Religion

Ein Denkmal für Pater Antonio Vieira

Pater Antonio Vieira war ein Freund der Indios und der Sklaven

Am 11. Juni haben Unbekannte in Lissabon das Denkmal des ehrwürdigen Jesuitenpaters mit roter Farbe beschmiert. Doch haben diese verbohrten Menschen nicht nur Antonio Vieira, Streiter gegen die Sklaverei und für die Rechte der Indios, beschmiert, sondern auch die drei Indiokinder.

Die Inschrift der Tafel lautet: Pater Antonio Vieira S.J., Lissabon 1608 S. Salvador da Bahía (Brazil) 1697

Jesuit, Prediger, Priester, Politiker, Diplomat, Verteidiger der Indianer und der Menschenrechte, Kämpfer gegen die Inquisition

Der Stadtrat von Lissabon hat erst vor drei Jahren mit diesem Denkmal seine Hommage an diesen außergewöhnlichen Missionar und Apostel Brasiliens  gezeigt.

“Nach Welt” v. 12.6.2020 läßt uns wissen:

Die Statue wurde vor drei Jahren vom Stadtrat von Lissabon in Zusammenarbeit mit Santa Casa aufgestellt. Zum Zeitpunkt der Einweihung wünschte sich der Bürgermeister Fernando Medina, es sei “das erste von mehreren öffentlichen Segmenten für die Wiederherstellung und Erhebung dieser außergewöhnlichen portugiesischen Figur”. Für Medina war es damals eine grundlegende Hommage an “eine der größten Persönlichkeiten des portugiesischen Denkens”, ohne “den richtigen Ausdruck der Anerkennung” in der Stadt.

“Dies ist die erste Statue, die in Lissabon für den bekannten Jesuitenkleriker errichtet wurde, der 1608 in der portugiesischen Hauptstadt geboren wurde und 1697 in Bahia, Brasilien, starb”, erklärte das Rathaus 2017 über das Denkmal. Die Gemeinde Lissabon übernahm daher laut Medina “ihre Verpflichtung zur Geschichte”.

Kurzbiographie des Paters Antonio Vieira

Pater Vieira stammte aus einer vornehmen Familie und wurde am 6. Februar 1608 zu Lissabon geboren. Er kam im Jahre 1616 als Kind mit seinen Eltern nach Bahia. Er trat 1623 zu Bahia in die Gesellschaft Jesu. 1635 wurde er zum Priester geweiht. Er arbeitete als Missionar an der Bekehrung der eingeborenen Stämme. Aber nicht nur als Missionar wirkte er in Brasilien, sondern auch 1641 bis 1652 in Portugal als Prediger und Kanzelredner.

Pater Vieira als Politiker und Diplomat

Infolge der Unabhängigkeits-Erklärung Portugals (1. Dezember 1640) wurde Pater Vieira mit Anderen zum Mitglied der Deputation gewählt, welche im Namen der ganzen Kolonie dem neuen König huldigen sollte. Johann IV., der rasch den Wert dieses Mannes erkannte, behielt Vieira an seiner Seite und nötigte ihn, während der schweren Zeit der bedrohten nationalen Unabhängigkeit als Mitglied des Kronrates an der Verwaltung des Landes teilzunehmen. Pater Vieira zeigte in dieser Stellung hohe staatsmännische Befähigung wie unbestechliche Gerechtigkeit. Er erwarb sich durch Ordnung der Finanzen, Hebung des Handels und glückliche Organisation der Landesverteidigung um sein Vaterland namhafte Verdienste.

Somit war er ein ausgezeichneter Ratgeber des Königs Johann IV., der ihn mit wichtigen diplomatischen Sendungen betraute. In besonderen Vertrauens-Missionen sandte ihn der König wiederholt nach Paris, London, Haag, Rom. Er wies die angebotene Ernennung auf einen Bischofssitz zurück. Durch diesen wollte der König ihn von seinem Orden unabhängig und für die Führung eines Ministerpostens frei machen.  Aber seiner Ordensregel getreu, wollte Pater Vieira  keine politischen Ämter mehr annehmen. Er erhielt nach langem Widerstand des Königs schließlich im Oktober 1652 die Erlaubnis zur Rückkehr nach Brasilien.

Pater Vieira als Verteidiger der Rechte der Indianer

Seit 1653 ist er also wieder als Missionar in Brasilien tätig. Hier übernahm er sofort die Verteidigung der Eingeborenen gegen die Ungerechtigkeiten und Gewalttätigkeiten  der Europäer; die daraus sich ergebenden Verwicklungen führten ihn schon im Juni 1654 wieder auf den Weg nach Lissabon.

1654/1655 reiste er also abermals nach Lissabon zur Verteidigung der Rechte der Indianer. Nachdem Pater Vieira neue königliche Dekrete erhalten hatte, kehrte er in die Kolonie zurück. Dort wirkte er nun sechs Jahre lang als Missionsoberer mächtig für die Gründung zahlreicher Missionsdörfer und für die Ausdehnung der Missionstätigkeit. Bei den Eingeborenen stand er als der grande Padre in der höchsten Verehrung. Und so gelang es ihm auch 1659, durch friedliche Vermittlung bei einem der mächtigsten Stämme der ganzen Kolonie einen drohenden blutigen Kampf zu verhindern.

Europäische Ansiedler haben 1661 Antonio Vieira von Brasilien nach Portugal deportiert.

Der Grund für die Deportation war sein Eintreten für die misshandelten Indianer.

Obwohl Pater Vieira den drohenden Kampf verhindert hatte, kam es 1661 gegen ihn und seine Ordensbrüder als die Beschützer der Eingeborenen zu einer gewaltsamen Erhebung der Europäer. Pater Vieira wurde persönlich misshandelt und mit einer Anzahl seiner Ordensbrüder unter Anwendung von Gewalt nach Europa deportiert.

Am Hofe von Lissabon fand er bei der Königin-Regentin das alte Vertrauen. Nachdem die Exzesse des jungen Königs ernstes Einschreiten notwendig machten, wurde Pater Vieira beauftragt, eine Denkschrift für denselben abzufassen. Sobald aber (gegen Ende 1662) Alfons VI. persönlich die Regierung antrat, suchte er alle Stützen der vorigen Regierung zu entfernen. Pater Vieira musste sich in Porto, dann in Coimbra aufhalten.

Pater Vieira wird durch die portugiesische Inquisition verhaftet

Hier schritt auch die Inquisition wider ihn ein auf Grund einer Predigt, die er gehalten, und unfertiger Schriften, die man bei ihm vorfand, in welchen angeblichen Prophezeiungen eines Privatmannes zu viel Wert beigelegt zu werden schien. Er wurde am 2. Oktober 1665 von der portugiesischen Inquisition verhaftet und am 23. Dezember 1667 zur Abschwörung de levi sowie zu einjähriger Haft im Noviziatshaus seiner Ordensprovinz verurteilt.

Papst Klemens X. suspendiert die portugiesische Inquisition

1669 bis 1675 weilte Pater Vieira in Rom. Pater Vieira, hoch geehrt von Papst Klemens X., überreichte dem Papst eine Denkschrift über seinen Prozess. Diese Berichterstattung führte dazu, daß von Seiten des Papstes die portugiesische Inquisition suspendiert wurde. Diese Suspendierung blieb bis 1683 bestehen.

Während seiner Verweildauer in Rom war er ein hoch gefeierter, vom Papst, von seinem Ordensgeneral O. Oliva, wie auch von der Königin Christine von Schweden ausgezeichneter Prediger.

Seit 1681 war Pater Vieira wieder Glaubensbote in Brasilien

Als Greis von 73 Jahren kehrte er 1681 nochmals nach Brasilien zurück und versah von 1687 an wieder das Amt eines Provinzials von Brasilien. Sein Lebensabend war noch durch manche persönliche Kränkung getrübt, aber auch verklärt durch Züge echter Seelengröße. Er starb am 18. Juli 1697 zu Bahia.

Was machte den Jesuitenpater Vieira so außergewöhnlich?

Pater Vieira steht groß da, wie als christlicher Missionar so als Apostel der Freiheit und Menschenwürde, als Patriot und Staatsmann. Am meisten ist er bekannt als genialer Redner und portugiesischer Klassiker. Denn seine Predigten zeichnen sich aus durch Klarheit, Feuer, Volkstümlichkeit; seine Briefe sind eine Fundgrube für die zeitgenössische Geschichte. Er ist der “Bossuet Portugals”.

Sodann war er ein bedeutender Bekämpfer der Sklaverei und für die Rechte der Indianer.

(Quellen: Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. X, 1938, Sp. 599; Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. X, 1901, Sp.930 – Sp. 932)

Eine weitere Kurzbiographie findet sich auf der Seite “Antonio Vieira Marienpredigten”

Bildquellen

  • lisbon-5350827_640: pixabay
  • padrao-dos-descobrimentos-5268730_640: pixabay

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