Religion

Die Grotte der Erlösung in Iowa

Die Grotte der Erlösung in Iowa: Ein achtes Weltwunder von P. Dobberstein erschaffen

Die Grotte der Erlösung in Iowa – ein achtes Weltwunder

Die Schönheit des katholischen Glaubens zeigt sich im christlichen Abendland insbesondere in seiner Architektur der Romanik, Gotik und des Barock. Wer kennt sie nicht, die majestätischen Kirchen und Kathedralen in Europa, die zur Ehre Gottes gebaut wurden, um darin die heilige katholische Messe von Pius V. zu feiern. Wer aber in Deutschland, ja in ganz Europa kennt die besonderen katholischen Stätten in Übersee, die ebenfalls auf ihre eigene Art die Schönheit des katholischen Glaubens darstellen. Auf der Website ‚introiboadaltaredei2‘ ist ein Artikel erschienen mit dem Titel ‚Die Grotte der Erlösung‘. Diese ‚Grotte der Erlösung‘ gilt als die größte von Menschen geschaffene Grotte der Welt. Und sie kann wahrlich als ein achtes Weltwunder genannt werden.

Da diese Meisterleistung eines einzelnen Menschen bei uns nicht bekannt ist, ist dies die Gelegenheit, einem größeren Kreis dieses achte Weltwunder bekannt zu machen. Wer hätte vermutet, daß in den USA katholische Juwelen zu finden sind?

Der Erbauer der Grotte ist der Priester Paul Matthias Dobbenstein

Pater Paul Dobbenstein, Erbauer der Grotte der Erlösung in West Bend, IowaBildquelle: wikimedia | CC BY-SA 4.0 International

Paul Matthias Dobberstein (21. September 1872 – 24. Juli 1954) war ein deutsch-amerikanischer Priester und Architekt. Er wurde in Rosenfeld, Deutschland, geboren. Seine erste Ausbildung erhielt er an der Universität Deutsch-Krone in Deutschland. Dort zeigte er eine große Begeisterung für die Geologie. Mit 20 Jahren wanderte er nach Amerika aus. Dort trat er in das Priesterseminar St. Francis Seminar in St. Francis in der Nähe von Milwaukee, Wisconsin, USA, ein. Ungewöhnliche künstlerische Fähigkeiten, die sich im Priesterseminar zeigten, sollten ihn dazu befähigen, diese Grotte zu realisieren. Nach dem Abschluss seines Priesterstudiums wurde er am St. Francis Seminar am 30. Juni 1897 zum Priester geweiht.

Zuerst diente er ein Jahr lang als Kaplan für das Krankenhaus der ‚Schwestern vom Berge Karmel‘ in Dubuque. Nachdem die Erzdiözese Dubuque geteilt wurde, wurde er zum Pfarrer der katholischen Kirche St. Peter und Paul in West Bend ernannt. Dort blieb er in dieser Funktion bis an sein Lebensende. Siebenundfünfzig Jahre lang war er Berater, Lehrer und Leiter für die Gemeindemitglieder von St. Peter und Paul.

Der Ort West Bend in Iowa, in dem sich die Grotte befindet

West Bend gehört zur Diözese Sioux City. Auf den meisten Straßenkarten Iowas ist dieser Ort als Standort der Grotte der Erlösung eingezeichnet.

West Bend liegt inmitten eines riesigen, üppigen, ebenen Ackerlandes. Dieser Ort mit heute etwa 800 Einwohnern liegt in Iowa, das ein US-Staat voller Maisfelder ist. Das Wahrzeichen Iowas sind aber inzwischen die vogeltötenden Windkraftanlagen.

Und ausgerechnet hier, in West Bend, wo kaum eine Gesteinsart bekannt ist, ganz zu schweigen von den Lagerstätten wertvoller geologischer Exemplare, ist eine Sammlung einzigartiger Steine zu finden. So ist es wohl der göttlichen Vorsehung zu verdanken, daß dieser Ort gewählt wurde, weil der Bischof beschloss, Pater Dobberstein in diese besondere Gemeinde in West Bend, Iowa, zu schicken.

Dort errichtete P. Dobberstein zunächst eine Gemeindeschule, die Menschen in den Ort bringen und den Bauernfamilien in der weiteren Umgebung dienen sollte, indem er die Kinder während der Woche unterbringen konnte.

Schon bald erwarb er weitere Grundstücke neben der Kirche. Er grub einen See aus und begann, Feldsteine, Felsen und Geröll in einem Ausmaß anzuhäufen, daß seine Gemeinde-Mitglieder zum Staunen brachte. Mit einigen Helfern begann er nun, ein riesiges Loch zu graben. Mit einer Tiefe von sechs Metern gab dieses Fundament einen Vorgeschmack auf das Ausmaß von seiner Vision der Grotte, die er bauen wollte, um sein Versprechen an die allerseligste Jungfrau Maria zu erfüllen.

Video 1: Flug über den Gesamtkomplex der Grotte der Erlösung

Das Versprechen von P. Dobberstein, ein Heiligtum zu errichten

Doch woher kam sein Versprechen?

Es ist allgemein überliefert, daß Pater Dobberstein als junger Seminarist schwer an einer Lungenentzündung erkrankte. Während er um sein Leben kämpfte, betete er zur seligen Jungfrau Maria, sie möge für ihn bei Gott um die Gnade der Gesundheit eintreten. Er versprach, ihr zu Ehren ein Heiligtum (Schrein) zu errichten, wenn er die Krankheit überleben würde. Seine Gebete wurden erhört. Die Krankheit verging. Nachdem er vollständig genesen war, konnte er sein Studium als Priester abschließen.

In den ersten 14 Jahren hortete Pater Dobberstein große Mengen an Feldsteinen, Felsen und Geröll, die ihm hauptsächlich von Bauern und Gemeindemitgliedern aus der Umgebung zur Verfügung gestellt wurden.

Nachdem P. Dobberstein dann sein monumentales Fundament mit sorgfältig gewaschenen Steinen und unzähligen Ladungen Beton gefüllt hatte, begann er 1912 mit dem Bau der eigentlichen Grotte.

Der Zweck der Grotte war es, die Geschichte des Sündenfalls und der Erlösung durch Christus, den Erlöser der Welt, in einem Konglomerat von Steinen dargestellt zu erzählen.

Der Priester Dobberstein war ein Liebhaber der Schönheit

Auf der Website „The Shrine of the Grotto of the Redemption“, der wir ebenfalls Informationen entnommen haben, heißt es:

„Die Liebe zu Edelsteinen ist tief in das menschliche Herz eingepflanzt, und die Ursache dafür ist nicht nur in ihrer Färbung und ihrem Glanz zu suchen, sondern auch in ihrer Beständigkeit. Alle Herbstfarben der Blumen und des Laubes, selbst das Blau des Himmels und der Glanz der Wolken bei Sonnenuntergang sind nur von kurzer Dauer und unterliegen ständigen Veränderungen, aber der Glanz und die Farbe der Edelsteine sind heute noch dieselben wie vor Tausenden von Jahren und werden es noch unzählige Jahre lang sein. In einer Welt des Wandels hat diese Beständigkeit einen ganz eigenen Reiz, der schon früh in der Menschheitsgeschichte geschätzt wurde und bis heute anhält.

Aus seinem Werk ist ersichtlich, daß Pater Dobberstein ein großer Liebhaber der Schönheit war. Bei der Erfüllung seines Gelübdes, ein Heiligtum für die Mutter Christi zu errichten, war er entschlossen, das Beste aus der materiellen Schönheit zu machen und die geistige Schönheit der Frau, die er vor Augen hatte, zu betonen. Wir können uns vorstellen, wie sehr sein Herz schlug, als er eine Perle, warm glühende Rubine und himmlisch schimmernde Saphire fand, um sie in den Schrein einzubauen. Es war ihm eine große Freude, sie hier zu versammeln, damit alle sehen und bewundern konnten, was er getan hatte.

Sein Ziel war es, daß andere in der Schönheit der Steine die Schönheit des Schöpfers sehen und durch die Faszination und Anziehungskraft seiner Arbeit lernen, die Tugenden der Mutter unseres Erlösers nachzuahmen.“

Was als Schrein zur Erfüllung eines heiligen Versprechens begann, entwickelte sich jedoch zu einem lebenslangen Unterfangen. Seine Vision der Grotte verlangte eine enorme Menge und Vielfalt ausgewählter Steine. Durch sein früheres Studium der Geologie war er ja ein Kenner feiner Mineralien.

Video 2: Kurze Besichtigung der Grotte der Erlösung

Der Bau der Grotte der Erlösung

Pater Dobberstein verwendete für den Bau der Grotte eine umfangreiche Sammlung von Mineralien, Edelsteinen und Halbedelsteinen. Versteinertes Holz, Malachit, Azurit, Achate, Geoden, Jaspis, Quarz, Topas, Kalzit, Stalaktiten und Stalagmiten sind nur ein Teil der Gesteine, die für den Bau der Grotte gesammelt, gekauft oder gespendet wurden. Die vielen Gaben der Besucher haben wesentlich dazu beigetragen, dieses künstlerische Wunder zu schaffen.

Er selber reiste Hunderte von Kilometern mit dem Zug oder Pferd und Wagen, um Edelsteine zu sammeln. Um die Materialien zu beschaffen, fuhr er nach Hot Springs, Arkansas, um kristallinen Quarz zu erhalten, zu den Black Hills in South Dakota, um die Erlaubnis zu erhalten, Silber, Feldspat oder Rosenquarz zu sammeln, und zum Lake Superior in Minnesota, wo er Achate von den unberührten Stränden auflesen konnte. Er erhielt die Erlaubnis, Höhlenforscher dafür zu bezahlen, daß sie in den Carlsbad Caverns in New Mexico eine Stalagmiten-Formation abbrachen, bevor die Caverns zum Nationalpark wurden. Jahr für Jahr wurden tonnenweise Steine in Eisenbahn-Waggons für ein Projekt transportiert, für das es keinen Bauplan gab.

Pater Dobberstein verwendete nicht nur Steine, sondern auch versteinertes Holz aus North Dakota, Korallen aus Hawaii und machte sogar seine eigenen Kreationen, die er „Dobberstein-Blütenblätter“ nannte, bei denen er Beton zu einer blumenähnlichen Struktur aushärtete und farbige Geoden hinzufügte. Er hatte auch die clevere Idee, Buntstifte mit Glas einzuschmelzen und in den Beton zu versenken. Malachit, Azurit, Fluorit, Achate, Geoden, Marmor, Jaspis, Topas und Kalzit sind nur eine kleine Liste der vielen Gesteine, aus denen sein Meisterwerk besteht. Er verwendete buchstäblich jede Art von Gestein, das nicht nur in jedem Bundesstaat der Vereinigten Staaten zu finden ist, sondern auch viele Fossilien und Muscheln aus dem Meer sowie andere Gesteine aus Europa und vielen anderen Teilen der Welt.

Video 3: 4 Millionen Dollar in Edelsteinen – Grotte der Erlösung – Virtueller Spaziergang

Die Grotte, in der die vielen Materialien aus aller Welt verarbeitet wurden, symbolisiert so die Universalität der katholische Kirche mit der Schönheit ihres Glaubens.

Was die Grotte der Erlösung zeigt

Eingang zur Grotte der Erlösung

Es handelt sich um ein aus neun Grotten bestehender Komplex aus Mineralien, Muscheln und Steinen. Das Heiligtum umfasst außerdem ein Museum mit wertvollen Edel- und Halbedelsteinen sowie Fotos und Artefakte, die eine Geschichte über den Bau des Schreins erzählen.

Neben den wertvollen Steinen und einer dreistöckigen Struktur aus Felsen gibt es viele Statuen und Schnitzereien an den Wänden, die Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament erzählen.

Die neun Grotten sind nach ihrem Inhalt aus dem Alten und Neuen Testament unterteilt. Sie zeigen u.a. verschiedene Ereignisse aus dem Leben Jesu Christi. Dazu gehören das letzte Abendmahl, die Auferstehung, die Geburt und die Kreuzigung.

In einer der Hauptgrotten sieht man Moses, der die Zehn Gebote hält, und den reichen Mann und Jesus, die sich gegenüberstehen. Der reiche Mann stellt die Frage „Meister, was soll ich tun, um zum ewigen Leben zu gelangen?“ an die Wand. Die Antwort ist in goldene Mosaiksteine in der Mitte geätzt und zitiert Christus aus der Heiligen Schrift: „Willst du zum ewigen Leben gelangen, so halte die Gebote“.

Der Sündenfall

Wenn man durch die Grotte gegenüber dem Museum geht, sieht man zwei Statuen von Adam und Eva, die von einem Engel des Herrn aus dem Garten vertrieben wurden, und eine Felsstruktur der Schlange. Besonders kreativ ist die Art und Weise, wie Pater Dobberstein ein kleines, aber sichtbares Bild der Heiligen Jungfrau hinter der Statue von Eva platziert hat, was darauf hinweist, daß sie in Zukunft die neue Eva sein wird. Gegenüber von Adam ist das äußere Bild eines Glasfensters der Verkündigung von einer anderen Grotte auf der anderen Seite zu sehen, was darauf hinweist, daß die neue Eva in der Zukunft den neuen Adam gebären wird.

Im Inneren der Grotte des Glasfensters, das Pater Dobberstein in Deutschland geschenkt bekommen hat, befindet sich eine massive Marmorstatue der Heiligen Jungfrau, die das Jesuskind hält und auf den Beginn der Erlösung hinweist. In der Ecke derselben Grotte sind die Schlüssel des Heiligen Petrus und der Kelch mit dem Blut zu sehen, die dem Betrachter die Botschaft vermitteln, daß die Erlösung nur innerhalb der Kirche Christi durch die Sakramente erlangt werden kann. Aufgrund des ökumenischen Zeitgeistes wird dies bei der Besichtigung jedoch nicht erwähnt.

Geburtsgrotte und Kreuzweg-Stationen

Durch einen anderen Eingang gelangt man auf der ersten Ebene zu einer Geburtsgrotte und daneben zu einer weiteren Grotte, die das Leben Jesu in Nazareth mit seiner heiligen Mutter und dem heiligen Josef darstellt. Über diesen Ebenen befinden sich Szenen der Passion unseres Herrn, wie die Agonie und der Verrat von Judas.

In der Mitte der Grotte befinden sich spektakuläre Strukturen der Kreuzweg-Stationen, die aus brasilianischen geschliffenen Achaten mit braunem Jaspisgestein bestehen und den Schmerz des Kreuzweges bis zu den letzten drei Stationen darstellen. Die zwölfte Station ist aus weißem Gestein, das den Sieg über die Sünde symbolisiert. Auf dem höchsten Punkt der gesamten Grotte steht die dreizehnte Station, allerdings in lebensgroßer Form, wie auch die letzte Station, die in Form einer Grotte neben der Reihe der Stationen steht.

Auf der 2. bis 3. Ebene schließlich befinden sich Darstellungen eines offenen Grabes und auf der Rückseite eine Statue der Heiligen Maria Magdalena, die den auferstandenen Leib Christi sieht.

An der Seite, auf der sich eine St. Michael-Statue im Hof befindet, die sowohl der Kirche als auch der Herz-Jesu-Statue gegenübersteht, die nach oben zeigt, steht links davon eine Wand mit den Seligpreisungen, deren Worte von Pater Dobberstein akribisch geschnitzt und geformt wurden.

Der religiöse Sinn der Grotte

Es soll sich um die größte Sammlung von Halbedelsteinen, Mineralien und versteinerten Materialien handeln, die in einem einzigen Kunstwerk auf der Welt versammelt ist und auf einen Wert von 4,3 Millionen Dollar geschätzt wird.

Die einzige Frage, die bleibt, ist, warum man ein so riesiges Bauwerk baut, um ein Versprechen zu erfüllen?

„Die Aufgabe der Kirche ist es, ihr Licht vor den Menschen leuchten zu lassen und es nicht unter einem Scheffel zu verstecken“ schreibt der Autor des Berichtes. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, dies zu tun. Gerade Kunst und Architektur, wie dies das Christentum in Europa hervorgebracht hat, waren und sind immer noch Zeugen katholischer Evangelisierung. Auch Pater Dobberstein wusste, daß das Herz des Menschen in der Regel schneller durch das Auge als durch das Ohr erreicht wird. Je größer er sein Projekt gestaltete, desto mehr hoffte er, die Menschen zum wahren Glauben zu führen.

Der Katechismus von Trient als Leitschnur für die Erbauung der Grotte

Die Grotte diente ihm als Lehrmittel, das direkt aus dem Katechismus des Konzils von Trient entnommen ist, da es sich auf die Erlösung durch Christus konzentriert, wo es unter der Überschrift ‚Die Leidens-Geschichte Christi soll man dem Volk häufiger vorbringen‘ heißt:

5. „Aber der Pfarrer wird den geschichtlichen Inhalt dieses Artikels nicht übergehen, welcher so sorgfältig von den heiligen Evangelisten dargestellt worden ist, damit die Gläubigen wenigstens mit den Hauptstücken dieses Geheimnisses, welche zur Bekräftigung der Wahrheit unseres Glaubens nötiger erscheinen, bekannt seien.“

10. Nachdem man sich hierüber klar geworden ist, wird der Pfarrer vom Leiden und Tode Christi dasjenige erklären, woraus die Gläubgen die Unermesslichkeit eines solchen Geheimnisses wenn nicht begreifen, so doch betrachten können.

15. Alle diese so großen und göttlichen Güter aber, wird der Pfarrer erklären, sind aus Christi Leiden auf uns übergeströmt; zuerst, weil es eine vollständige und in jeder Hinsicht vollkommene Genugtuung ist, welche in wunderbarer Weise Jesus Christus für unsere Sünden Gott dem Vater geleistet hat. Ja, der Preis, welchen er für uns bezahlte, war unseren Schulden nicht nur entsprechend und gleich, sondern er ging weit über sie hinaus.

16. Aber außer jenen unermesslichen Wohltaten haben wir auch jene überaus große erlangt, daß wir in diesem einen Leiden die glänzendsten Beispiele aller Tugenden haben; denn es zeigt und Geduld und Demut, ausgezeichnete Liebe und Sanftmut, Gehorsam und den größten Gleichmut nicht nur in Ertragung von Schmerzen um der Gerechtigkeit willen, sondern auch in der Übernahme des Todes, in einem solchen Grade, daß wir in Wahrheit sagen kölnnen: unser Erlöser habe, was er immer an Lebensvorschriften während der Zeit seines Lehramtes mit Worten uns gelehrt hat, sie alle an dem einen Tag des Leidens an sich selbst ausgeprägt.“ (Quelle: Der römische Katechismus, Erster Teil, Fünftes Hauptstück)

Die enorme Schaffenskraft von P. Dobberstein

Neben der Arbeit an der Grotte konnte Pater Dobberstein noch eine kleine Bauerngemeinde betreuen. Es wird berichtet, daß er in den 56 Jahren seines Lebens in West Bend mehr als tausend Unterschriften auf Taufscheinen in seiner Gemeinde hatte. Das grenzt an ein Wunder, wenn man bedenkt, wie beschäftigt er ständig war.

Während seiner vier Jahrzehnte währenden Arbeit an der Grotte der Erlösung nahm Dobberstein eine Reihe von Aufträgen an. Er baute drei verschönerte Betonkonstruktionen für öffentliche Plätze in der Region: einen großen Gedenkbrunnen im John Brown Park in Humboldt, IA, ein Kriegerdenkmal in Pocahontas, IA, und einen verkrusteten Fahnenmastsockel mit der Aufschrift IN MEMORY OF OUR SOLDIERS in Parkston, SD.

Die Popularität der Grotte der Erlösung und das wachsende Interesse der Katholiken und der Bevölkerung an der Grottenform führten auch zu Aufträgen für sechs religiöse Grotten, die für katholische Kirchen, Klöster und einen Friedhof gebaut wurden. Durch die Vorfertigung von Tafeln mit Rosetten und anderen Bauteilen konnten Dobberstein mit seinem langjähriger Mitarbeiter und Assistenten Matt Szerensce in der Werkstatt in West Bend Bauteile herstellen, die später transportiert und vor Ort aufgestellt wurden.

Weitere religiöse Grotten von P. Dobberstein

In der Pfarrkirche des Ortes, St. Peter und Paul, befindet sich eine wunderschöne Geburtsgrotte, von P. Dobberstein geschaffen.

Etwa fünfunddreißig Meilen nördlich und östlich von West Bend schuf Dobberstein einen Felsen und eine verzierte Betonfassung für die Marmorstatuen der Kreuzigungsgruppe auf dem Friedhof der katholischen Kirche St. Joseph in Wesley, IA (dieses Werk ist erhalten). 1935 wurde Dobberstein von den La-Salette-Patres eingeladen, eine Grotte im Gebirgsstil für das Innere der Sacred-Heart-Kirche, einem umgebauten Patronen-Fabrikgebäude in Sioux City, IA, zu bauen (dieses Werk ist vermutlich noch erhalten).

Von 1923 bis 1929 arbeitete Dobberstein an der Grotte der Unbefleckten Empfängnis auf dem Gelände der St.-Angela-Akademie in Carroll, IA, und entwickelte eine Formel für kleine, oberirdische Grotten, die einen archetypischen höhlenartigen Innenraum mit einer Miniatur-Bergform kombinierten. (Diese Grotte wurde abgebaut [Datum unbekannt] und ihre Bestandteile wurden nach West Bend zurückgebracht, wo einige Teile von Pater Louis Greving, Dobbersteins Kollege und Nachfolger, in die Grotte der Erlösung eingebaut wurden).

Pater Dobberstein schuf drei Grotten auf beiden Seiten des Mississippi in Iowa und Wisconsin: die Grotte der Heiligen Familie etwas östlich von La Crosse, Wisconsin, für die Franziskanerinnen von St. Joseph’s Ridge (noch vorhanden); die Grotte der Heiligen Familie im Mount St. Francis Convent in Dubuque, Iowa (noch vorhanden); und die Grotte der Heiligen Jungfrau im St. Rose Convent, La Crosse, WI. (Diese Grotte wurde um 1994 abgebaut; ihre Bestandteile wurden nach West Bend zurückgebracht, und einige Teile wurden in das Museum und den Geschenkeladen der Grotte der Erlösung integriert). (Quelle: Spaces – Die Grotte der Erlösung)

P. Dobberstein inspirierte zu weiteren Grottenbauten

Die Grotte der Erlösung von P. Dobberstein kann wohl als die „Mutter aller Grotten“, die von Menschenhand geschaffen wurde, bezeichnet werden. Mit dem Bau der Grotte war eine Grottenbau- Bewegung in den USA ausgelöst.

Pater Dobberstein inspirierte andere Priester seiner Zeit wie Pater Mathias Wernerus, der 1930 eine Grotte in Dickeyville, Wisconsin, errichtete. P. Wernerus Grottenbau wurde von P. Dobbersteins Grotte der Erlösung beeinflusst.

Auch P. Wernerus (1873-1931) stammte aus Deutschland. Er zog 1904 nach Wisconsin, um am St. Francis Seminar zu studieren. Einige Jahre später wurde er zum katholischen Priester geweiht und wurde 1918 Pfarrer der Holy Ghost Church in Dickeyville.

Bereits während seiner Ausbildungszeit am Priesterseminar St. Francis hatte P. Dobberstein im Jahr 1894 die Grotte Unserer Lieben Frau von Lourdes erbaut.

Auf dem Gelände in Dickeyville befinden sich die Grotte der Heiligen Jungfrau, das Christkönig-Heiligtum, der Herz-Jesu-Schrein, der eucharistische Altar, der Heilig-Geist-Baum, das Patriotismus-Heiligtum und die Kreuzigungsgruppe.

Die Ave Maria Grotte in Cullman, Alabama

Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang die Ave-Maria-Grotte in Cullman, Alabama. Diese Grotte wurde von dem Benediktinermönch P. Joseph Zöttl errichtet. Ursprünglich aus Landshut in Bayern-Deutschland stammend, machte sich der junge 14-jährige Joseph auch auf den Weg nach Amerika. Die göttliche Vorsehung führte ihn nach Cullman, wo er in Alabamas einziger Benediktinerabtei ein klösterliches Leben führen wollte.

„Bruder Joseph kam im Alter von 14 Jahren nach Alabama wo er zunächst zur Schule ging. Er studierte später auch hier an unserer Schule der damals neu gegründeten Abtei. Im Alter von 18 Jahre legte er sein Gelübde als Benediktiner-Mönch ab. Seine eigentliche Aufgabe hier in der Abtei war es, die Heizungskessel und Öfen des Klosters zu betreuen. Er arbeitete somit in einem dunklen Umfeld, während seiner Freizeit liebte er es, draußen zu sein. Und dort entstand sein Hobby, Miniaturen der berühmtesten Gebäude und Plätze der ganzen Welt nachzubauen. Alles und jedes, was er fand und nicht benötigt wurde, benutzte er als Baumaterial.“ (Quelle: Der Pater und seine Mini-Welt)

Zwar legte Br. Joseph 1897 seine Gelübde ab, aber Priester konnte er nicht werden. Denn durch einen Unfall hatte er eine Halswirbelsäulen-Kyphose, so daß sein Körper eine leichte Krümmung aufwies. Er war nur 1,54 m groß. Aufgrund dieser Auffälligkeit konnte ein Mann mit einer störenden Behinderung damals nicht zum Priester geweiht werden.

Im Jahr 1961 starb Br. Joseph im Alter von 83 Jahren.

Niemand ahnte, daß dieser Bayer der Abtei sein größtes Vermächtnis hinterlassen würde, und das auf unglaublich bescheidene Art und Weise. Seit 1934 besuchen Menschen aus der ganzen Welt die Ave-Maria-Grotte, um berühmte Teile der Welt in Miniatur zu sehen.

Die ersten der Stein-Miniaturen baute Bruder Joseph bereits im Jahre 1912, zeitgleich mit P. Dobberstein, der in diesem Jahr mit der Erbauung seiner Grotte der Erlösung in West Bend, Iowa begann.

Der Landschaftspark mit der Ave-Maria-Grotte

Die Ave-Maria-Grotte in Cullman, Alabama, ist ein 16.000 m2 großer Landschaftspark in einem alten Steinbruch auf dem Gelände der Abtei St. Bernard, der 125 Miniatur-Nachbildungen einiger der berühmtesten religiösen Bauwerke der Welt beherbergt.

Ave Maria Grotte in Cullman, Alabama: Der St. Petersdom in Rom nachgebaut

So finden sich dort römisch-katholische Kathedralen und Klöster – insbesondere der Petersdom, die Abtei von Monte Cassino und die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Lourdes – sowie Szenen aus dem antiken Jerusalem, daher auch der Beiname der Grotte: „Jerusalem in Miniatur“. Auf der Hälfte des Hanges sind Gebäude und Szenen aus dem Heiligen Land zu sehen. Außerdem sind einige weltliche Gebäude und gelegentlich heidnische Tempel zu sehen, darunter die Alamo-Mission in San Antonio, der schiefe Turm von Pisa, spanische Missionen, deutsche Schlösser, südafrikanische Heiligtümer, der Feentempel von Hänsel und Gretel und sogar das Kraftwerk der Abtei St. Bernhard, in dem der Mönch Kohle schaufelte.

Am Ende des Weges steht ein imaginärer Turm von Babel, der an den vergeblichen Versuch der Menschen erinnert, einen Turm in den Himmel zu bauen. Am Ende des Weges steht ein Turm des Dankes, der die Dankbarkeit Bruder Josephs für die Unterstützung ausdrückt, die er während der Jahre des Baus seiner Skulpturen erhalten hat.

Eine zentrale künstliche Höhle bildet die eigentliche Ave-Maria-Grotte mit einer Decke aus verkrustetem Stalaktit und Statuen der Jungfrau Maria und verschiedener Mönche und Nonnen.

In diesem Video ist die gesamte Anlage sehr schön zu sehen: Ave Maria Grotto, Cullman, Alabama.

Weitere schöne Bilder finden sich in dem Artikel: „Als eine Verletzung seinen bescheidenen Traum zunichte machte, baute er stattdessen eine ganze Miniaturwelt“. (auf Englisch)

Die Kathedrale des Justo Gallego Martinez in Mejorada del Campo, Spanien

Zum Schluss noch eine Anmerkung: In Spanien, nicht weit von Madrid entfernt, hat Justo Gallego über 60 Jahre an seiner Kathedrale gebaut. 2021 ist er verstorben. (siehe: Zum Tod von Justo Gellego) Justo Gallego war Landarbeiter, bevor er mit 27 Jahren Trappistenmönch wurde. Als Novize erkrankte er an Tuberkulose und musste das Kloster bald wieder verlassen. Er legte ein Gelübde ab: Sollte er geheilt werden, werde er der Schutzheiligen Spaniens, der Nuestra Señora del Pilar, ganz allein eine Kirche bauen. Und er wurde geheilt. Was er dann im Jahr 1961 zu bauen begann, ist in dieser Video-Reportage „Die Baustelle des Herrn“ zu sehen.

Dieser Beitrag reiht sich somit ein in die Beiträge über katholische Priester und Ordensleute, die uns weitgehend unbekannt sind, aber mit der Kraft Gottes Herausragendes bewirkt haben.

Es sind hier zu nennen:

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