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Noch ist Polen nicht verloren

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1 Polen ist noch nicht verloren – oder doch?

Polen ist noch nicht verloren – oder doch?

„Noch ist Polen nicht verloren“ sind die ersten Worte der polnischen Nationalhymne. Dreimal in der Geschichte musste Polen erleben, von Großmächten aufgeteilt zu werden. Polen war als Staat durch diese Polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert untergegangen. Denn die benachbarten Großmächte Preußen, Russland und Österreich hatten das Territorium der polnischen Adelsrepublik unter sich aufgeteilt. Infolge der Aufteilung existierte Polen 122 Jahre lang nicht mehr, und zwar von 1796 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918. Danach kam die Teilung Polens durch Hitler und Stalin 1939. Anschließend musste das ehemals katholische Polen unter sowjet-kommunistischer Kontrolle und Abhängigkeit leben. Hat Polen aus dieser seiner Geschichte gelernt? Dieser Frage müssen wir uns in einem eigenen Beitrag widmen. In diesem Beitrag soll ein historischer Abriss, der die Teilung Polens betrifft, gegeben werden. Dabei werden nur die für unsere Frage wichtigen Fakten aufgeführt. Auch die nationale Auferstehung Polens nach dem ersten Weltkrieg soll kurz angeschnitten werden.

Teil 1: Die europäischen Mächte hatten kein Herz für die Leiden Polens

Polen in seinen Anfängen

Der Name Polen kommt von einem der Stämme (Polanie=Bewohner des Flachlandes), die sich vor 963 zu einem Volk zusammenschlossen, das zwischen Ostsee und Karpaten wohnte. Die Ausdehnung des Reiches wechselte. Ursprünglich umfasste es nur die Woiwodschaften Posen, Gnesen, Kalisch, Lublin, Rawa, Sjeradz, Podlachien und Ploczk. Bald jedoch dehnte es sich auch über Schlesien und Pommern, eine Zeitlang sogar über Böhmen und Mähren aus. Im 12. und 13. Jahrhundert machten sich Böhmen und Mähren unabhängig. Dafür erwarb Polen 1386 durch Heirat Litauen, dann auch Livland und Estland, weiter die Lehnsherrschaft über Preußen, Kurland, über Moldau und Walachei und die Herrschaft über die Mehrzahl der Kosaken auf russischem Gebiet. Damit reichte Polen bis ans Schwarze Meer. Am mächtigsten war Polen unter der Herrschaft der Jagellonen (1386 bis 1572). Die größte Ausdehnung hatte Polen im 17. Jahrhundert bis 1667. Unter der Wahlmonarchie zerfiel das Reich wieder.

Die Missionierung Polens ging nur langsam vorwärts. Die christlichen Anforderungen waren zu Anfang zwar gering. Aber das Christentum fiel den Polen trotzdem schwer, weil sie im Herzen doch noch den alten Götzen anhangen. Die Christianisierung führte bei den polnischen Heiden zu manchen Aufständen. Bis gegen Mitte des 11. Jahrhunderts erhielten sich noch Reste des alten Heidentums. (Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 10, 1897)

In den Anfängen der polnischen Kirche spielte der deutsche Klerus eine bedeutende Rolle. Denn der einheimische Klerus war noch zu gering. Der polnische König Boleslau I. Chrobry unterstützte tatkräftig die Missionierung Preußens und Pommerns durch den hl. Adalbert, Bruno von Querfurt und Otto v. Bamberg. Durch die Vermählung mit Heinrich I. von Schlesien und Polen wurde unter der hl. Hedwig (13. Jahrhundert) von Polen aus Litauen und Samogitien christianisiert.

Das Reich der Polen bildete in späteren Jahrhunderten ein Bollwerk gegen Russen und Türken.

Der Einfluss des Protestantismus in Polen

Nachdem der Husitismus in Polen zurückgedrängt werden konnte, erlebte Polen in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, wie schon im 13. Jahrhundert, infolge der eifrigen Tätigkeit der durch den hl. Johannes v. Capistran eingeführten Observantenorden sein „felix saeculum sanctum“.

Nach 1517 aber drangen die neuen Irrlehrer des Protestantismus zunächst dort ein, wo das Deutschtum stärker vertreten war. Dies war in Krakau, Posen, Thorn, Elbing, Danzig. Eine ihrer Folgen war die Säkularisierung Preußens und Livlands. König Sigismund I. (1506 bis 1548) war als eifriger Katholik bemüht, den Protestantismus zu bekämpfen. Aber er fand seitens der Bischöfe mit wenigen Ausnahmen wenig Unterstützung. So wuchs die protestantische Bewegung, besonders unter dem anfangs auch religiös schwankenden Sigismund II. August (1548 bis 1572). Neben Lutheranern traten Calvinisten, Böhmische Brüder und Sozinianer mit ihrem Gründer Faustus Sozinus auf, die hier fast ungehindert ihre Irrlehren entfalten konnten.

Unter dem Druck des protestantischen Adels erbat der König vom Papst Zugeständnisse im Sinn einer Nationalkirche. Dazu gehörten ein Nationalkonzil, die Erlaubnis der Liturgie in der Landessprache, Kommunion unter beiden Gestalten wie auch die Priesterehe. Papst Paul IV. lehnte natürlich ab und verwies auf das Konzil von Trient.

Der verblendete Adel führte Polen ins Verderben

Der Hauptschuldige, der Polen ins Verderben führte, war der verblendete Adel. Dieser hatte bereits im 17. Jahrhundert dafür gesorgt, daß in Polen anarchische Zustände herrschten.

Dr. Franz Joseph Holzwarth, katholischer Geistlicher und Autor des 7-bändigen Werkes ‚Weltgeschichte‘ schreibt im 6. Band dazu Folgendes:

„In Polen hatten die Einrichtungen, durch welche der seit der Verwandlung des Erbkönigtums in ein Wahlkönigtum zur absoluten Herrschaft gelangte Adel die Freiheit des Landes zu sichern geglaubt, in der Tat aber nur seine eigene, mit Unterdrückung aller wahren Volksfreiheit errungene Freiheit bis ins Schrankenlose erweitert hatte, die Grundlagen aller staatlichen Ordnung untergraben.

Wie das von den verblendeten Aristokraten als das eigentliche Palladium ihrer Freiheit gepriesene Liberum Veto, indem es jedem einzelnen Landboten das Recht verlieh, durch seine verneinende Stimme alle Beschlüsse des Reichstags ungültig zu machen, jede Gesetzgebung und jede geregelte Finanzverwaltung unmöglich machte, so lag in der Befugnis des Adels, sich Haustruppen in jeder beliebigen Stärke zu halten und zu bewaffneten Konföderationen zusammen zu treten, um in Zeiten besonderer Uneinigkeit und Verwirrung durch Stimmenmehrheit das durchzusetzen, was auf den Reichstagen, wo Stimmen-Einhelligkeit erforderlich war, nicht durchgesetzt werden konnte, die Quelle steter Unruhen, die nicht selten in blutige Kämpfe ausarteten, da oft zu gleicher Zeit mehrere Konföderationen entstanden, die sehr verschiedene Zwecke verfolgten.“ (S. 569 bis 570)

Keine Freiheiten für den polnischen Bürger- und Bauernstand

Die Freiheiten des Bürger- und Bauernstandes waren durch die Vorrechte des Adels untergegangen. Damit fehlte dem Schattenkönig eine kräftige und opferwillige Unterstützung dieses Standes. Die Städte gehörten dem Adel. Handel, Gewerbe und Wohlstand befanden sich deshalb im Zustand des gänzlichen Verfalls. Luxus und Vergnügungssucht des Adels hatten sich dagegen immer mehr gesteigert.

Dies hatte natürlich zur Folge, daß die dem leibeigenen Bauernstand aufgebürdeten Abgaben und Frohnden immer drückender wurden. Dabei bildete der Bauernstand fünf Sechstel des ganzen Volkes. Aber er hatte keine einzige gesetzliche Garantie und kein anderes Recht, als das Recht des Daseins. Den Leidenschaften ihrer Gutsherren standen sie schutzlos gegenüber.

Natürlich gab es warnende Stimmen, welche dem Adel die unausbleiblichen Folgen seiner Herrschaft die Augen zu öffnen suchten. Aber Verblendete sind nicht mehr in der Lage, die Augen zu öffnen und zu sehen.

Prophezeiungen über das Schicksal Polens

Der Kanzelredner Pater Skarga prophezeite im Jahr 1605 bereits das Schicksal Polens.

Es wird eine Zeit kommen, „wo ihr ohne Könige sein werdet, ohne Vaterland, verbannt auf fremder Erde und verachtet von denen, die ehedem aus Furcht euch Hochachtung bewiesen.“

Und der edle König Johann Kasimir beschwor vergeblich im Jahr 1655 in der Kathedrale von Leopol die anwesenden Großen, die Strafen des Himmels über Polen dadurch abzuwenden, daß sie „die armen Landleute aus sklavischer Dienstbarkeit erlösten“.  Im Jahr 1661 sprach er vor dem öffentlichen Reichstag die prophetischen Worte:

„Bei unserer inneren Zwietracht haben wir die Angriffe des Auslands und die Teilung der Republik zu fürchten. Der Moskowiter – wolle Gott, daß ich ein falscher Prophet sei – wird uns Russisch-Polen und Litauen entreißen; Brandenburg wird sich Großpolens und Westpreußens bemächtigen, und auch Österreich wird bei dieser Zerstückelung die Gelegenheit benutzen wollen und sich Krakau aneignen.“

Der Adel spottete nur über diese Befürchtungen. Stolz und Hochmut war dem Adel eigen. Verachtung gegenüber dem Ausland sein Verderben. „Jeden Augenblick bereit, Gut und Blut fürs Vaterland zu opfern und voll jenes ritterliche Heldengeistes, der im übrigen Europa längst schon untergegangen, sprach er nur mit Verachtung vom Ausland, sah in der Einmischung desselben die Hauptursache aller inneren Wirren und Unglücksfälle und machte gleichzeitig selbst immer wieder das Land zu einem weiten Schauplatz ausländischer Intrigen. Man denke nur an die bei dem Tode eines jeden Königs immer wiederkehrenden verhängnisvollen Zeiten der Interregnen, die der Adel verschuldete, weil er dem König nicht einmal das Recht zuerkannte, bei seinen Lebzeiten an die Wahl eines Nachfolgers zu denken und der Nation einen geeigneten Kandidaten in Vorschlag zu bringen.“ (Holzwarth, S. 571)

Interessant ist, daß das Ausland tatsächlich 1661, als König Johann Kasimir seine Prophezeiung aussprach, bereits an eine Teilung Polens dachte.

Dissidenten in Polen

Im 16. Jahrhundert wurden viele Polen Anhänger Luthers, Calvins und des Sozinus. Zwar verteidigten die Bischöfe katholischerseits die katholische Lehre. Gegen die Religionsneuerer wurden strenge Strafen sowie Konfiszierung der Güter und Verbannung angedroht. Unter dem schwachen König Sigismund II August (1548 bis 1572) kamen zahlreiche Anhänger der neuen Lehre nach Polen. Sie fanden an dem Adel eifrige Unterstützung. Der Adel, der auf seinen Gütern willkürlich schaltete und waltete, war bereits vielfach der Freigeisterei zugeneigt. Auf dem Reichstag zu Petrikau (1556) wurde mit königlicher Zustimmung beschlossen, ein Glaubensbekenntnis für das ganze Reich abzufassen. Dieses Bekenntnis erklärte die heilige Messe in polnischer Sprache, die Priesterehe, das Abendmahl unter beiden Gestalten als notwendig.

Papst Paul IV. protestierte dagegen. Er sandte den Bischof von Verona als Nuntius mit der dringenden Bitte an König und Prälaten, an dem Glauben ihrer Väter festzuhalten. Die Irrenden aber, die sich von den Häresien abwendeten und zum wahren Glauben zurückkehrten, sollten sie mit Milde behandeln. 1566 auf dem Reichstag von Lublin waren aber die Protestanten bereits in der Mehrheit. Die Gefahr wurde noch größer, als sich die verschiedenen protestantischen Parteien 1570 zu Sandomierz vereinigten.

Sie erlangten während des Interregnums 1573 völlige Religionsfreiheit. Dagegen protestierten sowohl die katholischen Bischöfe wie auch ein Teil des Adels. Als unter Mitwirkung des hl. Petrus Canisius die Jesuiten nach Polen kamen, konnte der Katholizismus unter dem kirchentreuen Sigismund III. (1587 bis 1632) gegen die Protestanten siegen. Doch die Streitigkeiten mit den Protestanten erneuerten sich immer wieder. Sie waren letztendlich eine der Ursachen des Untergangs Polens.

Die Dissidenten wurden immer kühner in ihren Forderungen

Seit 1573 nannten sich die Protestanten Dissidenten.

1573 berief der Erzbischof von Gnesen, der stark zum Protestantismus neigte, eine Versammlung des Adels nach Warschau ein. Nach der Abreise der Katholiken wurde den Protestanten, hier zum ersten Mal Dissidenten genannt, völlige Religionsfreiheit gewährt (pax dissidentium). Dieser Religionsfriede von Warschau ist für die Geschichte wie für das spätere Schicksal Polens von großer Bedeutung geworden. Die Bischöfe wie auch viele weltliche Senatoren verweigerten ihre Unterschrift unter diesen Beschluss. Sie befürchteten mit Recht darin das „Gift zur Herbeiführung eines schimpflichen Untergangs des Staates“.

Nach dem Tod von König Sigismund III. (1587 bis 1632) wurden die Dissidenten immer kühner in ihren Ansprüchen. So beanspruchten sie sogar einzelne Würden am königlichen Hof ausschließlich für sich. Zwar hatte König Johann Kasimir (1648 bis 1668) den Dissidenten Frieden zugesichert. Aber als diese im schwedisch-polnischen Krieg (1655 bis 1660) Verbindungen mit dem Schwedenkönig unterhielten, trat wieder eine Beschränkung ihrer gewährten Freiheiten ein. Der Missbrauch der gewährten Freiheiten durch die Dissidenten hatte dann zur Folge, daß diese auf den Reichstagen von 1717 und 1733 von allen Staatsämtern und der Nationalvertretung ausgeschlossen wurden.

Unter dem Schutz Preußens, Russlands und anderer akatholischer Mächte setzten die Dissidenten ihre Forderungen durch. Der Reichstag von 1736 hatte ihnen Frieden und Sicherheit des Besitzes, sowie Gleichheit der persönlichen Rechte zugestanden, unter Aufrechterhaltung des Verbotes geheimer Versammlungen und der Beschwerde an fremden Höfen. (Quelle: Wetzer und Weltes Kirchenlexikon, Bd. 3 1884, Stichwort Dissidenten in Polen)

Die Dissidenten waren die besten Bundesgenossen für Katharinas Eroberungsgelüste. Es war den Verbindungen der Dissidenten mit dem Ausland wesentlich zuzuschreiben, daß Polen in seiner Teilung 1772 das Grab gegraben wurde. Friedrich II. von Preußen sagt selbst in seinen Memoiren, daß die Anforderungen für die Dissidenten in Polen „den Samen aller späteren Unruhen und Kriege ausgestreut hätten“.

Die Dissidenten als willkommener Grund für die Einverleibung Polens durch die Zarin

Katharina II, die erste gekrönte Jakobinerin, achtete in ihrem eigenen Land kein Recht und keine Freiheit. Wie auch Friedrich II. kannte sie den Katholiken gegenüber wenig Duldung. Aber sie forderte „im Namen der geheiligten Rechte der Menschheit“ 1767 für die Dissidenten „die von Gott gewollte Toleranz und heilige Gewissensfreiheit“.

Russland hatte mittlerweile einen hohen Einfluss im polnischen Sejm erlangt. Außerdem hatte die Zarin einen ihrer Geliebten, Stanisław August Poniatowski, zum russischen Wunschkandidaten auf den polnischen Thron bestimmt. (siehe auch den Beitrag zu Katharina II. als Teufelsweib) Mit beträchtlichen Bestechungsgeldern und der Anwesenheit von 20000 Mann russischer Truppen verlief seine Wahl im September 1764 einstimmig.

Ein Porträt von Repnin, der von Katharina II. eingesetzt, in Polen diktatorisch herrschteQuelle: wikimedia

Vor der Eröffnung eines „außerordentlichen Reichstages“, der am 4. Oktober 1767 in Warschau beginnen sollte, legte Repnin den Versammelten einen Revers zur Unterschrift vor. Die Zarin hatte Repnin als Befehlshaber über alle in Polen stehenden Truppen ernannt. Außerdem war er der grausame Vollstrecker aller Anweisungen der Zarin. Repnin war eine Schlüsselfigur beim Untergang Polens.

Der Revers enthielt die Erklärung, daß die Versammelten „sich nie und in keiner Weise dem Verlangen des russischen Botschafters widersetzen und, falls sie dies Versprechen nicht hielten, sich der Strafe des Verlustes des Adels und der Einziehung der Güter, ja selbst der Todesstrafe unterwerfen würden.“ Wer sich weigerte, musste mit grausamsten Verfolgungen rechnen. Die Paläste der „renitenten Adeligen“ wurden von den russischen Truppen in Brand gesteckt und ihre Ländereien verwüstet.

Erpressung Polens durch Preußen und Russland

Die Gesandten Russlands und Preußens hatten an den polnischen Reichstag die Forderung gestellt, allen Dissidenten vollkommene Religionsfreiheit zu gewähren. Außerdem sollten sie das Recht erhalten, zu allen Ehrenstellen und Staatsämtern zugelassen zu werden. Diese Forderung hatte den einzigen Zweck, dem dissidentischen Adel, der nur einige hundert Familien zählte, die Souveränitätsrechte des katholischen Adels, d. h. Sitz und Stimme im Reichstag und Zutritt zu den hohen Ehrenämtern, zu verschaffen. Dadurch konnte die Zarin Katharina II. im Senat und auf den Reichstagen eine ihr stets gefügige politische Partei für ihre Interessen nutzen.

Außerdem erpressten Russland und Preußen das arme Polen. Falls Polen nicht gutwillig diesen Forderungen nachkomme, würden von beiden Seiten Truppen in Polen einrücken.

Tatsächlich konnten die polnischen Dissidenten aller Stände volle religiöse Freiheit und den gleichen Schutz der Gesetze wie die Katholiken genießen. Auch besaß der akatholische Adel nicht nur alle Zivilrechte des katholischen Adels. Ebenso gut wie dieser konnten die Dissidenten alle Magistratswürden und Gerichtsämter, selbst die höchsten Stellen in der Armee bekleiden.

Dem Drängen Russlands und Preußens zugunsten der Dissidenten schlossen sich auch die Gesandten Englands, Schwedens und Dänemarks ‚im Namen der Humanität‘ an. Dabei genossen gerade auch in diesen Ländern die Katholiken nicht die geringste Toleranz und noch viel weniger irgend welche politischen Rechte.

Der polnische Bischof Soltik von Krakau widersteht mutig der Zarin

Der edle Bischof Soltik von Krakau trat auf dem Reichstag trotz Drohungen, nach Sibirien gebracht zu werden, mutig auf.

„Als Bischof, so erklärte er, müsse er über die Reinheit des Glaubens wachen, als Senator darauf hinweisen, daß nichts der inneren Ruhe eines Staates verderblicher sei, als eine Vielheit von Sekten mit gleichen Rechten und gleicher Freiheit… Man solle den Dissidenten ihre bisherigen Rechte gewährleisten, aber keine neuen Rechte zugestehen, und ihnen durch ein bestimmtes Gesetz unter Strafandrohung verbieten, in Zukunft ähnliche Ansprüche, wie jetzt, zu erheben und durch das Anrufen der Hilfe fremder Mächte die innere Ruhe der Republik zu stören.“ (Holzwarth, S. 580)

Da der Bischof sich nicht den Drohungen beugte, marschierten russische Truppen in Krakau ein, konfiszierten alles Vermögen, selbst die Kirchengeräte. Anschließend verschleppten sie ihn mit den übrigen freimütigen Sprechern gewaltsam und unter Misshandlungen aller Art in das Innere von Russland.

Reaktion der Zarin Katharina II. auf die Bitte um Freigebung der Gefangenen

Mit welcher Grausamkeit und Zynismus die Zarin herrschte, zeigt sich auch bei der Bitte um Freigebung der Gefangenen.

Sie wies die Bitte mit der folgenden Erklärung zurück:

„Die uneigennützige und reine Liebe, die sie dem edlen Volk der Polen zuwende, erlaube ihr nicht, dem Gesuch zu willfahren, sondern gebiete ihr, auf demselben Weg, auf welchem sie seither das Heil des Landes erstrebt habe, konsequent fortzuwandeln. Ihr Botschafter in Warschau habe nur ihre Befehle vollzogen, als er die Aufwiegler aus dem Land entfernt habe, und diese Feinde der Ruhe und Gesetzlichkeit in Freiheit setzen, hieße das Land ihren verderblichen Anschlägen gewissenlos opfern.“ Diesen Zynismus verstärkte Repnin in seiner Erklärung gegenüber den Mitgliedern der von ihm eingesetzten Kommission. Die Polen hätten nicht mehr das Recht zu denken, sondern nur zu handeln, und zwar so zu handeln, wie seine gnädige Gebieterin es verlange. Wer auch nur murre, den werde er als Rebell behandeln. Seine Unverschämtheit ging so weit, daß er in die Akten des Reichstages die Erklärung eintragen ließ:

„Wenn man der Zarin nicht gehorche, so werde er Warschau der Plünderung preisgeben, das Land verwüsten und allen Widerspenstigen das Haupt auf dem Blutgerüst abschlagen lassen.“ (Holzwart, S. 583)

Russische Grenadiere umstanden die Sitzungssäle, immer bereit, auf den ersten Wink Repnins zuzuschlagen.

Mit der Gleichstellung der Dissidenten war Polen ein Vasallenstaat Russlands geworden

Durch diese Gewaltmaßnahmen erreichte Katharina II. schließlich ihr Ziel. In einem von ihr diktierten Traktat musste der Reichstag die Gleichstellung der polnischen Dissidenten unterzeichnen. Die von der Kommission mit Repnin vereinbarten neuen Staatsgesetze wurden mit ausdrücklicher Erlaubnis des Königs Poniatowski als für alle Zeit unveränderlich gültiger Vertrag unter die Garantie Russlands gestellt.

Damit war das Unglück Polens besiegelt: die Republik Polen war faktisch und rechtlich ein russischer Vasallenstaat geworden.

Doch die Zarin wollte noch mehr. Sie wollte Polen nicht nur staatlich russifizieren. Sondern sie wollte die polnische Nationalität durch die Ausrottung der katholischen Kirche für alle Zukunft zu Grunde richten. „Nachdem sie durch die erwirkte politische Gleichstellung der Dissidenten mit dem katholischen Adel der katholischen Kirche in Polen den Lebensnerv durchschnitten hatte, traf sie offen mit der Absicht hervor, durch die Errichtung einer polnischen Nationalsynode nach dem Muster der „heiligen russischen Synode“ Polen von Rom zu trennen. Der polnische König Stanislaus hatte der Zarin im Jahr 1764 dafür seine Mitwirkung zugesagt. Doch dann erachtete sie es als ratsam, die Synode vorläufig fallen zu lassen. Denn bereits gärte es im polnischen Adel.

Aufstand und Niedermetzelung der Polen

Die Verzweiflung der Polen führte am 29. Februar 1768 schließlich zur Bildung der bewaffneten Konföderation von Bar führte mit dem Ziel, das Land von dem russischen Joch zu befreien. Doch dies war ein illusorisches Unterfangen. Nachdem sich in allen Provinzen bewaffnete Scharen gebildet hatten, begann im April 1768 der Kampf mit den im Land stehenden Russen. Katharina II. ließ am 29. Mai durch ihren Botschafter die Konföderierten, zu denen auch viele angesehene Polen aus dem Adel gehörten, für „strafwürdige Rebellen und Feinde ihres Vaterlandes“ erklären. Auch Friedrich II. ließ den Polen am 9. Juni mitteilen, daß er die Konföderierten von Bar als „Störer der öffentlichen Ruhe“ betrachte.

Papst Clemens XIII. protestierte gegen die Gewaltschritte der russischen Herrscherin. Doch Repnin verhöhnte diesen Protest, wie die Maßnahmen der polnischen Patrioten. Widerstand gegen seine Herrin sei fruchtlos, seine Herrin sei allmächtig, behauptete Repnin.

Der Bischof von Kaminiec ermahnte die Konföderierten dringend, nicht gegen die Dissidenten gewalttätig zu werden. Denn Katharina hatte den Krieg gegen Polen als Religionskrieg dargestellt.

Die ausländischen Mächte verweigerten Polen ihre Hilfe

Am 20. Juni 1768 rief Katharina II. die wilden Horden der Zaporeger Kosaken und der Haidamaken zum Kampf gegen die Polen auf. Sie entfesselte deren religiösen Fanatismus durch ein grässliches Mordedikt. In diesem gab sie den Anführern den Befehl, „im Interesse der verfolgten heiligen Religion mit Hilfe Gottes alle Polen und Juden auszurotten und niederzumetzeln“. Wie reißende Wölfe fielen die Zaporeger und Haidamaken in Polen ein. Sie brannten alles nieder. Und sie ermordeten, von russischen Popen angefeuert, Tausende von Frauen und Kindern, Greisen Mönchen und Nonnen, die nicht zur schismatischen Kirche gehörten. (siehe dazu in dem Beitrag „Die Bedeutung der Weihe Russlands“ die Abschnitt „Russland würde wegen seiner historischen und sozialen Sünden vor Gott nicht bestehen“)

Die in Polen stehenden russischen Truppen überboten sich womöglich noch in Entsetzen erregenden Grausamkeiten. Es wurden sogar besondere Vorschriften gegeben, wie die gefesselten, unglücklichen Schlachtopfer langsam zu erdrosseln, zu erdolchen oder durch andere furchtbare Todesqualen zu martern seien.

Vergebens riefen die Konföderierten alle Mächte Europas um Hilfe an. Doch die europäischen Mächte hatten kein Herz für die Leiden Polens. Nur zwei traten für die geknechtete Nation ein: Papst Clemens XIII. durch die Kraft des apostolischen Wortes und der Sultan Mustapha III. durch Einsatz von Waffengewalt.

Die Reaktion der Pforte durch den Großwesier

Denn die Pforte wurde durch das Entsetzen erregende Blutbad, das die russischen Truppen bei der Verfolgung der Konföderierten auf türkischem Gebiet in der Stadt Balta angerichtet hatten, im Oktober 1768 zur Kriegserklärung an Russland bewogen. Der Großwesier sagte zu dem russischen Gesandten in Konstantinopel:

„Erröten Sie nicht vor Gott und vor den Menschen über die Gräuel, welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem Land, das euch nicht gehört?“

Auch in ihrem Manifest gegen die türkische Kriegserklärung proklamierte die Zarin den Krieg als Religionskrieg: Sie erflehe vom Himmel den Sieg für ihre Heere, „weil es sich ja um die Ehre des heiligen göttlichen Namens und um die Verteidigung der heiligen orthodoxen Kirche handle, damit der Todfeind des christlichen Namens zu Boden geschmettert werde.“ (Holzwarth, S. 586)

Die Teilung Polens als Bollwerk gegen Russland

Katharina betrachtete Polen bereits als ihr gesichertes Eigentum. Nur eine Teilung Polens, an der Preußen und Österreich, wenn auch durch Krieg mit Russland, ihren Anteil erhalten, könnte den Übermut der Zarin zügeln. Die drohende Sprache Friedrichs II. bewog die Zarin zum Nachgeben. Außerdem waren die militärischen und finanziellen Kräfte durch den Krieg mit der Pforte erschöpft. Eine furchtbare Pest tat ihr Übriges, um ihre Zustimmung zur Teilung Polens zu geben.

Durch den Wiener Kongress wurde die Teilung Polens fortgeschrieben: Der Süden wurde unter der Bezeichnung Königreich Galizien und Lodomerien Teil des Kaisertums Österreich, der Westen fiel an Preußen und der Osten an Russland. Eine besondere Stellung erhielt Zentralpolen samt Warschau, das als Kongresspolen ein russischer Satellitenstaat wurde. Einzig Krakau blieb als Stadtstaat (Republik Krakau) formell unabhängig, stand jedoch unter dem gemeinsamen Protektorat Preußens, Russlands und Österreichs.

Der Widerstandskrieg Polens kam nicht vom ganzen Volk, sondern war nur ein Kampf jenes Standes, der sich bisher in Polen allein für die Nation gehalten hatte. Es war ein Kampf des Adels. Und darin lag die Schwäche und der Grund seines Misslingens. Die Bürger blieben ruhige Zuschauer, und noch weniger wollten die geknechteten Bauern für die adeligen Gutsherren zur Waffe greifen. Bürger und Bauern beteiligten sich in Polen an dem Kampf nur durch grauenhaftes Leiden. Allein der isolierte Adel focht und lernte in seiner Isoliertheit kennen, was in Zeiten der Not die Unterdrückung des Bürger- und Bauernstandes bedeutet.

Die Rolle Österreichs unter der Kaiserin Maria Theresia

Am 17. Februar 1772 war zwischen Russland und Preußen ein Teilungsvertrag zustande gekommen, der ohne Zuziehung Österreichs unterzeichnet wurde. In einem geheimen Artikel verpflichteten sich beide Mächte zu gemeinsamem bewaffneten Vorgehen gegen Österreich für den Fall, daß sich dasselbe der Ausführung ihres Teilungsvertrags widersetzen solle.

Die österreichische Kaiserin Maria Theresia in ihrer kaiserlichen KleidungQuelle: wikimedia

Österreich trat tatsächlich dem Teilungsvertrag bei. Für Maria Theresia war der Beitritt ein Werk der Not, das ihr die herbsten Seelenkämpfe kostete. Noch zweimal hatte sie im Anfang des Jahres 1772 den Hof von Versailles dahin zu bringen gesucht, gemeinsam mit ihr der Zerstückelung Polens entgegen zu treten. Aber sie hatte die Antwort erhalten: Frankreich nehme an den polnischen Angelegenheiten nur insofern Anteil, als sie sich auf eine freie Königswahl bezögen, und begnügte sich im Übrigen mit einer „passiven Rolle“. Ebenso wenig war auf ein Einschreiten von Seiten Englands zu hoffen. Das englische Kabinett hatte seinen Gesandten in Warschau dahin instruiert, „daß seine Majestät der König nicht geneigt sei, sich mit den polnischen Angelegenheiten zu belästigen“.

Österreich stand damit gänzlich isoliert zweien Mächten gegenüber, die in ihrem Vertrag überein gekommen waren, ihren Raub an Polen nötigenfalls mit Waffengewalt auszuführen. So war Maria Theresia nach einem weiteren erfolglosen Versuch gezwungen, der Teilung Polens zuzustimmen.

Sie unterzeichnete den Teilungsentwurf mit den Worten:

„Placet, weil so viele große und gelehrte Männer es wollen. Wenn ich aber schon längst tot bin, wird man erfahren, was aus dieser Verletzung von allem, was bisher heilig und gerecht war, hervorgehen wird.“ Auch später beteuerte sie wiederholt, daß, wenn Russland und Preußen zur Zurückgabe des polnischen Gebietes bewegen könne, sie ihrerseits von ganzem Herzen alles zurückgeben und den Tag der Rückgabe für einen der glücklichsten ihres Lebens halten werde.

Zarin Katharina II. – ein Teufelsweib

Die russische Zarin Katharina II. in ihrem kaiserlichen AufzugQuelle: wikimedia

Die Großmächte Russland und Preußen hatten ihr Ziel erreicht. Die Sache der Dissidenten ließen sie jetzt fallen. Zwar hatten sie mittels der Dissidenten den inneren Streit in Polen angefacht. Auch hatten sie das Land in Feuer und Flammen gesetzt. Doch nun setzten sie fest, daß die Dissidenten auch in Zukunft von dem Eintritt in den Senat und in das Ministerium ausgeschlossen bleiben sollten. Diese klagten laut über Verrat von Seiten desjenigen Hofes, der am lebhaftesten für sie Partei ergriffen hatte. Schließlich hatte die Zarin sie zu Schritten veranlasst, die vielen das Leben und den meisten der übrigen ihr Vermögen gekostet hat.

Während Katharina II. die Dissidenten aufgab, ließ sie in den annektierten Provinzen die blutige Verfolgung gegen die griechisch-unierte Kirche fortsetzen. Mehr als zwei Millionen Katholiken wurden durch Gewalt zur schismatisch-russischen Kirche „bekehrt“.

Katharina II. war tatsächlich ein Teufelsweib. Sie war zwar russische Zarin, kam aber aus dem Hause Anhalt-Herbst, dem Geschlecht der Askanier. Sie war eine Verwandte des schwedischen Herrscherhauses Holstein-Gottorf. Ihr angestammter Name war Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Herbst. Sie heiratete den russischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch und späteren Zar Peter III. Sie selber stammte aus einer lutherischen Familie, wechselte dann aber in Russland zur russisch-orthodoxen Kirche. Damit verbunden war der Namenswechsel zu Katharina.

Polen, das alte Bollwerk gegen Tataren, Türken und Russen, als Nation ausgelöscht

Kein einziger europäischer Hof protestierte gegen den Teilungsvertrag und gegen die völkerrechtswidrige Gewalttat. Allein Papst Clemens XIV. erhob seine Stimme für das niedergetretene Polen; aber sie verhallte ungehört.

Der Reichstag von Polen trat schließlich zusammen, nachdem Katharina II. dies unter Drohungen angeordnet hatte. Er genehmigte wunschgemäß den Teilungsvertrag am 13. September 1773.

Polen erlag innerer Zwietracht wie äußerer Vergewaltigung.

Kongresspolen bezeichnet das konstitutionelle Königreich Polen, welches 1815 auf dem Wiener Kongress als Nachfolger des von Napoleon 1807 gegründeten Herzogtums Warschau geschaffen wurde. Napoleon hatte dieses Herzogtum aus Teilen der von Preußen und Österreich annektierten Gebiete zu einem französischen Satellitenstaat gemacht. Der Grund bestand darin, Kongresspolen als Aufmarschgebiet für seinen Russlandfeldzug 1812 zu nutzen. Nach der Niederlage Napoleons stellte 1815 der Wiener Kongress die polnische Monarchie wieder her. Doch auch hier regierten die russischen Zaren durch Personalunion.

Von den Teilungsgebieten war sowohl in religiöser wie in nationaler Hinsicht die Lage des österreichischen Gebietes (‚Galizien‘) nach 1866 verhältnismäßig die günstigste.

Teil 2: Polen wird wieder souveräner Nationalstaat

Wir machen nun einen Zeitsprung ins 20. Jahrhundert. „Bereits zu Beginn des Ersten Weltkrieges fasste der deutsche Kaiser Wilhelm II. den Entschluss, das eventuell zu erobernde Gebiet Kongresspolens bei einem etwaigen Friedensschluss nicht an Russland zurückzugeben, sondern einen eng mit dem Königreich Preußen verbundenen polnischen Staat zu schaffen. Die Verwaltung des Landes sollte in polnischen Händen liegen, der deutsche Kaiser und preußische König sollte jedoch das militärische Oberkommando über die Armee ausüben.“ (Quelle: Wikipedia Stichwort Regentschaftskönigreich Polen)

Doch die Niederlagen an West- und Ostfront bewog Preußen dazu, die Schaffung eines unabhängigen Polens zu favorisieren.

Das Regentschaftskönigreich Polen (1916 bis 1918)

Die erste provisorische Verfassung wurde am 12. September 1916 veröffentlicht, nachdem eine provisorische Regierung ins Leben gerufen wurde. Bis zur Herrschaftsübernahme durch einen König sollte einem Regentschaftsrat die oberste Staatsgewalt übertragen werden. Ihm gehörten seit dem 18. September 1917 der Erzbischof von Warschau, Aleksander Kardinal Kakowski (1862-1938), Fürst Zdzisław v. Lubomirski (1865-1943) und Józef v. Ostrowski (1850-1923), der ehemalige Vorsitzender des Polenklubs in der Duma in Sankt Petersburg, an.

Als kurz darauf (11. Dezember 1917) die deutschen Militärbehörden das Königreich Litauen proklamierten, löste das in Warschau heftige Proteste aus und schürte die antideutsche Stimmung, denn das Gebiet um Wilna (Vilnius) war mehrheitlich von ethnischen Polen bewohnt.

Der Hauptträger des polnischen Nationalbewusstseins war der ungemein zahlreiche polnische Kleinadel (szłachta). Er bekannte sich zum historischen Polentum, während die Masse der bäuerlichen Bevölkerung lange Zeit national indifferent blieb. Sie war ja von jeglicher politischen Mitsprache ausgeschlossen geblieben.

Der Traum war die Wiedererrichtung des historischen polnischen Großreiches, das weite Teile Osteuropas vom Baltikum bis in die Ukraine umfasste. Die Führungsrolle auf diesem Territorium reklamierten die Polen für sich, obwohl das historische Königreich ein multiethnisches Gebilde darstellte. (Quelle: Der Kampf der Polen um ihren Staat)

Die zweifelhafte Politik des neuen Polens ab 1918

Die deutsche Regierung hatte am 5. November 1916 auf dem Gebiet der Provinz Weichselland das Königreich Polen als Puffer zu Russland gegründet. Dieses Gebiet gehörte seit 1815 bis 1916 zum Russischen Kaiserreich.

Im Friedensvertrag von Brest-Litowsk musste Sowjetrussland die staatliche Unabhängigkeit Polens von Russland anerkennen. Die Grenzen des proklamierten Königreichs Polen und sein genaues staatsrechtliches Verhältnis zu Österreich-Ungarn und zum Deutschen Reich blieben jedoch unbestimmt. Aus diesen Gründen weigerten sich führende nationalpolnische Politiker, wie Józef Piłsudski mit den Mittelmächten aktiv zusammenzuarbeiten.

Józef Piłsudski

Ein Porträt von Józef Piłsudski, dem ersten Staatschef des neu erstandenen Polens 1918Quelle: wikimendia

Piłsudski war eines von zwölf Kindern eines polnischen Adligen. Während seines Medizinstudiums in Charkow wurde er Mitglied der radikal sozialistischen Organisation „Narodnaja Wolja“ („Wille des Volkes“).

Im Dezember 1886 reiste er zu seinem Bruder Bronisław nach St. Petersburg und beteiligte sich an der Vorbereitung eines Sprengstoffattentats auf Zar Alexander III. (1845–1894). Die Verschwörer wurden am 13. März 1887 verhaftet und in der Peter-und-Paul-Festung in St. Petersburg inhaftiert. Neben den Piłsudskis gehörte auch Lenins Bruder Alexander Uljanow zu der Gruppe. Józef Piłsudski wurde zu fünf Jahren Verbannung verurteilt und in das sibirische Kirensk deportiert.

Wie Wikipedia schreibt, konnten die Anhänger Piłsudskis „sich einzig in den polnisch-sprachigen Gebieten von Österreich-Ungarn namentlich Galizien und Österreichisch-Schlesien ungehindert organisieren. Entsprechend stellte Piłsudski ab Beginn des Jahres 1908 Schützenverbände auf.“

Er verweigerte zusammen mit seinen Soldaten den Eid auf den deutschen Kaiser Wilhelm II., woraufhin er in Festungshaft kam. Die Festungshaft in Magdeburg stärkte Piłsudskis Ansehen als nationaler Führer innerhalb der polnischen Bevölkerung.

Sein Privatleben war nicht von katholischen Prinzipien bestimmt. So lesen wir bei Wikipedia:

„Verheiratet war er in erster Ehe mit Maria Juszkiewicz (1865–1921). Da diese geschieden war, trat er vor der Eheschließung in Paproć Duża bei Łomża zur evangelisch-lutherischen Kirche über. Während des Ersten Weltkrieges kehrte er zur römisch-katholischen Kirche zurück. Mit seiner späteren Gefährtin Aleksandra Szczerbiński (1882 bis 1963) hatte er zwei Töchter, Wanda (1918 bis 2001) und Jadwiga (1920 bis 2014). Er heiratete Aleksandra erst nach dem Tod der ersten Ehefrau.“ (Quelle: Wikipedia Stichwort Józef Piłsudski)

Piłsudski wird Staatschef des unabhängigen Polens

Am Ende des Krieges, am 11. November 1918, übertrug der Regentschaftsrat Piłsudski den Oberbefehl über die polnischen Truppen und kurz danach die Führung des polnischen Staates.

Am 7. Oktober 1918 proklamierte der Regentschaftsrat in Warschau einen unabhängigen polnischen Staat und übernahm fünf Tage später die Befehlsgewalt über die Streitkräfte. Bereits im November 1918 hatte der aus der Magdeburger Festungshaft entlassene Józef Piłsudski in Warschau als „vorläufiges Staatsoberhaupt“ die Macht übernommen. Seine Entlassung war auf Bitten polnischer Unabhängigkeitsverfechter geschehen.

Nachdem Polen 1918 wieder selbständig geworden war, besetzten polnische Militärverbände im Januar 1919 Westgalizien, den Großteil der Provinz Posen sowie im Frühjahr auch Ostgalizien und die nordöstlichen Distrikte bis Wilna. Im Versailler Vertrag wurde Polen außer Posen auch weite Teile Westpreußens zugesprochen. Außerdem kam der Ostteil Oberschlesiens mit Kattowitz und Königshütte hinzu. In strittigen Gebieten sollten Volksabstimmungen abgehalten werden.

Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags wurde Polen 1919 eine international anerkannte und unabhängige Republik. Nachdem es in mehreren Städten zu teilweise pogromähnlichen antisemitischen Ausschreitungen gekommen war, musste Polen auf Druck amerikanisch-jüdischer Vertreter am 28. Juni 1919 einen Minderheiten-Schutzvertrag unterzeichnen. Am 17. März 1921 nahm der Sejm die neue Verfassung Polens an. Diese sah zwei parlamentarische Kammern vor. Dabei sollte der Sejm mit 444 Abgeordneten die eigentliche Macht ausüben, der Senat als Kontrollinstanz mit Einspruchsrecht fungieren. Der katholischen Kirche war zwar eine Vorrangstellung eingeräumt worden, sie war aber keine Staatsreligion. (Quelle Wikipedia Stichwort Zweite polnische Republik)

Das neue Polen war mit all seinen Nachbarn verfeindet

Polen war infolge der umstrittenen Grenzziehung mit allen Nachbarn mit Ausnahme Rumäniens und Lettlands verfeindet.

Im Osten war Polens Grenze jedoch ungeklärt und umstritten. Einige Verfechter eines Wiedererstehens des Landes in den alten Grenzen ergriffen unter Führung Marschall Piłsudskis die militärische Initiative gegenüber seinen Nachbarstaaten. Zunächst fiel die polnische Armee Ende November 1918 in die erst wenige Wochen zuvor gegründete Westukrainische Volksrepublik ein und löste so den Polnisch-Ukrainischen Krieg aus, der im Mai 1919 mit dem Gewinn Ostgaliziens endete. Ebenfalls noch 1918 begann der Polnisch-Sowjetische Krieg mit Kämpfen um die Stadt Wilna (heute litauisch Vilnius), da Sowjetrussland völkerrechtliche Zugeständnisse an Polen abgelehnt hatte.

Am 21. April 1920 erkannte Polen die Ukrainische Volksrepublik unter Symon Petljura an. Damit verbunden war die Idee, einen Verbündeten und Pufferstaat gegen Russland zu haben. In einem Zusatzabkommen verzichtete die Ukraine zugunsten Polens auf Ostgalizien und Wolhynien, die beide eine überwiegend ukrainische Bevölkerung hatten, um im Gegenzug Unterstützung für den Kampf gegen die Rote Armee zu erhalten, welche die Ukraine besetzt hatte.

Mit der ebenfalls nach dem Ersten Weltkrieg neu gegründeten Tschechoslowakei kam es 1918/19 zu bewaffneten Grenzkonflikten, die später vertraglich beigelegt wurden. Jedoch blieb das polnisch-tschechoslowakische Verhältnis dauerhaft angespannt.

In den östlich hinzugewonnenen Gebieten machten die ethnischen Polen nur eine Minderheit aus. Der Großteil der Bevölkerung in diesen Gebieten bildeten Ukrainer (Ruthenen), Belorussen und Juden.

Die Deutschfeindlichkeit Polens

Bei einer Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 entschieden sich 59,6 % der Wähler für den Verbleib im Deutschen Reich. Dennoch beschloss die Pariser Botschafterkonferenz, Oberschlesien zu teilen und Ostoberschlesien dem wiedergegründeten Polen einzuverleiben. Dies stieß auf heftige deutsche Proteste. Das größte Problem war die fehlende Verbindung zwischen Ostpreußen und dem restlichen deutschen Reichsgebiet. (Quelle: Thorsten Schulte, Fremdbestimmt, S. 219)

»Eine der ersten Entdeutschungs-Maßnahmen war die Entfernung der deutschen Sprache aus der Verwaltung und der deutschen Aufschriften aus der Öffentlichkeit«, beschreibt Albert S. Kotowski in einer Studie der Forschungsstelle Ostmittel-Europa an der Universität Dortmund das Vorgehen Polens sofort ab 1920. Zwischen 1921 bis 1924 gab es viele Verordnungen zur Auflösung des deutschen Eigentums in Polen, denn der Versailler Vertrag erlaubte die Liquidierung des deutschen sowohl staatlichen als auch privaten Vermögens gegen Entschädigung. Kotowski schreibt: »Für die polnischen Behörden bedeuteten die Enteignungs-Bestimmungen ein wirksames Mittel, die Abwanderung der deutschen Bevölkerung nach Deutschland zu erzwingen.«

Die Entdeutschungspolitik Polens

Er beschreibt umfassend die Entdeutschungspolitik in Ostoberschlesien nach 1926 zur »Polonisierung der oberschlesischen Industrie, die Einschränkung des deutschen Schulwesens und der deutschen Presse.« Das alles geschah vor Hitlers Machtergreifung.

Im September 1934 kündigte Polen den Minderheiten-Schutzvertrag. Im Mai 1935 berichtete der deutsche Generalkonsul von Küchler aus Thorn über »verschiedene deutschfeindliche Ausschreitungen in Pommerellen; erwähnt wurden vor allem der Boykott deutscher Geschäfte und die Protestkundgebungen polnischer patriotischer Organisationen.« Der Generalkonsul stellte dabei die Passivität der polnischen Behörden fest, »die sogar auf Überfälle auf Deutsche oder Einbrüche in deutsche Wohnungen nicht reagierten.« Am 9. Juli 1936 wurden dann die Richtlinien des Nationalitäten-Ausschusses verabschiedet, in denen es um die Schwächung des Deutschtums und die Stärkung des Polentums ging. Selbst Kotowski stellt in seinem Buch fest, daß für deutsche Historiker »die Richtlinie eine Bestätigung der konsequenten und planmäßigen Politik einer Unterdrückung der deutschen Bevölkerung in Polen« war.“ (ebd., S. 221 bis 222)

Geplanter Präventivkrieg gegen Deutschland

Das Wilnaer Gebiet kam mit einer Militäraktion (1920) gegen das ebenfalls unabhängig gewordene Litauen unter polnische Hoheit.

Mit der ultimativen Nötigung Litauens, die bestehende litauisch-polnische Grenze und damit den Verlust Wilnas anzuerkennen, und der Beteiligung an der Amputation der Tschechoslowakei nach dem Münchner Abkommen durch die Annexion des Olsa-Gebiets im Oktober 1938 hatte Polen die Beziehungen zu zwei Nachbarn weiter vergiftet und seine moralische Position als östlicher Eckpfeiler des Westens zwischen den beiden totalitären Diktaturen Deutschland und Sowjetunion stark geschwächt.

Polen umfasste nunmehr ein Gebiet von rund 388.000 Quadratkilometern mit über 27 Millionen Einwohnern, darunter jedoch nur 19 Millionen polnischer Volkszugehörigkeit. (Quelle: bpb Geschichte von 1918 bis 1945)

„Es gibt umfassende Berichte über die „Präventiv-Kriegspläne“ des Jozef Klemens Pilsudski, der Polen von 1926 bis zu seinem Tod am 12. Mai 1935 diktatorisch regierte. Marschall Pilsudski habe im März 1933 einen Präventivkrieg vorgeschlagen, um Deutschland zur Einhaltung des Versailler Vertrages zu zwingen. Aber von westlicher Seite seien ihm nur Widerstände, Warnungen und Appelle zum Frieden zuteil geworden.“ (Quelle: Fremdbestimmt, S. 207)

Die Tyrannei des neuen Polen

In einem Brief vom 30. Mai 2007 an Gesine Schwan schrieb Frau Gigi Romeiser zur Vertriebenenfrage: „Der Wille zur Vertreibung der Deutschen hat in Polen lange vor Hitler begonnen.“ Es folgt von ihr eine Auflistung der Fakten.

Wussten Sie, geehrte Frau Professor Schwan,

• daß am 5. November 1916 Deutschland Geburtshilfe leistete bei der Gründung eines selbständigen Polen (nach 120 Jahren)? Aus „Dankbarkeit“ besetzte Polen schon ab November 1918 die deutsche Provinz Posen.
• daß Polen 1918 die ersten europäischen KZ’s gründete und daß es ab 1944 für Deutsche im altpolnischen und im Oder-Neiße-Gebiet 1256 polnische Konzentrationslager gab?
• daß Polen seit 1918 alle Hebel ansetzte, die unter der Verwaltung des Völkerbundes stehende und zu 97 Prozent von Deutschen bewohnte Stadt Danzig zu annektieren? Und im Sommer 1939 in Danzig zunehmend provozierte, die Wirtschaft immer stärker strangulierte, die Deutschen terrorisierte und dabei keinerlei Verhandlungsbereitschaft trotz vielfältiger deutscher Bemühungen zeigte?
• daß Polen mit keinem Nachbarn in Frieden lebte? „1919 greift Polen die Sowjetunion und das inzwischen unabhängige Litauen an. Am 18. März 1921 verzichtet Rußland im Frieden von Riga auf das „Ostpolen“ seinerseits der Curzon-Linie. Es verliert damit 5 Millionen Ukrainer, 1,2 Millionen Weißrussen und etwa 1 Million Juden als Bürger seines Landes. Polen gewinnt dazu noch die etwa 1,5 Millionen Polen, die dort leben. Mit dem eroberten Gebiet liegt die neue Staatsgrenze Polens 250 km innerhalb des russischen Sprachraums.

Polens Menschenrechtsverletzungen

Der dritte Staat, von dem Polen Land verlangt, ist die Tschechoslowakei. Es geht um das Teschener Gebiet. In der letzten Septemberwoche 1938 lässt Polen dann ein Armeekorps bei Teschen aufmarschieren und droht der tschechischen Regierung mit Krieg. Die Tschechen…geben nach und Polen besetzt vom 1.10. das umstrittene Gebiet. Das vierte Land, mit dem Polen keinen Frieden findet, ist das Deutsche Reich im Westen. Außer Lettland und Rumänien hat Polen nun keinen Nachbarn mehr, das es seit 1918 nicht zumindest einmal angegriffen hat.“ (Quelle: Gerd Schultze-Rhonhof, „Der Krieg, der viele Väter hatte“, Teil 5, Seite 333 bis 509, 2. Auflage 2003).

• daß Polen ab 1920 schwere Menschenrechtsverletzungen an den 11 Millionen Menschen der nicht polnischen Minderheiten (Deutsche, Juden, Ukrainer, Weißrussen) im Vielvölkerstaat begangen hat?
• daß Polen auch die zur Minderheit zählenden 2,5 Millionen Juden als Problem betrachtete? „Die antisemitische Bewegung, wie Halecki das bezeichnet, führt dazu, daß in den Jahren von 1933 bis 1938 insgesamt 557.000 Juden ihr polnisches Heimatland verlassen und Zuflucht im benachbarten Deutschland suchen (von wo aus im gleichen Zeitraum 170.000 deutsche Juden ins Ausland emigrierten). Die deutschen Reichsbehörden versuchen, etwa 50.000 von diesen flüchtenden Juden wieder nach Polen abzuschieben. Die polnische Polizei verhindert die Rückkehr dieser armen Menschen und treibt sie an den Grenzen mit Bajonetten zurück zur deutschen Seite. Dies Vertreiben und dies Abweisen von Juden ist ein für Deutschland und Polen gleichermaßen zutiefst beschämendes Stück gemeinsamer Geschichte. Polen entzieht den nach Deutschland und andernorts emigrierten Juden alsbald die polnische Staatsbürgerschaft.“ (Quelle: Benoist–Méchin, Band 7, Seite 39 – zitiert Gerd Schultze-Rhonhof, „Der Krieg, der viele Väter hatte“, Teil 5, Seite 333 bis 509, 2. Auflage 2003)

Polens Hass auf die Deutschen

• daß man in Posen 1921 auf Plakaten und Flugblättern lesen konnte: „Wer noch im Juli 1921 da ist von dem deutschen Gesindel, wird ohne Ausnahme niedergemacht, und die größten Hakatisten (Verein zur Förderung des Deutschtums) werden mit Benzin, Petroleum und Teer begossen, angesteckt und verbrannt. Jetzt kommt ihr alle dran… alle Ärzte, Pastoren, Rechtsanwälte, Domänenpächter, Ansiedler, Besitzer aller Art, wer Deutscher oder Jude ist.“
• daß am 10. April 1923 der polnische Ministerpräsident Sikorski im Posener Rathaus feststellte, daß „die deutsche Gefahr“ nicht eher beseitigt sei, als bis alles deutsche Land in polnische Hände übergegangen sei? Er sicherte zu, daß die Liquidation deutscher Güter und Industrieunternehmen rücksichtslos weitergeführt würde.
• daß am 9. Oktober 1925 in der GAZETA GDANSK zu lesen war: „Polen muss darauf bestehen, daß es ohne Königsberg, ohne ganz Ostpreußen nicht existieren kann. Wir müssen jetzt in Locarno fordern, daß ganz Ostpreußen liquidiert wird Sollte dies nicht auf friedlichem Wege geschehen, dann gibt es ein zweites Tannenberg.“ (Gemeint ist jene Schlacht von 1410, in der ein polnisch-litauisches Heer das Heer des Deutschen Ordens geschlagen hatte.)
• daß 1930 die Pilsudski-nahe Zeitschrift MOCARSTWOWIEC schrieb: „Wir sind uns bewusst, daß Krieg zwischen Polen und Deutschland nicht vermieden werden kann. Wir müssen uns systematisch und energisch für diesen Krieg vorbereiten. Die heutige Generation wird sehen, daß ein neuer Sieg bei Tannenberg in die Seiten der Geschichte eingeschrieben wird. Aber wir werden dies Tannenberg in den Vorstädten von Berlin schlagen. Unser Ideal ist, Polen mit den Grenzen an der Oder im Westen und der Neiße in der Lausitz abzurunden und Preußen vom Pregel bis zur Spree einzuverleiben. In diesem Krieg werden keine Gefangenen genommen. Es wird kein Platz für humanitäre Gefühle sein. Wir werden die ganze Welt mit unserem Krieg gegen Deutschland überraschen.“

Die Politik Polens gegenüber den Juden

• daß am 14. Dezember 1931 der englische MANCHESTER GUARDIAN die polnische Nationalitäten-Politik als eine „Hölle“ beschreibt? „Die Minderheiten in Polen sollen verschwinden“, so schreibt das Blatt. „Diese Politik wird rücksichtslos vorangetrieben, ohne die geringste Beachtung der öffentlichen Meinung in der Welt, der internationalen Verträge und des Völkerbundes. Die Ukraine ist unter polnischer Herrschaft zur Hölle geworden. Von Weißrussland kann man dasselbe mit noch größerem Recht sagen. Das Ziel der polnischen Politik ist das Verschwinden der nationalen Minderheiten auf dem Papier und in der Wirklichkeit.“
• daß 1931 der ehemalige Außenminister Dmowski den Standpunkt vertrat, daß nur die „völlige Austreibung“ der Juden aus Polen die Judenfrage lösen könne?
• daß in „Nation“, einer der bedeutendsten Zeitschriften der USA, am 2. April 1938 William Zuckermann (selbst Jude) schrieb:
„In den letzten Jahren haben die Juden in Polen beinahe ständige körperliche Angriffe und Pogrome erdulden müssen…Dieser Ausbruch antisemitischer Bestialität findet nicht seinesgleichen in Europa, nicht einmal im Nazideutschland, wo trotz der gemeinen Propaganda…und der grausamen jüdischen Gesetze des Staates, das Volk selbst sich durch kein einziges antijüdisches Pogrom entwürdigt hat.“

Terrorisierung der Ukraine durch Polen

• daß am 15. Juni 1932 Lord Noel-Buxton vor dem Oberhaus in London über eine Tagung des Rats zu diesem Thema berichtet hat? …„Vor allem wurde auf der Januar-Tagung ein Bericht verhandelt, der sich mit der sogenannten Terrorisierung beschäftigte, die im Herbst 1930 in der Ukraine stattgefunden hat…Assimilierung durch Zerstörung der Kultur ist an der Tagesordnung. …Aus dem Korridor und aus Posen sind bereits nicht weniger als 1 Million Deutsche seit der Annexion abgewandert, weil sie die Bedingungen dort unerträglich finden.“
• daß Polen unter Pilsudski ab Februar 1933(!) drei Versuche unternahm, Frankreich zu einem gemeinsam Angriffskrieg gegen Deutschland zu bewegen? Und daß der polnische Außenminister Beck sich im März 1936(!) erneut um Frankreichs Mithilfe bei einem Angriffskrieg gegen Deutschland bemühte?
• daß Polen im September 1934 einseitig den Minderheiten-Schutzvertrag kündigte, den es 1919 auf Verlangen der Siegermächte hatte schließen müssen?

(Quelle: aus eigenem Archiv: Die Website ‚paukenschlag.org‘, woher der Text stammt, existiert nicht mehr)

Die Politik Polens war nicht vom katholischen Geist bestimmt

Peter Haisenko hat in einem Beitrag mit dem Titel „Polen will die Ukraine aufteilen“ zur Rolle Polens nach seiner Neugründung im Jahr 1918 zusammenfassend geschrieben:

„Seit 100 Jahren ist die Rolle Polens zweifelhaft, um es vorsichtig auszudrücken. Nachdem das British Empire 1919 die Grenzen neu bestimmt hatte, hat sich Polen gegenüber seinen Minderheiten in seinem Machtbereich unerträglich verhalten. Entgegen aller Verträge hat Polen eine Polonisierung durchgezogen. Sie haben nicht-polnische Ethnien tyrannisiert und zum Beispiel ukrainische Universitäten geschlossen. Mord und Totschlag herrschten 20 Jahre lang. Auch der Umgang mit Juden in Polen war derart bösartig, daß noch bis 1939 mehr als 500.000 Juden in Hitlers Reich geflüchtet sind.“

Die Politik des neuen Polens unter Führung von Jozef Klemens Pilsudski ist besonders erschreckend. Denn Polen hatte ja selber in der Vergangenheit Grausames erleben müssen. Außerdem hielt sich Polen für ein katholisches Land. Eigentlich müsste man davon ausgehen, daß sowohl die Innen- wie auch die Außenpolitik von katholischen Leitsätzen bestimmt wird. Rache zu nehmen an Menschen, die nicht einmal verantwortlich sind für die Politik ihrer Herren, zeugt nicht von christlichem Geist. Eher ist Verzeihen des Christen Meisterstück. Dies gilt auch und besonders für katholische Nationen.

Das königliche Gebot der Liebe gilt auch für katholische Staaten

Der Benediktinerabt Bonifaz Wöhrmüller hat in seinem Buch ‚Das königliche Gebot‘ Bedenkenswertes geschrieben:

„Die christliche Nächstenliebe wird so im Krieg wie im Frieden fremde Völker zu verstehen suchen, ihre Wünsche und Ziele, ihre Geschichte und Eigenart, ihre Fehler und Missgriffe. Sie wird auch ihre guten Eigenschaften zu erkennen und zu lieben suchen; sie wird mit ihrem Unglück Mitleid haben und an ihrem Glück und Glanz sich freuen… Kurz, die christliche Vaterlandsliebe wird, eben weil sie Liebe und nicht Selbstsucht ist, auch im politischen Leben und Treiben die Moral der sanftmütigen, demütigen, selbstlosen Liebe angewandt wissen wollen.“ (Bonifaz Wöhrmüller, OSB, Das königliche Gebot, 1936, S. 230 bis 232)

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