den Bereichen Gesundheit, künstliche Intelligenz und Robotik bestehen.

Künstliche Intelligenz ist die ultimative Version von Google

Aber auch in der Forschung der Künstlichen Intelligenz ist Google nicht untätig. Denn Google und Kurzweil wollen das menschliche Gehirn tatsächlich nachbauen. Warum? Angeblich damit sie es begreifen können. Das ‚Google Brain‘ präsentiert sich in den firmeneigenen Laboren als künstliches Gehirn mit einer schnell wachsenden Zahl simulierter Synapsen. Es lernt bereits, selbstständig Objekte zu unterscheiden.

Google investiert auch in anderen nahe gelegenen Gebieten, so z. B. in die DNA-Sequenzierung (Tochtergesellschaft 23andMe, geleitet von Sergej Brins Frau). Aber auch innerhalb von Google werden Investitionen in technologische Innovationen getätigt. Über sein Google X Lab werden z. B. angeschlossene Kontaktlinsen, ausgestattet mit einem Mikrochip zur Messung von Glukose für Diabetiker, erforscht. (Quelle: The H+ shift of Google)

Ein kleines Experiment zur Künstlichen Intelligenz von Google

Google veröffentlichte unlängst ein kleines Experiment, das auf erschreckende Weise zeigt, zu was Künstliche Intelligenzien (KIs) in der Lage sind. „Im Versuchsfeld standen drei KIs. Zwei sollten verschlüsselt kommunizieren und die Methoden dazu selbst entwickeln. Die dritte KI bekam alle Nachrichten und sollte sie entschlüsseln. Die Verschlüsselungsmethoden wurden schnell besser, sie lernten schnell. Nach zwei Tagen kommunizierten die zwei KIs in einer verschlüsselten Sprache, die auch kein Mensch mehr verstehen konnte. Die menschlichen Sprachen sind aus Maschinensicht ineffizient, sie entwickelten also eigene. Inhalte blieben von da an für Aussenstehende verborgen. Dieser Test zeigt die Gefährlichkeit. Wenn man sich vorstellt, solche KIs hätten Zugriff z. B. auf die Infrastruktur und würden sich verselbstständigen? Und sie waren auch noch stolz darauf, dass die KI sie überlistet hatte…“ (Quelle: Googles digitaler Angriff und die Folgen)

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